Bienvenidos  Die Abreise Richtung Kolumbien erfolgte – wie alle unsere Südamerikareisen – in bewährter Manier sehr frühmorgens von Hamburg aus mit KLM nach Amsterdam. Zwei Stunden später bestiegen wir die Boeing nach Bogotá, von wo wir aber nach nur einem kurzen Zwischenstop mit dem selben Flieger weiterflogen zu unserem Endziel, der Stadt Cartagena an der Karibikküste. Abgesehen von einigen Umständlichkeiten bei einem erneuten Handgepäckcheck in Bogotá, bevor man uns wieder auf die gleichen Plätze ließ, die wir kurz zuvor aus "Sicherheitsgründen" verlassen hatten, verlief das Einreiseprozedere in Cartagena erfreulich unbürokratisch und nach kurzer Zeit rollten auch unsere Koffer vom Band. Wir waren zwar der Sonne nachgeflogen, aber so nahe am Äquator begann es schon dämmerig zu werden, als wir nach einem ersten Geldumtausch gegen 18:00 Uhr den Flughafen verließen. Erfreulicherweise empfing uns auch sogleich unser avisierter Abholer mit einem Namensschild und nach einer kurzen Absprache parkte er uns an der Abholspur, um sein Fahrzeug von dem etwas weiter entfernten Parkplatz zu holen. Inzwischen war es dunkel geworden und wir bekommen auf der Fahrt zu unserem ersten Hotel (nicht dieses auf dem Bild – das ist erst das Zweite!) einen sehr lebhaften Eindruck von der kolumbianischen Verkehrspraxis, die uns für die folgenden Tage das Schlimmste befürchten läßt.  Wie immer kommt man aber bereits jetzt von der Startseite per Klick auf unseren  Routenverlauf , dem wir trotz aller Herausforderungen glücklicherweise unfallfrei gefolgt sind. Erste Schritte  Es geht ein bißchen durcheinander mit den Fotos, denn bis wir vom Hotel in Barranquilla aus einen ersten entspannten Erkundungsgang durch unser Urlaubsdomizil unternehmen, passiert noch so einiges. Denn noch befinden wir uns in Cartagena, haben soeben das Übernachtungshotel erreicht und mit Hilfe unseres Abholers das Gepäck entladen und in unser nettes Zimmer verfrachtet. Maren will noch schnell einen Blick auf die Adresse unseres morgigen Ziels werfen, nur um voller Entsetzen festzustellen, dass sie ausgerechnet ihren Rucksack, das Behältnis all unserer Reisedokumente und Telefonnummern, auf dem Rücksitz des Transferautos vergessen hat. Verzweifelt entern wir das Hotelfoyer, um nach einem Weg zu suchen, den Fahrer irgendwie wieder zu erreichen, als die Außentür sich öffnet und unser Fahrer mit dem Rucksack winkend wieder eintritt. Man hört förmlich den Plumps des Steins, der Maren vom Herzen fällt und die folgende, herzliche Umarmung hat sich der aufmerksame Fahrer wirklich verdient. Einmal Chimborazo-Abenteuer reicht... Die Nachtruhe ist nun gesichert und nach einem sättigenden, wenn auch sehr süßen Frühstück steht bereits unser erster Mietwagen nebst Fahrer vor der Tür des Hotels. In Ermangelung eines Parkplatzes beladen wir das warnblinkende Auto direkt an der Straße und nach einer kurzen Übergabeprozedur mit drei Unterschriften schließen wir unser Navi an und machen uns auf den Weg – das heißt, wir versuchen es... Der unglaubliche Hulk  Ich gebe Gas, aber der Wagen setzt sich nur ruckelnd in Bewegung. Habe ich den falschen Wahlhebel der Automatik erwischt? Als Schaltgetriebefahrer muß man sich ja erst wieder umgewöhnen. Nein, alles in Ordnung. Dann wird es die Handbremse sein, aber ein Hebel bzw. ein Schalter ist nirgends zu finden. Erneutes Anfahren... vielleicht löst sich die Bremse automatisch? Nada! Inzwischen haben wir an die zweihundert Meter zurückgelegt und werden langsam panisch. Der Mann von der Vermietung ist lange außer Sicht. Erst mal aussteigen und am Kopf kratzen. Halt, was hat denn der briefmarkengroße Hebelkopf vorne links im Fußraum zu bedeuten? Nun kann es endlich weitergehen. Glücklicherweise ist es Sonntagvormittag, der Verkehr ist bei der Ausfahrt aus Cartagena noch gemäßigt und bald haben wir die Stadt verlassen. Die Strecke ist schön, denn zum Meer hin dehnen sich baumbestandene Sümpfe und Lagunen voller Flamingos und Pelikane. Erstmalig machen wir auch Bekanntschaft mit den landesweit verteilten Mautstationen und nachdem wir zweimal umgerechnet 5.- € gelöhnt haben, erreichen wir bereits um 10:30 Uhr unser luxuriöses El Prado Hotel in Barranquilla, welches uns mit einem unübersehbaren "Bienvenidos" Willkommen heißt.  Nach dem Bezug unseres Zimmers und einer kurzen Akklimatisierung starten wir nun auch eine kurze Erkundung der Umgebung, lernen dabei die zum Teil recht obrigkeitskritischen Wandmalereien kennen, begegnen dem unglaublichen Hulk in seinem natürlichen Biotop und besorgen uns in einem Minimarket Getränke und Kekse für die Notverpflegung. Im Zeichen des Karnevals  Zurück im Hotel streifen wir durch die ausgedehnten, gefliesten Gänge des Hotels, die in diesen Tagen der herrschenden Feststimmung entsprechend ausgestattet sind. Nicht zufällig hatte Maren unseren Urlaubsstart auf den Anfang der achten Jahreswoche gelegt, denn jetzt beginnen die wilden vier Tage des Karnevals in Barranquilla, bevor am Aschermittwoch alles vorbei ist und die Fasten- und Bußzeit beginnt. Jeder kennt den Karneval in Rio de Janeiro, der als weltweit größte Veranstaltung dieser Art gilt, aber kaum jemand hat vom Karneval in Barranquilla gehört, der mit jährlich über einer Million Besuchern und unzähligen Festivitäten unbestritten den zweiten Platz einnimmt. Eigentlich ist uns als typisch drögen, nichtkatholischen Norddeutschen schon der rheinische Karneval suspekt, wenn man aber schon mal die Gelegenheit hat, einem Fest beizuwohnen, welches in ganz anderen, verschiedenen volks- und stammesgeschichtlichen Bräuchen wurzelt, denen spanischer Katholizismus übergestülpt wurde, wird die Sache wieder interessant :-). Hier beschränkt sich der Karneval nicht auf ein paar Vereine und Funkenmariechen, nein, die ganze Stadt scheint zu brodeln, und selbst im Hotel finden viele Accessoires wie Hüte und T-Shirts Anklang unter den Gästen.
Der Karneval beginnt am Smartphone  Bereits zu Hause hat Maren Karten für die große Parade am Rosenmontag über das Reisebüro geordert. Wie heutzutage üblich, gibt es keine Papiertickets mehr, sondern nur noch QR-Code bestückte Smartphonedateien, die im besonderen Fall der Sitzplatzreservierung auf einer Tribüne zwar die Buchung bestätigen, dem Kunden aber erst wenige Stunden vor Beginn der Veranstaltung mitteilen, auf welcher Tribüne er denn Platz nehmen darf. So erfahren wir denn erst nach mehrmaligem Nachschauen auf dem Handy am Sonntagnachmittag, welche der zahlreichen Tribünen nun "unsere" ist. Zuerst kommen wir aber in den Genuß eines sehr reichhaltigen Abendessens im Innenhof des Hotels, welcher sich nahtlos zu einem Festivalplatz öffnet, auf dessen Bühne sich phongewaltig verschiedene Rumba- und Samba- Bands austoben und das tanzwütige Publikum beschallen. An einen geruhsamen Schlaf ist heute Nacht trotz tief versenkter Ohrstöpsel nicht zu denken, erst nach 3:00 Uhr wird es langsam ruhig. Gran Parada de Tradición  Um 6:30 Uhr stehen wir schon wieder auf, weil wir doch nicht mehr schlafen können. Etwas später ist es im Frühstücksrestaurant weitgehend leer, wahrscheinlich erholen sich die meisten Gäste noch von den Strapazen der Nacht. Wir machen uns gegen 9 Uhr langsam auf die 1.5 km Fußweg zur Via 40, froh über die vielen schattenspendenden Bäume entlang der Straße, denn es beginnt bereits warm und schwül zu werden. Gekoppelt an die Mitteilung der Bühnenreservierung vom Vortag war dankenswerterweise auch eine nun über das Smartphone aufrufbare Straßenkarte, der wir entnehmen konnten, dass die direkt am Hotel vorbeiführende Straße passgenau neben 'unserer' Tribüne auf die Via 40 mündete. Wir sind frühzeitig vor Ort, auf der Tribüne haben sich erst eine Handvoll Menschen eingefunden, so dass wir es uns auf der oberen Reihe bequem machen. Bis zum geplanten Beginn der Parade um 12:00 Uhr ist noch reichlich Zeit und während sich langsam die Ränge füllen merken wir, dass wir ganz oben eine Menge Köpfe vor uns haben, wenn auf der Straße der Trubel beginnt. Wir ziehen also noch mal auf kamerafreundlichere Plätze nach ganz unten um, als auch schon die "Gran Parada" mit einem noch steigerungsfähigen Aufmarsch einiger weiblicher Bomberos und eines Feuerwehrwagens beginnt. Die Vorhut  Auf dem Weg vom Hotel hinab zur Via 40, der großen Magistrale, auf der die heutige Parade den Höhepunkt des Karnevals darstellt, passieren wir engbebaute Wohnquartiere, deren Bewohner sich erkennbar ebenfalls in Feierlaune befinden, denn aus allen Ecken schallt uns laute Musik entgegen und an manchen Stellen haben sich bunt kostümierte Gruppen meist junger Mädchen versammelt, die, von ihren Müttern begutachtet, letzte Hand an ihre Verkleidung anlegen. Nun werden sie sicherlich bald abgeholt und von Bussen an den Beginn der Parade gekarrt, der von dem Ende des Umzugs, an dem wir uns befinden, gute fünf Kilometer entfernt ist. Die Komparsen, die jetzt gegen 13:00 Uhr für uns den Zug anführen, haben also schon einen kräfteraubenden Marsch in praller Mittagssonne hinter sich. Marimondas  Quasi als Leitmotiv und Sinnbild des Karnevals gelten die Marimondas, die hier an der Spitze des Umzugs und im weiteren Verlauf in variierenden Kostümen auch eingestreut zwischen anderen Tanzgruppen den Kampf der kleinen Leute gegen eine erdrückende Oberschicht symbolisieren sollen. Im 19. Jahrhundert enstanden, wollen sich die Marimondas mit ihren affenartigen Tänzen, den überdimensional betonten Gesichtskarikaturen und den von den ärmeren Schichten in Handarbeit genähten, meist umgekehrt getragenen schrillen Hosen, Sakkos und Krawatten über eine elitäre Klasse lustig machen, die sie sonst entweder nicht wahrnimmt oder ausbeutet.
Mit alles!  Geht man nach dem Augenschein, sind die meisten der neben uns die Tribünen bevölkernden Besucher Einheimische, wir als hellhäutige Europäer sind eher die Ausnahme. Entsprechend ist auch die Begeisterung, mit der die farbenfrohen, sehr aufwendigen Kostüme vom Publikum gefeiert werden, im Ausmaß wohl nur zu verstehen, wenn einem der kulturelle Hintergrund angeboren ist. Bullenhitze  Schwarzafrikanischer Einfluß aus der Karibik ist verantwortlich für die aus Kriegstänzen des Kongo abgeleitete Symbolik, in der Stier, Esel und (merkwürdigerweise, der asiatische) Tiger eine totemistische Bedeutung genießen. Man empfindet aber schnell Mitleid, wenn sich der meist kindliche Totemträger am Ende des langen Zuges erschöpft im Schatten der Tribüne zumindest partiell vom schweren Kostüm befreit. Mit Pauken und Trompeten  Ein weiterer Trupp Marimondas zieht, begleitet von einer lautstarken Perkussionband, vorbei. Überhaupt ist die Parade nicht nur ein Anschlag auf den Sehsinn, auch die Ohren werden bis an die Schmerzgrenze beansprucht. Denn es ist ja nicht nur die Begleitmusik der gerade vorbeiziehenden Komparserie, sondern es schallt zusätzlich vom gerade vorbeigezogenen und dem von hinten nachfolgenden Zug eine so wüste Kakophonie von Tönen auf den Zuschauer ein, dass man bald gezwungen ist, seine Ohren auf Durchzug zu schalten. Seepferdchen Parade  Ich versuche, es mal vorsichtig auszudrücken: Südamerika ist weit von Nahost entfernt. Punkt! Dementsprechend sind die Anhänger einer gewissen leibfeindlichen Ideologie entweder sehr sparsam oder garnicht unter der einheimischen Bevölkerung vertreten. Politisch ist derzeit zwar eine linke Gruppierung an der Macht, die aber mit der Bewältigung echter sozialer Probleme so ausgelastet ist, dass der explizit weibliche Teil der uns bekannten 68 verschiedenen Geschlechter weitgehend unbevormundet bleibt.  Das hat eine alle Altersstufen der weiblichen Bevölkerung umfassende Natürlichkeit und Unverkrampftheit im Umgang mit der eigenen Körperlichkeit zur Folge, die uns vor Staunen den Mund offen stehen läßt. Es ist eine bittere Ironie, dass ein Land wie Deutschland, welches sich einer aufgeklärten Sexualmoral rühmt, Dank seines verklemmten und sprachlosen Feminismusses wahrscheinlich mehr Frauen alleine läßt, als dies in einem tief katholischen, unaufgeklärten Land der Fall zu sein scheint.
Tragkraft 50 kg  Betrachtet man allein den Aufwand der Kostümherstellung, muß Karneval in Barranquilla eine Ganzjahresbeschäftigung sein. Nicht nur die Fantasie bei der Gestaltung der aus Federn, Stoffen, Masken und Figuren zusammengesetzten Arrangements läßt einen staunen, man mag sich auch nicht vorstellen, wieviel Gewicht in so mancher Konstruktion steckt, die ein nimmermüder Tänzer mit einem Lächeln im Gesicht über mehrere Kilometer trägt. Tanzende Sombereros  Aufgrund der Lage an der Karibikküste ist Barranquilla ein Sammelbecken der Kulturen. Hier treffen Abkömmlinge schwarzafrikanischer Völker, die als Sklaven auf die karibischen Inseln verschleppt wurden, auf Urenkel spanischer Eroberer und die Stammesgesellschaften indianischer Ureinwohner. All diese Menschen haben im Laufe der Jahrhunderte kriegerische Kämpfe und Auseinandersetzungen ausgetragen, die sich tief in das Gedächtnis der Kulturen eingegraben haben und mitunter in ritualisierter Form kompensiert worden sind. So bildet der Karneval heute ein Konglomerat aus ausschweifender Lebenslust vor der vierzigtägigen Fastenzeit des Katholizismus und den Darbietungen einer Stammesgesellschaft, die in mitreissenden Rhythmen, Tänzen, Pantomimen und Kostümen ein Mittel zur Bewältigung und Persiflierung gesellschaftlicher Konflikte gefunden hat. Rumbón – Bildung auf einem neuen Niveau  Der "Rumbón Normalista" ist eine akademische Karnevalsgruppe, die eine ganzheitliche Verschmelzung von Identität, Kultur, Wissen und Bildung anstrebt, um den Lebensstandard der Menschen zu heben, ohne sie von ihren Wurzeln abzuschneiden. Angestrebt wird eine enge Verbindung von Intellekt und Kunst, die in der karnevalistischen Präsentation das Gemeinschaftsgefühl fördern soll. Wie die meisten Themengruppen wird auch diese von einem aufwendig geschmückten Truck angeführt, auf dem sich die gesetzteren Kaliber der Gruppen dem Publikum darbieten und von dem die meist weit auseindergezogenen Tanzgruppen mittels einer bombastischen Anlage mit einheitlicher Musik beschallt werden. Studentendemo  Es muß nicht immer gegen Kapitalismus und Faschismus gehen – andere Völker und andere Kulturen haben andere, naheliegendere Prioritäten, die sie auf erheblich sympathischere und friedvollere Weise zum Ausdruck bringen. Wurde die sombrerogeschmückte Komparserie vor dem Truck noch von dem jugendlichen Nachwuchs gebildet, ist die Gruppe der ununterbrochen  an uns vorbeitanzenden Studenten mindestens hundert Meter lang.
Ältere Semester  Der Karneval vereint sie alle! Von begeistert herumhüpfenden Sechsjährigen bis hin zu ihren Omas und Opas finden sich alle Altersstufen und ebenso alle Hautschattierungen in den Gruppen wieder. Bekanntermaßen ist Kolumbien – wie die meisten südamerikanischen Gesellschaften – immer noch ein Land großer sozialer Gegensätze und daraus resultierender politischer Spannungen. Wer sich aber die wirtschaftliche Entwicklung allein der Region Barranquilla über die letzten zwanzig Jahre anschaut, lernt, dass das Wachstum des wirtschaftlich bedeutenden Hafens sich im Anwachsen eines breit gestreuten Lebensstandards niedergeschlagen hat. Dem touristischen Kurzgast bleiben sicherlich viele Konflikte verborgen, hier nimmt er aber einen Eindruck von Harmonie mit, der nicht aufgesetzt wirkt! Totale Sicherheit?  Wir sind erst zwei Tage im Land und können uns noch kein Urteil über die kolumbianische Polizei erlauben, da wir (glücklicherweise) noch keinen näheren Kontakt zu ihr hatten. Unsere Erfahrungen aus anderen südamerikanischen Ländern sind eher gemischt – von korrupten Straßenräubern an der peruanischen Küstenstraße bis zu äußerst hilfsbreiten Polizisten in Cusco. Hier wissen wir noch nicht, ob der grimmige Hai eher selbstironisch gemeint ist, oder tatsächlich als Drohung verstanden werden soll. Wobei der weitere Aufbau des Wagens mit einem Zebra und einer Giraffe das Bild nicht klarer macht... Im weiteren Verlauf der Reise werden wir einige Male Kontakt zu den uniformierten Ordnungshütern haben, welcher aber trotz des martialischen Auftretens mit in der Regel umgehängten Maschinenpistolen in jedem Fall untadelig bis sehr freundlich verläuft. So ist das seitlich unter dem drohenden Hai angebrachte Motto "aqui suena securidad democracia" – "Hier heißt es: Sicherheit und Demokratie" wohl eher als Warnung an die immer noch in Randbereichen des Landes aktiven Aufständischen und Drogenbanden zu verstehen. Selbstportraits  Wir erwähnt, gehören wir nicht unbedingt zu dem typischen Karneval Zielpublikum, weswegen wir auch höchstens mal aus Versehen Zeugen von Übertragungen großer Umzüge aus Rio de Janeiro im Fernsehen geworden sind. Dieses waren meist von erhöhten Standorten übertragene Nachtparaden ebenfalls aufwendig kostümierter, aber meist in geordnetem Reih und Glied marschierender Gruppen. Unbewußt hatten wir hier wohl etwas ähnliches erwartet, uns wird aber klar, dass dieser Rosenmontag bereits der dritte Tag bunten Treibens ist, die Temperaturen an die 30°C heranreichen und die Tänzer – wenn sie uns passieren – bereits fünf Kilometer anstrengenden Gehopses hinter sich haben. Entsprechend sind die Auflösungserscheinungen, die sich darin zeigen, dass einzelne Komparsen statt zu tanzen nur noch ermattet neben ihren noch aktiven Gefährten einhertapsen, ganze Züge sich nur noch zu einem – immer noch freundlich beantworteten – Winken ins Publikum aufraffen und andere schon mit den Abschlußselfies der diesjährigen Parade beschäftigt sind. Paarweise  Auch auf der Tribüne ist es im Laufe der Zeit immer voller und gedrängter geworden, die ansteigenden Temperaturen tun ein Übriges und zu allem Überfluss gibt es ein paar jugendliche Knalltüten, die den unablässig vorbeiziehenden fliegenden Händlern äußerst beliebte Kartuschen mit Sprühschaum aus den Händen reißen um mit diesen voller Begeisterung über die dicht gedrängt sitzenden Menschen auf der Tribüne zu spritzen. Der Schaum ist zwar nicht schädlich, fällt auch schnell wieder in sich zusammen, aber nicht jeder isr davon begeistert, Haare und Kleidung von dem klebrigen Zeug befreien zu müssen. Bei uns kommt noch hinzu, dass wir ständig aufpassen müssen, nichts davon auf die Kameras und die Linsen zu bekommen. Glücklichweise ist während der Parade schnell das Meiste von dem Klebstoff verspritzt, so dass mangels Nachschub zumindest in dieser Hinsicht bald Ruhe eintritt.
Ein fescher Adler  Nicht nur die holde Weiblichkeit bietet sich in freizügigen Kostümen und Posen dar, es gibt auch genügend bodybuilding gestählte Männer, die ihrer Fantasiefigur die notwendige Glaubwürdigkeit verleihen :-). Royaler Glanz  Eine tragende Rolle spielt im jährlichen Karneval die jeweils neu gewählte Königin. Für das einheimische Publikum sicherlich eine schon seit Tagen bekannte Schönheit, deren Prominenz durch Internet und Medien sichergestellt ist, an uns aber leider völlig vorbeigegangen ist. In Barranquila gibt es sogar ein Karnevalsmuseum, in dem die Kostüme der Königinnen der letzten hundert Jahre präsentiert werden. An uns sind im Laufe der letzten drei Stunden aber bereits so viele aufwendig ausstaffierte Schönheiten vorbeiparadiert, dass es uns unmöglich ist, auch nur eine einzige von ihnen besonders herauszuheben. Selbst unter den auf Fahrzeugen herausgehoben präsentierten Frauen könnten wir keine als DIE Königin identifizieren, weshalb diese Bilderstrecke leider ganz profan bürgerlich bleiben muß... Flower Power  Drei Stunden ohrenbetäubender Beschallung und abwechslungsreicher optischer Augenkost schlagen sich allmählich bei uns in allgemeiner Erschöpfung nieder. Erkennbar dünnt sich auch der Umzug aus und hinter einem Trupp älterer Semester scheint die Via 40 sich nun zu leeren. Wir beschließen aufzubrechen, bevor der große Run beginnt und suchen uns unseren Weg durch leere Getränkeflaschen und anderen Müll hin zum ausgeschilderten Ausgang, nur um festzustellen, dass dort, wo "Ausgang" steht, gar kein Ausgang ist. Maren brüllt über den Lärm hinweg einen Offiziellen an, um nach dem korrekten Weg zu fragen, woraufhin er zurück brüllt, dass der Eingang auch der Ausgang sei und so wandern wir wieder zurück. Zwischenzeitlich haben sich doch noch einige Komparsengruppen auf der Via 40 eingefunden, aber uns reicht es für heute und nachdem wir das Tribünengelände über den Eingang verlassen haben, sind wir auch bald im Hotel, nicht ohne zuvor noch ein wenig Marschverpflegung im Minimarket erstanden zu haben. Eine Gondel für Zwei  Die heutige Nacht verläuft glücklicherweise ruhig, denn es dröhnen keine Bässe von einer Karnevalsfete mehr durchs Hotel. Am Morgen stehen wir um 7:00 Uhr auf, entern kurz danach den wohlgefüllten Frühstücksraum und finden nach einigem Suchen auch Weißbrot und Kuchen – aber keine Butter! Auf Nachfrage wird uns diese dann aber zum Tisch gebracht mit der Bemerkung, wir seien die Ersten, die die Butter vermisst hätten. Nun, kein Wunder, wenn man wie die Einheimischen schon morgens Hühnerbrühe und Würstchen bevozugt... Am Vortag hatten wir von der Tribüne aus ein weit entferntes Riesenrad in Richtung Hafen erspäht. Es ist noch früh, als wir unser Auto vom Parkplatz geholt, gepackt und im Hotel ausgecheckt haben, so dass wir nach einem Blick auf das Navi beschließen, vor dem Antritt der heutigen 145 km Etappe nach dem Riesenrad zu suchen, welches interessante Ausblicke verspricht.
Metropole der Karibik  In der Tat brauchen wir nur dem gestrigen Weg entlang der Calle 70 zu folgen, die Via 40 zu kreuzen, um nach weiteren 800 m auf die Avenida del Rio zu stoßen, eine schön angelegte Straße entlang einer ausgedehnten Parklandschaft am Ufer der Mündung des Río Magdalena, dem mit 1620 km längsten und wichtigsten Fluss Kolumbiens. Unübersehbar wartet hier das nagelneue Riesenrad auf Gäste, wir sind die ersten und als der Betrieb eine Viertelstunde später beginnt, haben sich weitere Mitfahrer eingefunden. Wir drehen nur eine – dafür aber ganz langsame – Runde und bekommen mit dem Blick auf die eindrucksvolle Skyline eine Ahnung, wo Barranquilla seine 1,2 Millionen Einwohner untergebracht hat.  360°   Pano Eine Tochter der Stadt...  ...ist Sofía Margarita Vergara, ein Model und eine Schauspielerin, die nach einer lokalen Karriere 2002 für Hollywood entdeckt wurde und eine gewisse Berühmheit als Film- und Serienstar erlangte. Die Statue der noch etwas bekannteren Stadttochter und Sängerin Shakira haben wir leider übersehen, da sie ein Stück vor unserer Abbiegung auf die Avenida das Ufer bewacht. Karibikflair  Nun wird es aber Zeit aufzubrechen und wir kehren Richtung Osten auf die Via 40 zurück, wo wir die im prallen Sonnenschein schuftenden Arbeiter bemitleiden, die mit dem Abbau der Tribünen befasst sind. Nicht lange allerdings und wir bemitleiden uns selber, denn auf der Küstenstraße nach Tayrona müssen wir dauernd an Mautstationen halten und der Verkehr geht nur sehr schleppend und langsam voran –  heute scheinen sämtliche LKW Kolumbiens unterwegs zu sein. Wohin wollen die eigentlich? Weiter im Osten gibt es doch nur noch die Grenze nach Venezuela... Auch muß man unablässig nach den zahlreichen Leichtmotorrädern Ausschau halten, die bei dem stockenden Verkehr links und rechts überholen und sich in die kleinste Lücke drängeln, so dass man ständig Angst hat, sie mit irgendeinem Schutzblech zu touchieren. Auf den letzten 20-30 Kilometern kommen wir zwar zügiger voran, dafür verschlechtert sich das Wetter und bis wir endlich in die ausgedehnte Tropenvegetation der Uferlandschaft unseres Ziels abbiegen, haben wir schon einige Regengüsse hinter uns. Dachgeschoss links  Nach mehreren Abzweigungen zu lauschigen, waldumrahmten Unterkünften halten wir schließlich als einziges Auto auf einem kleinen Parkplatz neben einer Treppe, die zur Anmeldung führt. Die Zahl der Quartiere ist hier zwar groß, man merkt aber deutlich, dass die meisten Gäste per Bus oder Sammeltransport kommen und nicht wie wir als Selbstfahrer. Wir werden freundlich begrüßt und zu unserem "Zimmer" gebracht. Der versprochene "Oceanview" ist unzweifelhaft vorhanden – genau genommen befindet sich der Raum direkt über dem Strand – ist nach vorne und zu den Seiten offen (man hat also nicht nur 'View' sondern auch 'Hör') und ca. 6 Quadratmeter riesig! Davon entfällt der größte Teil auf ein "französisches Doppelbett" – also eine etwas breitere Matratze für zwei unter einem Moskitonetz. Das dazugehörige Bad erreicht man über eine steile Treppe nach unten, direkt neben dem Poolbereich, so dass man hofft, nicht mit einem Spätbadenden zu kollidieren, wenn man des Nachts im Hemdchen dort runter muß.
Terrassengast  Nur eine einzige kleine Funzellampe steht auf einer Ablage neben dem Bett und funktioniert leider nicht. Wir machen uns erst mal wieder auf den Weg zur Anmeldung, bitten um Hilfe beim Gepäcktransport und reklamieren die Lampe. Das Problem wird in Augenschein genommen und Abhilfe versprochen. Wir nutzen die Zeit, um uns den versprochenen Begrüßungsdrink samt kleinem Snack abzuholen – beides lecker – und begrüßen von der offenen Restaurantterrasse aus schon mal die ersten tierischen Mitbewohner. Wenig später zu unserem Oceanview zurückgekehrt stellen wir fest, dass das Lämpchen zwar wieder leuchtet, sich aber nur an- und ausschalten läßt, wenn man den unschönen Kriechstrom an Stecker, Kabel und Schalter ignoriert.  Carib Grackle  (Quiscalus lugubris) , female Trauergrackel Zappenduster  Nachdem wir unser Gepäck verstaut haben und unser Bad – welches größer als das Oceanview Zimmer ist! – mit den notwendigen Utensilien ausgestattet haben, ist es auch schon Zeit fürs Abendessen. Inzwischen ist es dunkel und man tut gut daran, eine Taschenlampe für den stellenweise etwas dunklen Weg zur Verwaltung mitzunehmen. Das Restaurant ist gut gefüllt (und unser Auto immer noch allein auf dem Parkplatz :-), das Essen ausgesprochen wohlschmeckend und bald kehren wir gesättigt zum Zimmer zurück... ...in dem die Lampe schon wieder den Geist aufgegeben hat! Allmählich werden wir leicht ungehalten. Gut, eine Nacht werden wir hier zähneknirschend überstehen, wir suchen aber schon mal im Dunklen auf dem Laptop, ob es möglicherweise noch freie Apartmentzimmer in dieser Anlage gibt, in die man zur Not gegen Aufpreis wechseln könnte. Es sieht nicht so aus...  Carib Grackle  (Quiscalus lugubris) , male Trauergrackel Bissig!  Mit Gefühlen, die dem Gesichtsausdruck des obigen Krokodils ähneln, tapse ich noch einmal hinunter zum Bad. Wieder oben auf der Treppe an der Tür zum Zimmer angekommen, fällt mir erstmals ein flaches, weißes Plastikquadrat auf, welches schräg an einem der hölzernen Türpfosten befestigt ist. Probeweise drücke ich drauf – UND ES WARD LICHT!  American Crocodile  (Crocodylus acutus)  Spitzkrokodil Entspannen über'm Fluss  Gut verborgen hinter dem am Kopfende des Riesenbettes sich kräuselnden Moskitonetzes, befand sich tatsächlich noch eine zweite, mit einem Milchglasdeckel verkleidete helle Lampe, mit der unser Domizil erstmals richtig ausgeleuchtet wurde. Leicht versöhnt mit unserem Schicksal und mangels anderer Alternativen waren wir unter diesen Umständen sogar bereit, auch die nächsten beiden Nächte noch unter diesen  sehr  naturnahen Bedingungen zu verbringen. Natürlich ist uns klar, dass einen bei einer Mischkalkulation und vorgebuchten Hotels immer eine gewisse Komfortbandbreite erwartet, aber der Sprung von dem palastartigen El Prado zu unserem Oceanview war doch etwas überraschend, zumal es hier durchaus weniger rustikale Apartments gab.
Hautnah an der Natur  Aber wir wollen nicht meckern. Diese Unterkunft stellte zwar auf unserer Reise einen kleinen Ausreißer nach unten dar, dies allerdings ehrlicherweise auch hauptsächlich nur wegen der abenteuerlichen Elektrik und dem sonnengeheizten Duschwasser im Bad, dessen Kollektoren trotz andauernden Sonnenscheins während unser drei Tage wohl ständig im Schatten lagen und deswegen eher kühlten. Nachdem wir uns daran gewöhnt hatten, trotz der Offenheit des Zimmers unsere Privatsphäre hatten, die ganze Konstruktion sogar windgeschützt und das Bett sehr bequem war, haben wir die nächsten zwei Tage mit Faulenzen und Tierbeobachtung sehr genossen.  Olive-grey Saltator  (Saltator olivascens)  Karibiksaltator Krabbenfrühstück  Ein kleines Treppchen führt hinab vom Restaurant auf eine von Schilfschirmen beschattete Aussichtsterrase, auf der man meist allein ist und von der man einen fantastischen Blick auf den lehmbraunen Fluss und seine bunte Tierwelt hat.  Little Blue Heron  (Egretta caerulea) , juv. Blaureiher Nicht wirklich enttäuscht ;-)  Eigentlich hatten wir geplant, während der vollen zwei Tage unseres Aufenthalts einige Ausflüge in den Tayrona Nationalpark zu unternehmen. Beim Früstück kommen wir aber mit einer netten Amerikanerin ins Gespräch, die uns erzählt, dass der Park wegen starker Regenfälle und Sturmschäden während der letzten Tage derzeit für Besucher gesperrt sei. So richtig doll zerknirscht nehmen wir das nicht zur Kenntnis, denn die schwüle Wärme ist beim Faulenzen erheblich besser zu ertragen, als auf anstrengenden Dschungelpfaden. Außerdem müssen wir nicht mühsam jedes Tierchen hinter Buschwerk suchen, kommt es einem hier doch quasi gratis vor die Linse geflogen. Hach, tolle Ausrede ;-).  Green Kingfisher  (Chloroceryle americana) , male Grünfischer Sitzjagd  Als Tierfotograf mit einer langbrennweitigen Kameraausrüstung hat man auch gleich eine gute Ausrede, warum man bei einem stundenlangen Aufenthalt im Restaurantbereich nicht ständig etwas bestellt. Zudem entfällt das auf Dauer anstrengende Tragen der mehrere Kilo schweren Ausrüstung, wenn man sie zwischenzeitlich auf einem der Tische parken kann.  Social Flycatcher  (Myiozetetes similis)  Rotscheitel-Maskentyrann
Himmelsblau  Maren hat sich derweil mit der Video- und der kurzbrennweitigen Kamera ein wenig auf Geländepirsch begeben und treibt sich im Strandbereich herum, während bei mir im Unterleib etwas Unschönes zu grummeln beginnt. Glücklicherweise schaffe ich es noch zurück zu unserer Unterkunft und verschwinde erst mal im Bad. Wenig später ist das Schlimmste überstanden und als Maren auch eintrifft, werde ich erst einmal fachfraulich medikamentös versorgt, so gut, dass das Abendessen um 19:00 Uhr schon wieder schmeckt und vertragen wird. Ein paar Tage habe ich noch ein bißchen mit der Nahrungsumstellung zu tun, ist aber unproblematisch und legt sich glücklicherweise bald.  Bengal Clock Vine or Sky Vine  (Thunbergia grandiflora)  Grossblütige Himmelsblume Ein scheuer Geselle  Der nächste Tag sieht mich schon wieder auf der kleinen Aussichtsterrasse. Wir haben unser Equipment gleich zum Frühstück mitgenommen, was sich als klug erweist, denn dieser zusammengefaltete Reiher zeigte sich nur einmal kurz während unserer Anwesenheit auf einem Ansitz über dem Fluss und war bereits wenig später wieder verschwunden. Auf den ersten Blick hatte ich ihn in der Rückansicht als Grünreiher identifiziert, eine Art, die wir bereits häufig aufgenommen hatten. Erst zu Hause irritierte mich die Kopf- und Kehlzeichnung und erfreut stellte ich fest, dass mir eine bislang ungesehene Art untergekommen war.  Green-backed Heron  (Butorides striata)  Mangrovereiher Schwänzchen in die Höh'  Nein, diese kleine Ralle ist nicht von der gleichen Art, die wir bereits in Costa Rica mehrfach gesehen hatten. Bei genauerer Nachschau entpuppt sich dieser Vogel aber als naher Verwandter der Rotnackenralle  (Aramides albiventris) .  Grey-necked Wood-Rail  (Aramides cajaneus)  Cayenneralle, Rotbraune Zwergralle Der kolumbianische Bischof  Mir war es gar nicht aufgefallen, aber Maren hatte beim Entladen unseres Fahrzeugs ein Warnlämpchen in der Instrumentenkonsole entdeckt, welches auf einen niedrigen Ladezustand der Schlüsselbatterie hinwies. Merkwürdig, denn das Auto hatte erst relativ wenige Kilometer auf dem Tacho und war noch ziemlich neu, so schnell sollte eigentlich keine Batterie schlappmachen – auch keine Knopfzelle! Natürlich befindet sich kein Handbuch an Bord und obwohl wir einen mechanischen Notschlüssel zum Öffnen der Türen entdecken, ist uns nicht klar, wie der Motor ohne ein Funksignal gestartet werden kann. Wir machen also bis zum Abfahrtstag tunlichst keinen Gebrauch mehr vom Schlüssel und hoffen, dass der Saft noch für einen Motorstart reicht.  Blue-grey Tanager  (Thraupis episcopus cana) , male Bischofstangare
Schwarzlätzchen  Die Oriolen oder Trupiale haben wir auf einigen unserer Mittel- und Südamerikareisen gesehen, in Costa Rica, in Ecuador, in Chile und auf Curaçao – immer in derselben Grundfärbung und nur in Nuancen voneinander unterschieden. Hier ist es diesmal die:  Yellow Oriole  (Icterus nigrogularis)  Orangebrusttrupial Gelblocke  Ebenso, wie ich versucht war, den Mangrovereiher anfangs als Grünreiher zu identifizieren, assozoziiert man beim Anblick dieses in den ufernahen Gewächsen sehr häufigen Vogels sofort "Nachtreiher". Erst bei genauerem Hinsehen fällt einem die gelbliche Stirn mit dem ausgeprägten Federschopf und der sehr große Kopf und Schnabel auf. Der ufernahe Bewuchs ist auch ihr Brutrevier und ebenso wie der Nachtreiher gehen sie bevorzugt in der Dämmerung auf Beutejagd. Wie der Name nahelegt, sind es nicht Fische, sondern Krebstiere und kleine Amphibien und Weichtiere, denen sie am Flussufer auflauern.  Yellow-crowned Night Heron  (Nyctanassa violacea)  Krabbenreiher Für Auftrieb unter'm Flügel?  Es war die am Vortag kennengelernte Amerikanerin, die uns fragte, ob wir bereits den "Yellow-crowned Heron" bei seinem komischen Sonnenbaden gesehen hätten? Gestern noch nicht, aber heute JA :-).  Yellow-crowned Night Heron  (Nyctanassa violacea) , juv. Krabbenreiher Ein schwarzgelber Stärling  Wohl sehr häufig in größeren Scharen die Tieflandwälder Panamas und des nördlichen Südamerikas bevölkernd, war diese sehr ruffreudige Kassike die einizge ihrer Art, die durch das ufernahe Geäst turnte. Ebenso wie andere Stirnvögel baut auch die Gelbbürzelkassike hängende, beutelförmige Nester, häufig in der Nähe von Wespennestern. Man vermutet, dass die Wespen einen Schutz vor räuberischen Tukanen und Arassaris bieten, die mit ihren langen Schnäbeln bis auf den Boden der tiefen Nester reichen könnten, während eine andere Theorie besagt, die Wespen machten Jagd auf eine Fliege, die die Gelege durch eine Milbenart zu parasitieren droht.  Yellow-rumped Cacique  (Cacicus cela)  Gelbbürzelkassike, Gelbrücken-Stirnvogel
Rutschpartie  Verblüffend ist immer wieder die Farbvielfalt, durch die sich die 'grünen' Leguane auszeichnen. Auch hier rannte eine Menge junger, sehr grüner Exemplare umher, bei den älteren war aber über rotorange, grau, bläulich, weiß und bräunlich alles versammelt.  Green Iguana  (Iguana iguana) , male Grüner Leguan Wunderblumengewächs  Heute ist Donnerstag und morgen soll es zurück zum Flughafen nach Santa Marta gehen, von dem aus wir per Inlandflug nach Bogotá reisen, dem Beginn der eigentlichen Rundreise. Erstmals hat Maren sich auf ihrem Smartphone zähneknirschend "WhatsApp" installiert, weil sämtliche Kommunikation mit Reisebüros heutzutage offensichtlich nur noch über 'Apps' funktioniert (hier klafft die wahre Generationenkluft: dafür können Menschen unter 40 meist keine Emails mehr versenden!). Schon vor zwei Tagen hat uns das Reisebüro verkündet, man würde uns die benötigten Bordkarten rechtzeitig über Whatsapp zusenden, bis 14:00 Uhr sind sie aber noch nicht eingetrudelt. Noch immer will uns die Notwendigkeit von Bordkarten auf dem Smartphone nicht einleuchten, weil man diese doch problemlos nach Vorlage des Passes auch am Schalter bekommt. Maren setzt sich also noch mal hin, um das ansonsten sehr kommunikative und freundliche Reisebüro erneut zu fragen, ob das diesmal nicht gilt?  Great Bougainvillea  (Bougainvillea spectabilis)  Drillingsblume Rauflügel  Während wir noch zwei Cocktails schlürfen, stellt Maren fest, dass das WLAN-Symbol keinerlei Feldstärke anzeigt und wir erst nach Auswahl eines stärkeren Netzes wieder mit der Welt verbunden sind. Und siehe da: Die Boarding Passes wurden offensichtlich schon gestern abgeschickt. Wir tüfteln eine weitere halbe Stunde an der Aufgabe herum, sie nicht nur zu speichern, sondern meine Karte auch per Email auf mein Smartphone zu übertagen. Der Erfolg ist mittelmäßig (ich hasse diese Dinger!!!), während bei Maren eine neue WhatsApp vom Reisebüro eintrifft. Man hat uns die Karten nur auf diesem Weg geschickt, weil die meisten es so wollen! Natürlich können wir sie auch am Flughafen bekommen, zusätzlich hat man aber das Hotel gebeten, uns die Karten auszudrucken. Wir freuen uns zwar, dass jetzt alles abgesichert ist, eine etwas frühere Antwort auf Marens Frage vor einigen Tagen, ob nicht die Vorlage der Pässe am Flughafen reichen würde, wäre aber auch toll gewesen...  Southern Rough-winged Swallow  (Stelgidopteryx ruficollis)  Zimtkehlschwalbe Drehmoment  Wir setzen unsere Vogelwacht fort und entdecken von der Aussichtsterrasse sogleich einen Dreifarbenreiher, der auf der Suche nach Fressbarem akrobatische Verrenkungen vollführt. Hätte uns auch gewundert, ihn hier nicht anzutreffen, denn dieser Reiher ist an fast allen subtropischen Karibik- und Pazifikküsten Nord-, Mittel- und Südamerikas zu Hause.  Egretta Tricolor  (Tricolored Heron)  Dreifarbenreiher
Menüauswahl  Zwei Eisvogelarten wechseln sich auf dem gleichen Ansitz direkt über dem lehmgelben Fluss ab. Der bereits gezeigte Grünfischer und dieser Amazonasfischer. Obwohl ähnlich in der Färbung, unterscheiden sich beide Arten erheblich in Größe und Gewicht. Während der winzige Grünfischer nicht einmal 20 cm Länge erreicht und gerade einmal 27 gr wiegt, trumpft der Amazonasfischer mit bis zu 30 cm Größe und einem Gewicht von 110 gr auf. Das Revier ist für beide Arten ideal, denn die steilen Flussufer bieten sich zum Bau der langen Nesttunnelröhren geradezu an und auch der Fischreichtum läßt jeden Stoßtauchgang erfolgreich – manchmal sogar doppelt! – enden. Wundern tut einen als Nichteisvogel lediglich, wie die Vögel in dem bis an die Oberfläche undurchsichtigen Wasser überhaupt ihre Beute zu erspähen vermögen.  Amazon Kingfisher  (Chloroceryle amazona) , male Amazonasfischer Unverkennbar  Der Schwefelmaskentyrann gehört zu der großen Vielfalt von Tyrannenarten, die durch ihr sehr ähnliches schwarz/weiß/gelb/braunes Gefieder häufig nur schwierig zu unterscheiden sind. Dieser Tyrann macht es einem noch relativ leicht, denn wenn er sein typisches "kis-ka-dee" ertönen läßt, kann man seiner Art schon ziemlich sicher sein. Erst recht aber, wenn er, wie hier, seinen unverkennbaren gelben Scheitel aufstellt. Und obwohl er als Tyrann zu den sogenannten Fliegenschnäppern gehört, beschränkt sich sein Speiseplan nicht nur auf Insekten, denn der Allesfresser verschmäht auch Eidechsen, Frösche und kleine Nagetiere nicht. Selbst kleine Fische holt er stoßtauchend aus dem Wasser, bevor er sein Mahl mit Früchten beschließt.  Great Kiskadee  (Pitangus sulphuratus)  Schwefel(masken)tyrann Schutzzone  Dieses im Strandbereich angebrachte Schild ist durchaus doppeldeutig zu verstehen. Das in den küstennahen Mündungsgebieten des pazifischen Mittel- und nördlichen Südamerikas, sowie den karibischen Regionen Süd- und Mittelamerikas sowie Floridas lebende Spitzkrokodil wird seit 2021 auf der IUCN-Liste gefährdeter Arten geführt, weil der aktuelle Bestand von geschätzt 5000 Tieren durch Bejagung, Erschließung urbaner Gebiete, Straßenbau, invasive Arten und natürlich der unvermeidlichen Erdverbren... äh, Flussverkochung bedroht ist. Umgekehrt können die Tiere auch dem Menschen gefährlich werden, obwohl Leisten- und Nilkrokodile als erheblich aggressiver gelten. Nichtsdestotrotz hat es in Florida und auch an der berüchtigten Tarcolesbrücke in Costa Rica schon tödliche Vorkommnisse gegeben. ...und es bewegt sich doch!  Wir wissen nicht, ob das bevorzugt fast ganztägig direkt unterhalb der Aussichtsterrasse dösende Krokodil insgeheim auf einen zufällig herabfallenden Touristen hofft, seine zeitlupenträgen, fast unmerklichen Bewegungen, mit denen es sich zentimeterweise dem Wasser nähert, lassen nicht vermuten, dass es dieses jemals erreicht. Aber kaum schaut man einmal weg, hat es diesen kurzen Moment genutzt und ist unsichtbar in den braunen Wellen des Flusses verschwunden. Spitzkrokodile können bis zu 7 m lang werden, dieses hier misst, wie die meisten, allerdings höchstens 4 m. Aber auch die sollten reichen, wenn man mit ihnen in Konflikt gerät, weshalb das Schwimmen sowohl im Fluß, wie auch im nahen Meer aus guten Gründen verboten ist.  American Crocodile  (Crocodylus acutus)  Spitzkrokodil
Los Naranjos  Wir sind am Nachmittag noch mal zum Strand aufgebrochen, denn noch scheint die Sonne, es weht kaum Wind und damit sind es beste Voraussetzungen für ein schönes Luftbild dieser Ecke des Tayrona Nationalparks. Wir schweben direkt über der Mündung des Río Piedras, dessen braune Fluten sich hier in die Karibik ergießen. D.h. 'ergießen' ist eigentlich übertrieben, er sickert vielmehr mit Knie- bis Hüfttiefe hinein, flach genug, um immer wieder einzelne Urlauber zu einer halb schwimmenden, halb staksenden Querung auf das gegenüberliegende Strandstück zu animieren – ungeachtet der auch hier noch unsichtbaren Krokodile!  360°   Pano Federleicht  Wer sich so fotogen präsentiert, kann nicht ignoriert werden!  Snowy Egret  (Egretta thula)  Schmuckreiher Vorbeizugvogel  Zahlreiche Kormorane und Stelzenläufer hatten wir neben Seeschwalben und verschiedenen Reihern schon auf dem vorgelagerten Strandstück des linksseitigen Mündungsufers beobachtet – leider selbst für das Tele außer Reichweite. Pelikane hatten sich bisher aber noch nicht dort niedergelassen und so waren diese beiden die einzigen, die ich dank schneller Reaktion wenigstens im Vorbeiflug auf den Sensor bekam. Dieser Braunpelikan ist eng verwandt mit der Unterart  Pelecanus occidentalis murphyi , die wir an der Pazifikküste Ecuadors als Begleitung der örtlichen Fischerboote zahlreich zu Gesicht bekamen.  Brown Pelican  (Pelecanus occidentalis)  Braunpelikan Der Melancholiker  Nein, wir trauern nicht, dass unser karibischer Abstecher sich jetzt dem Ende zuneigt. Wir haben in der knappen Woche an der Küste eine Menge Eindrücke sammeln können und auch wenn uns der Karneval wesensmäßig etwas fremd ist, war es ein einmaliges Erlebnis, dem Farbenrausch, der Fantasie und der Begeisterung, mit der die Einheimischen bei der Sache sind, beizuwohnen. Auch ich bin wieder auf meine Kosten gekommen, boten sich mir doch trotz einiger schon bekannter Arten viele neue Motive und auch Maren hat schon eine Menge Einleitungsmaterial für das obligatorische Urlaubsvideo aufnehmen können.  Tropical Kingbird  (Tyrannus melancholicus)  Trauertyrann
Wechselnd bewölkt  War es eben noch sonnig bei rundherum weiß getupftem, blauen Himmel, sieht es eine knappe Stunde später plötzlich ganz anders aus. Das Wetter wechselt hier schnell und es mag sein, dass es im Osten auch etwas geregnet hat. Bei uns bleibt es aber trocken und nachdem wir noch ein paar Fotos am Strand gemacht und wieder nach oben in unser Quartier gestiegen sind, haben sich die schweren Wolken auch schon fast wieder verzogen. Die Orangenbäume  Die Orangenbäume, nach denen der ganze Ort rund um die Mündung des Río Piedras benannt wurde, haben wir zwar nirgends entdecken können, aber auch nicht wirklich nach ihnen gesucht. Nachvollziehbarer erscheint uns immerhin der Name des Strandes "Los Cocos" wegen gelegentlich angeschwemmter Palmenfrüchte. Es dürften allerdings nicht diese und auch nicht die Krokodile sein, die diesen Strand gefährlich machen, sondern tückische Unterströmungen, die geeignet sind, Schwimmer aufs Meer hinauszuziehen. Ob die am Warnschild aufgehängte Leine im Ernstfall allerdings helfen würde, widerrechtlich Badende zu retten, mag bezweifelt werden... Charakterkopf  Er hätte sich ein bißchen besser rasieren können – ein paar Bartfusseln hat er übersehen!  Auf dem Weg zurück bewundern wir noch eine bemerkenswerte Riesenkakerlake, die uns aber glücklicherweise nicht bis ins Zimmer begleitet. Wir packen schon mal unsere nicht mehr benötigten Utensilien zusammen und stellen unseren Wecker so, dass wir morgen nach dem Frühstück spätestens um 9:30 Uhr aufbrechen können. Inzwischen ist sogar die Sonne noch mal wieder rausgekommen, so dass vor dem Abendessen noch Zeit ist, von unserem Balkon herab ein paar der bisher unerreichbaren Seeschwalben am Strand abzulichten. Zum Abflug bereit  Auf dem Weg zum Frühstück passieren wir am Freitagmorgen die Rezeption und Maren fragt einfach mal nach, ob etwas von unserem Reisebüro bei ihnen eingegangen sei? Ja, wird uns freudestrahlend erklärt, und nach einem schnellen Griff in die Ablage werden uns zwei ausgedruckte Boarding Passes überreicht. Wow! Nach dem Frühstück geht's zurück zum Packen des Handgepäcks und während wir schon die beiden schweren Koffer oben vor der Zimmertür auf der Treppe positionieren, grüßt uns freundlich ein Handwerker, der die nebenstehende Wand neu weißt. Wieder zurück an der Rezeption zum Zahlen wird Maren gefragt, ob denn auch alles in Ordnung gewesen sei – worauf sie mit einem freundlichen Lächeln antwortet, dass Restaurant und Service perfekt waren, der Raum allerdings wirklich etwas klein war und das fehlende Warmwasser uns nicht allzu sehr begeistert hat. Die Angestellte ist erstaunt und entschuldigt sich, dass müßten sie ja sofort überprüfen, so soll es nicht sein... Der Kriechstrom auf den Steckern vermutlich auch nicht, aber das kann ja der Nächste reklamieren ;o).  Royal Tern  (Thalasseus maximus)  Königsseeschwalbe
Der reist mit leichtem Gepäck  Bevor Maren noch – als meine spanischsprechende Reiseleitung – höflich an der Rezeption um Hilfe beim Gepäcktransport bitten kann, kommt schon der eben noch bei unserem Zimmer werkelnde Handwerker mit beiden schweren Koffern angeschleppt und lädt sie bei unserem Auto ab. Der Mann hat sich sein Trinkgeld redlich verdient! Mit leicht flauem Gefühl betätige ich jetzt den Türöffner, der uns glücklicherweise auch sofort einläßt. Schnell ist auch das Gepäck verstaut und selbst zum Motorstart reicht der Batteriesaft noch. Puh! Trotz dichten Verkehrs und einer kurzen Pause zum Vollfüllen des Tanks haben wir die ca. 50 km bis zum Bezirksflughafen Santa Marta nach bereits einer Stunde zurückgelegt. Nun heißt es nur noch, die Autovermietung zu finden, respektive erst einmal einen gekennzeichneten Parkplatz, wo wir den Wagen abstellen können. Nach dreimal fragen bei Taxifahrern und Parkwächtern erhalten wir den Tip, das Auto in der Tiefgarage zu parken, dann sei es nur noch eine kurze Treppe in die Abfertigungshalle und wir wären auch schon am Ziel.  Yellow-headed Caracara  (Milvago chimachima)  Gelbkopfkarakara Pünktlich gelandet  Der Angestellte ist begeistert, sein Auto wiederzubekommen, prüft in der schummrigen Garage Zustand und Tankfüllung, ist immer noch begeistert, läßt Maren die Parkgebühr bezahlen (was ihn im Gegensatz zu Maren vermutlich erst recht begeistert) und fragt uns auf dem zweiminütigen Rückweg ca. drölfzigmal nach unserer Zufriedenheit mit dem Auto, dem Service und dem ganzen Rest. Nachdem auch wir unserer unfaßbaren Begeisterung Ausdruck verliehen haben (mit Hinweis auf die Schlüsselbatterie!), werden wir zum Check-in entlassen. Das Einchecken gestaltet sich trotz der vorhandenen Bordkarten kolumbientypisch etwas umständlich aber unproblematisch, so dass wir schon bald an unserem Gate Platz nehmen können, um die Wartezeit bis zum Abflug um 15:00 Uhr zu überbrücken. Maren entert noch einmal die Waschräume und lernt hier die Lektion, dass es in kolumbianischen Toilettenkabinen nie (!) Toilettenpapier gibt, sondern man sich dieses zuvor in wohlüberlegter Menge von der einzigen Rolle VOR den Kabinen abreißen muß! Der Flug mit Avianca startet überpünktlich, das Wetter über Bogotá ist gewittrig, aber trotz anderslautender Durchsagen des Piloten müssen wir offensichtlich doch keine längeren Warteschleifen drehen, sondern landen planmäßig um 16:30 Uhr.  Sandwich Tern  (Thalasseus sandvicensis)  Brandseeschwalbe Ortswechsel  Das Gepäck kommt fix, Maren zieht noch schnell für 200,- € ungefähr 800.000 Pesos aus dem Automaten und als wir zum Ausgang gehen, sichten wir auch fast sofort den Abholer mit unserem Namensschild. Das klappt ja prima! Er bringt uns zu unserer Fahrerin und nachdem alles verstaut ist, stürzt sie sich in den Feierabendverkehr. Der ist absolut gruselig. Nicht nur extreme Massen – also Staus überall – sondern vor allem wahnwitzige Mopedfahrer, die rechts, links und mittig überholen, sich durch die kleinsten Lücken quetschen, an abbiegenden Autos vorbei und offensichtlich glauben, dass ein Helm auch vor dem Verlust anderer Gliedmaßen schützt. Völlig Irre! Schließlich kommen wir am Hotel an, welches in den südöstlichen Randbezirken Bogotás liegt. Die Fahrerin wuchtet unser Gepäck in die Lobby und wir werden sehr freundlich mit einem leckeren, würzigen Heißgetränk begrüßt. Unser Zimmer befindet sich im ersten Stock, ist nett, erstaunlich ruhig und beim Blick aus dem Fenster werden wir sogleich Zeugen der Fertigung allgegenwärtiger Straßenkunst. Secretos del mar  Unser Hotel bietet zwar Frühstück, für ein Abendessen müssen wir uns aber ein Restaurant suchen. Das sollte in dieser Gegend nicht schwer fallen, denn dieses Viertel scheint sowohl ein touristisches wie auch studentisches Highlight zu sein. Das Leben brodelt hier, die kleinen Gassen sind autofrei und Restaurants, Imbisse, und Souvenierlädchen reihen sich aneinander. Trotz des kleinen Lageplans, in den der freundliche Rezeptionist den Weg zu einem empfehlenswerten Restaurant eingezeichnet hat, verlaufen wir uns in dem engen Gassengewirr zweimal, finden es aber schließlich. Wohl gesättigt und abgefüllt mit einem Übermaß Corona Bier (ich hatte mir leichtsinnigerweise einen "Krug" bestellt und bekam auch einen solchen – ca. 1,5 Ltr.!) war die anschließende gute Nachtruhe sichergestellt, bis um 6:00 Uhr am nächsten Morgen der Wecker klingelte.
Cruce calle de sol y calle da la paz  Wir sind um 7:00 Uhr beim Frühstück und stehen um kurz vor acht Uhr mit unserem gesamten Gepäck auch schon wieder an der Rezeption, als pünktlich unser zweiter Mietwagen vorgefahren wird, ein geradezu luxuriöser KIA Sportage Hybrid, dem wir mit etwas gemischten Gefühlen entgegensehen. Bereits bei der Reiseplanung wurden wir mit der "pico y placa"-Regelung konfrontiert, dem kolumbianischen Versuch, einem absehbaren Verkehrsinfarkt in den größten Städten dadurch entgegenzuwirken, Fahrzeuge entsprechend ihren Kennzeichenendziffern rollierend mit einem tageweisen Fahrverbot zu belegen. Ein Versuch, dem wir nach eigener Verkehrserfahrung jetzt durchaus Verständnis entgegenbringen. Von dieser Regelung gibt es aber selbst für touristische Mietfahrzeuge keine Ausnahme und da man eine Reiseroute unmöglich nach unplanbaren Stadtsperrungen festlegen kann, blieb als einzige Alternative ein Hybrid Fahrzeug – eine Klasse, die aus unerfindlichen Gründen von dieser Regelung ausgeschlossen blieb. Einweisung  Der nette Angestellte weist uns schnell und kompetent in die Bedienung des Hybrids ein. Das Auto ist nicht nur fast brandneu mit gerade mal 12.000 km, es ist auch wirklich einfach zu bedienen, weil die Automatik alles selbst macht und das Fahren sich nicht von einem "nur"-Verbrenner unterscheidet. Museo Botero  Nachdem wir das Auto beladen haben, bekommen wir vom Hotelpersonal noch den guten Rat, erst nach Beendigung der Rushhour gegen 10:00 Uhr zur Weiterfahrt aufzubrechen. Da das Auto aber auch nicht die Haltebucht vor dem Hotel blockieren kann, fahre ich die erste kurze Runde zum um die Ecke gelegenen Parqueadero und meistere diese Herausforderung bereits souverän :-). Da der Parkplatz bewacht wird, ist unser Gepäck sicher und wir nutzen die Zeit für einen kleinen Bummel durch das Viertel  La Manzana Cultural  und den Besuch des  nahegelegenen Botero-Museums. Schon der Weg dorthin ähnelt stellenweise dem Gang durch eine Kunstgalerie, denn kolumbianische Städte scheinen freigegeben für eine unerschöpfliche Anzahl bildnerischer Künstler, die fast jede sich irgendwie anbietende Wand oder Mauer mit wirklich ansprechenden Gemälden oder Grafitti versehen. Nicht lange und wir erreichen das Museo Botero, einen modernen, weißen Bau, der einen schön bewachsenen Innenhof umschließt. Das Museum ist dem berühmtesten kolumbianischen Künstler Fernando Botero gewidmet, einem Maler und Bildhauer, der 1932 in Medellín geboren wurde und 91jährig 2023 in Monaco starb. Mona Lisa  Boteros Thema war der Mensch, dem er in Bildern, Zeichnungen und Skulpturen seine besondere Sichtweise verlieh, indem er ihn meist dick darstellte und ihn auf diese Weise überzeichnete und karikierte, wie bei dieser Mona Lisa.
Una familia  Es ist unmöglich, auch nur einen kleinen Teil der Ausstellung hier abzubilden. Schon die wenigen Exponate aber lassen die Verschmitztheit ahnen, mit der Botero seine Mitmenschen sah und wie treffend seine Bilder diese Sichtweise transportieren. Die schlafende Venus  Möglicherweise lag es an der frühen Morgenstunde, dass wir fast alleine durch die großzügigen Räumlichkeiten stöbern konnten. Nicht einmal Eintritt wurde verlangt, als wir zur Öffnung um 9:00 Uhr neben nur wenigen anderen Besuchern das Museum betraten. Zwar wurde jeder Raum von Personal bewacht, man konnte aber problemlos fotografieren, wenn man auf den Einsatz von Blitzlicht verzichtete.  Im Jahr 2000 hatte Fernando Botero über 200 seiner Gemälde und Skulpturen der kolumbianischen Nationalbank übergeben, die damit den Grundstock für dieses von der Bank gegründete und unterhaltene Museum bildeten. Von diesen Arbeiten finden sich heute insgesamt 123 Exponate verteilt über zwei Stockwerke des westlichen Museumsflügels. Wikipedia schreibt: "Botero selbst bezeichnete sich als »den kolumbianischsten aller kolumbianischen Maler«. Seine grotesk-naiven Figuren mit aufgeblähten Körpern verstand er als Symbole einer degenerierten Kolonialbourgeoisie". El Gato  Mit dieser "kolonialdegenerierten" Katze schließen wir unseren Besuch für heute ab. Wir haben natürlich auch noch den Rest des Museums besichtigt, in dessen östlichem Flügel weitere 85 Werke weltberühmter Künstler wie Francis Bacon, Joan Miró, Claude Monet und Pierre-Auguste Renoir, Alberto Giacometti, Camille Pissarro, Edgar Degas, Eugène Louis Boudin, Gustave Caillebotte und Henry Moore (Aufzählung Wikipedia) ausgestellt sind, darunter einige aus Boteros privatem Besitz. Da aber keines von denen den kuriosen Humor der Werke des Kolumbianers besitzt, trafen sie auf nur eher beiläufiges Interesse von uns Kunstbanausen ;-).  Außerdem müssen wir weiter! Kurz nach 10:00 Uhr sind wir wieder am Parqueadero und lösen unseren KIA aus. Gut, dass die Stoßzeit schon vorbei ist, so brauchen wir nur knapp zwei Stunden, um aus Bogotá herauszukommen. Irgendwann und drei Mautstationen später wird es besser, und nachdem Organic Maps uns wieder eine seiner dubiosen Abkürzungen angeboten hat, gehen wir auf Nummer sicher und erkundigen uns auf einer Tankstelle nach dem besten von drei möglichen Wegen nach Villa de Leyva. Plaza Mayor  Die uns empfohlene Strecke ist zwar nicht die kürzeste, im Vergleich zu den anderen beiden Alternativen aber durchgängig asphaltiert. Es ist sehr kurvig, führt mal bergauf, dann wieder hinunter, bis wir schließlich in 2200 m Höhe in Villa de Leyva, einem hübschen Kolonialstädtchen aus dem 16. Jahrhundert landen. Unsere Unterkunft ist schnell gefunden und nachdem uns das Tor geöffnet wurde, können wir das Auto auf dem Gelände parken. Während Maren die Anmeldung ausfüllt, die mal wieder bis auf die Blutgruppe so ziemlich alles wissen will, bekommen wir einen Begrüßungskaffee und werden dann zu unserem Zimmer geleitet, welches sich, sehr hell, ruhig und mit einer sensationellen Kopfkissenauswahl (Daune, weich, hart), am Ende des Grundstücks in einem Bungalow befindet. Noch ist es sonnig und obwohl sich am Horizont ein paar dunkle Wolken zeigen, brechen wir auf zu der ebenfalls im 16. Jahrhundert erbauten Plaza Major, eine der größten ganz Südamerikas. Der Platz ist, wie die umliegenden Straßen, gepflastert und beherbergt eine Reihe von Restaurants, Cafés und Geschäften, die Anziehungspunkte für eine große Anzahl von Besuchern sind.
Villa de Leyva  Auch wir streifen interessiert auf dem Platz und in den anliegenden Straßen herum, werfen einen Blick auf das um die Ecke liegende  Monasterio de Carmelitas Descalzas  (Kloster der barfüßigen Karmelitinnen), die dort auch heute noch in strenger Klausur leben. Und während wir noch beeindruckt die Kirche Nuestra Señora del Rosario betrachten, die die gesamte südöstliche Seite des Platzes einnimmt, machen sich die immer dichter werdenden Wolken mit ersten Tröpfchen bemerkbar. Zeit, sich in Sicherheit zu bringen, denn selbstverständlich haben wir nicht an einen Regenschirm gedacht.  360°   Pano Kaffee mit Musik  Eigentlich hatten wir vor, uns nach dem Spaziergang in Ruhe ein nettes Lokal zum Abendessen zu suchen, aber das 'mit der Ruhe' artet schnell zu einem Dahinhasten im Schutz von überdachten Hauswänden aus, denn es dauert nur Minuten, bis aus den 'Tröpfchen' ein veritabler Guss geworden ist, vor dem wir nicht nur unsere Kameras in Sicherheit zu bringen trachten. Ohne eine spezielle Vorauswahl entern wir deshalb eines der ersten Restaurants, welches wir passieren – eine Wahl, die wir nicht bereuen. Das Essen ist vorzüglich und als wir fertig sind, haben sich auch die Regenwolken verzogen, so dass wir trockenen Fußes zurück zum Hotel kommen, wo uns aufmerksames Personal noch einen Krug Wasser und zwei Knusperriegel ins Zimmer gestellt hat. Nach einem schnellen Durchblättern der Fotoausbeute fallen wir nun rechtschaffen müde ins Bett. Der Regen hat es merklich kühler werden lassen, so dass wir uns am Morgen für das im Garten aufgedeckte Frühstück etwas wärmer anziehen. Da wir früh los wollen, sind wir beim Verzehr des reichhaltigen Frühstücks noch die einzigen Gäste, dafür leisten uns einige Vögel mit ihrem Gesang freundliche Gesellschaft.  Tropical Mockingbird  (Mimus gilvus)  Tropenspottdrossel Ein Fossil mit eigenem Heim  Schnell ist das Gepäck im Auto verstaut, wir checken aus und versuchen – noch auf der Straße vorm Hotel stehend – dem Navi den kürzesten Weg aus dem verwinkelten Straßengewirr zu entlocken. Liegt es an marginalem GPS Empfang, oder hat Organic Maps schlecht geschlafen? Wir brauchen jedenfalls 20 min., bis wir endlich auf der Ausfallstraße sind, die uns zu unserem ersten Zwischenziel führen soll, dem nur sieben Kilometer von Villa de Leyva entfernten Fósilmuseum. Erstaunlicherweise ist das Museum auf der kurzen Strecke auch wirklich gut ausgeschildert, als wir aber den Zielort auf der Landstraße erreicht haben, biegen drei verschiedene Zufahrten zu Parkplätzen dreier in Frage kommender Liegenschaften ab, so dass wir erst einmal auswürfeln können, bei welchem Gebäudekomplex es sich denn nun um das gesuchte Museum handelt. Wir haben Glück und entscheiden uns auf Anhieb für den richtigen Parkplatz. Die Kreidezeit ist dunkelgrün  Vorbei an einem Brunnen auf dem großzügigen Vorplatz nähern wir uns einem Eingang, an dem uns obenstehende Grafik endgültig bestätigt, die richtige Wahl getroffen zu haben. Wieder sind wir die bislang einzigen Besucher und werden nun freundlich von einigen Mitarbeitern begrüßt. Nach kurzen Erläuterungen und dem Angebot einer im Preis inbegiffenen Führung auf spanisch, bezahlen wir den Eintritt von 50.000 $ (auch hier steht das Dollar-Symbol wieder für "Pesos") und verzichten auf die Begleitung, denn wir möchten in Ruhe fotografieren und außerdem sind alle interessanten Informationen auch auf Wandtafeln in spanisch und auf englisch nachzulesen.
Unbewegt  Den Mittel- und Höhepunkt des Museums stellt das sieben Meter lange Fossil eines Kronosauriers dar. Die Gegend rund um Villa de Leyva ist seit langem bekannt für ihren Fossilienreichtum, ständig werden hier Saurierfossilien aus der frühen Kreidezeit sowie eine Vielzahl versteinerter Ammoniten unterschiedlichster Größen und Formen gefunden. Vervollständigt wird die Museumssammlung durch Fossilien von Muscheln, Schnecken, Fischen, Krabben und Schildkröten, die unterschiedlichen Erdzeitaltern und ökologischen Nischen entstammen, sowie von benthischen Tieren wie Krebsen, Würmern, Seesternen etc., deren Lebensraum Gewässerböden und Sedimente waren. Genau hier, in Monquirá, fünf Kilometer von Villa de Leyva entfernt, entdeckte ein Bauer 1977 bei der Landarbeit diese Überreste eines 120 Mio. Jahre alten räuberischen Meeresreptils. Da die Bewohner des Landstrichs eine Weitergabe des Fossils an ein spezialisiertes Museum verweigerten, wurde eine örtliche Kooperative gegründet, die genau über der originalen Fundstelle dieses Museum errichtete. 12 tödliche Meter  Laien wie wir sind zwar von dem Anblick versteinerter Überbleibsel eines solches Raubsauriers recht beeindruckt, man ist aber kaum in der Lage, daraus eine Vorstellung von dem tatsächlichen Aussehen dieses Tieres zu entwickeln. Dem Fossil, welches direkt neben dieser Nachbildung auf Sockeln aufgebahrt liegt und etwa sieben Meter lang ist, fehlt noch der komplette Schwanz und eine Hinterflosse, so dass ein komplettes, ausgewachsenes Tier eine Gesamtlänge von ca. 12 m gehabt haben dürfte. Einzelstück  Bereits 1889 wurde in Queensland ein Unterkieferfragment mit sechs Zähnen ausgegraben, welches den Artnamen  Kronosaurus queenslandicus  bekam. 1931/32 wurden ebenfalls in Australien zwei große Skelette gefunden und wohl notgedrungen teilweise mit Dynamit freigelegt. Zusätzlich fand man noch große Mengen an Fossilsplittern, die sich dem Kronosaurus zuordnen ließen. Aus all diesen Einzelteilen setzte ein Paläontologe in den 1950er Jahren an der Harvard University mittels viel Plastik und Klebstoff ein ersten Skelettmodell zusammen. Später fand man dann heraus, dass dieses Modell zuviele Wirbel besaß und wohl nicht ganz der Realität entsprach. Erst 1992 identifizierte ein gewisser Oliver Hampe (Paläontologe?) hier vor Ort die Überreste dieses Einzelstücks ebenfalls als Kronosaurus, allerdings als eine neue zweite Art nach der Fundregion  Kronosaurus boyacensis . Selbst diese Zuordnung ist aber mittlerweile zweifelhaft, wird es doch nach Google Informationen neuerdings als  Monquirasaurus boyacensis  klassifiziert! Observatório Astronómico de Zaquenzipa  Wir beschließen den Rundgang mit der Betrachtung einer großen Sammlung von Ammoniten in Glasvitrinen und lernen, dass die unterschiedlichen Arten wohl immer nur ca. 200.000 Jahre überlebt haben, womit sie zur sehr genauen Datierung von Funden herangezogen werden können.  Unser nächstes Ziel ist nur etwa 3 km entfernt und hört auf so blumige Namen wie "Observatório Astronómico de Zaquenzipa", "Parque Arqueológico de Monquirá" oder "Parque Arqueológico de Muisca", oder wird mitunter etwas unernst auch als Stonehenge Südamerikas bezeichnet. Statt irgendeinen dieser Namen in das Navi einzugeben, tippen wir lieber mit dem Finger auf das Ziel und starten los. Etwas abseits der Asphaltstraße linksseitig einer Schotterpiste gelegen, liegt ein flaches, von niedrigen Erdwällen durchzogenes Areal, aus dem sich eine Reihe von Steinstelen erhebt. Wir halten neben einem Pförtnerhäuschen und für je 20.000 $ wird uns Einlaß gewährt. Ein wenig irritiert uns eine uniformierte Schwarze, die – neben dem Häuschen stehend und bewaffnet mit einem schweren Colt – jetzt genau was bewacht? Wer klaut schon Stelen?
Das, wonach es aussieht...  Dieser Ort war eine Stätte religiöser Zeremonien, spiritueller Reinigungsriten und diente dem Volk der Muisca als astronomisches Observatorium. Archäologische Ausgrabungen datieren die Besiedlung des Altiplano Cundiboyacense auf Zeiträume zwischen 2500 bis 2800 vor der Gegenwart. Insgesamt 109 kleinere, aus Sandstein geschnitzte Monolithen sind in einer nördlichen und einer südlichen Reihe hintereinander angeordnet und ihre Ausrichtung auf Auf- und Untergangsorte von Sonne und Mond läßt auf eine Funktion als archaischer Kalender schließen. Etwas abgesetzt von den aufgereihten Monolithen stehen recht eindrückliche Phalli in der Landschaft, mit denen laut Tafeltext die Verbindung von Fruchtbarkeit – sowohl der menschlichen wie auch die der Erde – mit der Energie der Sonne symbolisiert werden soll; im Glauben, dass zur Sonnenwende, wenn die Schatten der Steine plötzlich komplett in der Erde verschwanden, die Sonnenenergie in die Erde übergeht und so für Fruchtbarkeit sorgt. Leergefleddert  Schon die spanischen Konquistadoren kannten diesen Ort und nannten ihn "infiernito", also "kleine Hölle", weil sie ihn für teuflisch und für einen Tempel heidnischer Anbetung hielten. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde der Ort erstmals von einem kolumbianischen Armeegeographen beschrieben und auch Alexander von Humboldt soll hier gewesen sein und diese Stätte für ein Observatorium gehalten haben, um astronomische Phänomene wie Sonnenwenden sowie Tagundnachtgleichen vorherzusagen. Nachdem wir uns an diversen Stelen und Phalli sattgesehen haben, passieren wir kurz vor Ende des Rundgangs diese wiederhergestellte, mit einem Schutzdach versehene Grabstätte, in der die Muisca ihre verstorbenen Häuptlinge oder Priester beigesetzt haben. Genau weiß das heute keiner mehr, denn erst ab 1981 wurden ernsthafte archäologische Untersuchungen und Ausgrabungen hier angestellt, die aufgrund erheblicher Schäden durch Vandalismus und Grabräuber aber keine exakte Rekonstruktion geschichtlicher Fakten mehr ermöglichte. Blickfang  Nachdem der weibliche Sheriff sich davon überzeugt hat, dass wir keine der Sandsteinstelen in der Hosentasche nach draußen zu schmuggeln versuchen, widmen wir uns im Auto der Eingabe unseres heutigen Tagesziels, der Kleinstadt Guadalupe. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn Organic Maps basiert zwar auf sehr detaillierten Open Street Maps, hat aber mitunter Probleme mit der Suchfunktion. Bei der Eingabe von "Guadalupe" werden uns sechs verschiedene Fundstellen angezeigt – die außerhalb Kolumbiens nicht mitgerechnet. Wir werden einfach nicht fündig. Maren erinnert sich immerhin an das Örtchen "Oiba", welches sie im Hotel auf Google Maps nahe unseres Zielorts gesehen hatte. Wir geben also Oiba als Ziel ein – alles weitere wird sich später finden (des Rätsels Lösung: man sollte in die Suche die Region mit aufnehmen, so wie "Guadalupe Santander Kolumbien", dann klappt's auch mit dem Finden). Kaum wieder auf der Hauptstraße, müssen wir an einer Polizeikontrolle halten, werden aber freundlich begrüßt und nachdem wir verneinen, Kolumbianer zu sein, dürfen wir auch schon weiter – ohne nach Papieren gefragt zu werden! Wir umfahren auf unserem Weg zum Ziel das kleine Örtchen Santa Sofia auf einer Umgehungsstraße, als unsere Aufmerksamkeit von einer ausgesprochen bemerkenswerten architektonischen Besonderheit gefesselt wird – der Kirche "Parroquia Santa Rosa de Lima". Das ist uns ein Foto wert! Hätten wir – wie später zu Hause nach Google Recherche – zudem gewußt, dass sie von innen genauso interessant aussieht, hätte es noch einen kleinen Umweg gegeben :-). Santuario Nuestra Señora de Guadalupe  Die Straße 45A nach Oiba ist weitgehend in ganz gutem Zustand, abgesehen von einigen herben Schlaglöchern und Verwerfungen – und diversen Zusammenballungen von Lastern, die es in halsbrecherischen Manövern an den alleruneinsichtigsten Stellen zu überholen gilt. Da, wo es nämlich mal ein paar hundert Meter geradeaus geht, kann man sicher sein, dass die LKW selber eine Überholrallye starten (hatte ich die dazwischenwuselnden Mopeds schon erwähnt?). Wir kommen trotzdem wohlbehalten in Oiba an und nun läßt sich auch das winzige Dorf Guadalupe auf dem Navi ausmachen – allerdings nicht das Hotel. Bevor wir lange suchen, halten wir an der Ortseinfahrt an einer Tankstelle. Auf Nachfrage weiß einer der hilfsbereiten jungen Männer, die gerade ihre Motorräder betanken, wo sich das Hotel befindet, zeigt es Maren auf seinem Smartphone und bietet uns sogar an, mit dem Moped vorneweg zu fahren. Da es aber nur auf der Hauptstraße geradeaus geht, an der Kirche vorbei und dann auf der linken Seite liegt, verzichten wir dankend auf sein Angebot. Das Hotel zeigt zur Straße hin nur eine große Eingangstür, vor der wir direkt parken dürfen und besteht nach hinten in einen Hof hinaus aus nur vier Zimmern, einer kleinen Außenküche und einem Pool. Wir sind die einzigen Gäste, Estrella hat nur auf uns gewartet, und nachdem die Uhrzeit für das morgige Frühstück abgeklärt ist, erhalten wir Schlüssel für unser Zimmer und den Haupteingang und sind, nachdem sie sich bis zum nächsten Morgen verabschiedet hat, völlig allein in der Anlage.
Parque Principal  Wiir beziehen unser ruhiges Zimmer, Maren testet die Temperatur des Pools und entscheidet sich für ein kurzes Bad, während ich es mir mit dem Laptop in der gemütlichen Sitzecke bequem mache. Bald setzt Maren sich zu mir und gemeinsam recherchieren wir nach Restaurants für heute abend – und stellen fest, dass die meisten bereits um 16:00 Uhr schließen. Die Sonne strahlt vom Himmel und wir entscheiden uns für einen kleinen Spaziergang in dem aus 8 Calles und 5 Carreras bestehenden Örtchen. Derzeit sind noch diverse kleine Cafés, Imbisse und Restaurants geöffnet, mal sehen, wie es nach 16:00 aussieht? Wir lassen uns schließlich auf dem Parque Principal Guadalupe gegenüber der Wallfahrtskirche "Unserer Lieben Frau von Guadalupe" nieder und sehen ein bißchen dem bunten Treiben und dem Eismann mit seiner handkurbelbetriebenen Eismaschine zu.  360°   Pano Schön schlicht  In dem Maße, wie die Kirche von Santa Rosa schon beinahe architektonisch exaltiert erscheint, ist die Kirche "Unserer Lieben Frau von Guadalupe" von beinahe unkatholischer Schlichtheit. Lediglich am Altar findet sich ein wenig Blattgold, ansonsten dominieren aber schöne warme Holz- und Steintöne. Protestantisch sozialisiert (aber entfremdet ;-), sind mir Kirchen meist gleichgültig, die meisten Katholischen zudem viel zu überladen. Diese Kirche spricht uns aber beide an, sowohl von innen wie von außen, weshalb sie hier mit einem Foto gewürdigt werden soll. Unser Hotel, welches sich, wie die meisten unserer Unterkünfte, aufgrund ihrer begrenzten Größe "Casa" nennt, liegt nur hundert Meter entfernt. Wir kehren kurz dorthin zurück, entledigen uns unserer Kameras und machen uns dann auf den Weg zum Abendessen. Obwohl es inzwischen weit nach 16:00 Uhr ist, haben immer noch diverse Etablissements geöffnet, meist sind es aber Lokale, deren jugendliches Publikum halb drinnen, halb draußen zwischen Motorrad und lauter Musik hin- und herpendelt. Wir landen schließlich in einem Burgerladen und beschließen den Abend mit Pfefferminzgranita, Marakujashake und zwei ausgesprochen leckeren und mächtigen Hamburgern für gerade einmal 63.000 $. Statt Landschaft  Unser heutiger Streckenabschnitt führt wieder in eine Kleinstadt und ist nur etwa 100 km lang. Eigentlich Zeit genug, um noch einen kleinen Abstecher in die "Quebrada Las Gachas" zu machen, die ein paar Kilometer südlich Guadalupes liegt. Das durch eine flache Schlucht fließende, namenlose Nebenflüsschen des Río Suárez, weist ein felsiges Flussbett auf, welches durch vulkanische Einflusse an die hundert flache, Jacuzzi ähnliche Krater aufweist. Kurz nach Verlassen Guadalupes biegen wir auf eine Schotterpiste ab, an deren Ende ein Fußweg zu dem Flüsschen führen soll. Das Wetter ist heute morgen ziemlich trübe, so das wir noch nicht wissen, ob sich ein recht steiler Weg dorthin tatsächlich lohnt. Eine diesbezügliche Entscheidung wird uns aber abgenommen, denn als wir den Beginn des Fußweges erreichen, ist dieser durch einen Stacheldrahtzaun abgesperrt. Wir fragen eine Einwohnerin nahe ihres Hauses auf der Rückfahrt zur Hauptstraße, ob es denn überhaupt eine Möglichkeit gäbe, den Fluss zu besuchen. Ja, die gäbe es, aber nur mit gemieteten Tuk-Tuks, von der örtlichen Tankstelle aus. So weit wollen wir es dann doch nicht kommen lassen und wir entscheiden uns für die Weiterfahrt, die jetzt ohne begleitende Bilder bleiben muß, weshalb ich schon mal mit einigen Fotos auf das nächste Ziel vorgreife :-).  Thick-billed Euphonia  (Euphonia laniirostris) , male Dickschnabelorganist Orientierungslos  Die Fahrt bis Barichara verläuft problemlos und recht zügig. Wir geraten zwar erneut in eine Polizeikontrolle, aber auch diesmal sind die Polizisten sehr nett, gucken kurz in die Papiere, fragen, ob wir die Gachas kennen und dann dürfen wir weiter. Ein Problem taucht wie immer erst auf, als wir "nur" noch die Unterkunft finden müssen. Organic Maps kennt sie wieder nicht, Schilder sind inexistent und selbst die notierte Adresse hilft nur bedingt weiter, da genau jetzt Organic Maps wieder beschließt, uns etwas im Stich zu lassen. Man möge uns nicht missverstehen, die kostenlose Offline-Navigationsapp ist wirklich gut und entbindet uns regelmäßig von der Notwendigkeit, vor Nutzung eines eingebauten, herstellerspezifischen Navigationsgerätes eine mehrtägige Schulung zu absolvieren. Organic Maps kann aber auch nur so gut sein, wie die nutzergepflegten Open Street Maps und da gibt es in Ländern wie Kolumbien nachvollziehbare Defizite. Der (westliche) Tourismus entwickelt sich erst langsam, Hotels sind meist sehr klein und das Straßennetz besteht fast nur aus numerierten Calles und Carreras. Wir irren also jetzt durch extrem steile Straßen, landen quasi im Nirgendwo, wenden und fragen schließlich entnervt einen vorbeikommenden Tuk-Tuk-Fahrer. Der überlegt kurz, zeigt mit dem Finger auf das nächste Haus (gleich links, das rote Haus) und wir parken das Auto erst mal quasi an Ort und Stelle, da das rote Haus mal wieder an einer extrem steilen Straße liegt – erst mal gucken, ob wir hier wirklich richtig sind, bevor wir rückwärts wieder weg müssen. Aber nein, die Angabe stimmt und nach zweimaligem Klingeln wird uns aufgetan.  Dull-colored Grassquit  (Asemospiza obscura)  Braungimpelfink
Platzhalter  Diesmal ist es Natalie, die uns empfängt und einweist. Das Haus ist modern, hat einen großen Swimming Pool und wieder sind wir die einzigen Gäste. Frühstück gibt es ab 8:00 Uhr, Trinkwasser steht im Wassserspender bereit und nachdem Natalie noch ein wenig geputzt hat, empfangen auch wir alle Schlüssel und sind wieder allein. Maren testet auch diesen Pool, ich lese und schreibe Mails und bald ist es Zeit, sich nach dem Abendrestaurant umzusehen. Wieder gibt es das seltsame Phänomen, das fast alle Lokale nur bis 16:00 Uhr geöffnet haben, schließlich finden wir aber ein allgemein gut bewertetes Burgerrestaurant (offensichtlich das einzige Essen, welches man abends isst...) und machen uns bald dahin auf den Weg. Wir sind kaum aus dem Haus, da geht es uns auch zu Fuß schon wieder so, wie mit dem Auto – wo geht's lang? Wir kriegen uns fast in die Haare, bis Maren umkehrt, um entnervt das Smartphone mit dem Navi aus dem Haus zu holen. Nach vielem Hin und Her, (mich sehr) anstrengenden, steilen Wegsteigungen, erreichen wir schließlich gerade rechtzeitig das gesuchte Restaurant, bevor ein ausdauernder Regenguss herniederrauscht. Das Essen versöhnt uns wieder mit der Anstrengung, wir bitten aber anschließend die Wirtin, wegen des immer noch strömenden Regens ein Tuk-Tuk zu rufen, welches nach wenigen Minuten vor der Tür steht. Es tröstet uns ein wenig, dass der Fahrer nach Nennung des Fahrtzieles auch erst mal ratlos ist und uns auch erst richtig abliefert, nachdem er einen Kollegen nach dem Weg gefragt hat. Schnellschuss  Der nächste Morgen ist wieder sonnig und wir beschließen, eine Wanderung auf dem Camino Real zu machen. Der Beginn des Weges ist aber auf der anderen Seite des Ortes und so bitten wir Natalie nach dem Frühstück, uns ein Tuk-Tuk zu rufen, denn unser eigener Wagen steht gut auf dem jetzigen Parkplatz. Bevor das urige Motorradgefährt eintrifft, erwische ich noch schnell diesen Saltator vom Haus aus mit dem Tele und dann knattern wir auch schon los.  Streaked Saltator  (Saltator striatipectus)  Strichelsaltator Die Klügere gibt nach :-)  Das Tuk-Tuk lädt uns an der Straßenkehre ab, an der der Camino Real von Barichara aus kommend die Straße kreuzt. Der Reiseführer verspricht eine leichte, angenehme Wanderung von ca. 6 km Länge bis zum Örtchen Guane, von dem aus man bequem wieder mit einem weiteren Tuk-Tuk zurückkehren kann. Desweiteren wird ein zahlreiches Vogelleben entlang des Weges versprochen, weswegen ich hoffnungsvoll das schwere Equipment mitschleppe. Es dauert aber nicht lange und ich beginne, Maren auf die Nerven zu gehen, denn mir geht der Weg zunehmend auf die Knöchel. Zugegebenermaßen bin ich nicht so der Wanderer, was sowohl mit meiner mangelnden Kondition wie auch mit meiner Schrittunsicherheit zu tun hat. Der 'angenehme' Wanderweg entpuppt sich nämlich schnell als eine ziemlich grobe Aufschüttung knüppeliger Steinbrocken, bei denen ich dauernd aufpassen muß, nicht abzurutschen und mir den Knöchel zu verstauchen. Maren hat diese Probleme nicht, ist aber auch nicht gewillt, sich mein Gemecker lange anzuhören, weshalb sie zähneknirschend zustimmt, an dem eben passierten Gasthaus am Weg einzukehren, einen Kaffee zu trinken und dort die Vögelchen aufzunehmen, die hier zu sehen sind :-). Teufels Biss  Auch nachträglich bin ich froh, mich nicht weiter dem gefährlichen Pfad ausgesetzt zu haben, denn wenn schon solch bissige Pflanzen auf ihm wachsen... Wir setzen uns an einen netten, schattigen Tisch und beobachten die Wirtin durch die Scheibe einer Tür bei ihren Verrichtungen. Sie ist offensichtlich noch gar nicht auf Gäste vorbereitet und es dauert eine Zeitlang, bis sie uns bemerkt :-).  Devil's Bit  (Ruellia tuberosa)
Wer den Schaden hat,...  Wir werden freundlich von der grauhaarigen Wirtin begrüßt und nachdem sie uns die beiden bestellten Maracujasäfte gebracht hat, erzählt sie Maren im darauffolgenden kurzen Gespräch stolz von ihren Fossilien, die – von uns bislang wegen der beobachteten Vögel noch unbemerkt – die Mauerkrone des Gasthofes zieren. Alle selbst gefunden und ausgegraben auf dem hiesigen Grundstück! Es gefällt uns hier, wir bestellen noch zwei Kaffee (ohne Zucker!!!), fotografieren noch ein wenig und bitten die nette Wirtin dann nach einer guten Stunde, und nachdem Maren die auf der Rechnung geforderten 27.000 $ auf 40.000 $ aufgerundet hat, uns ein Tuk-Tuk zu rufen. Das macht sie gern und bietet uns für die Wartezeit einen Tisch mit Blick auf die Straße und das zu erwartende Tuk-Tuk an. Kaum sitzen wir da, bringt sie uns noch zwei Kaffee und fragt, ob wir in Guane gestartet seien. Maren erklärt ihr, dass wir den Weg nach kurzer Strecke abgebrochen hätten, und schiebt es mit einem Augenzwinkern auf meine schwere Optik. Sie lacht, klopft Maren auf den Arm und bietet an, auf mich und die Kamera aufzupassen, Maren könne ja dann weiterwandern. Jetzt wird man als alter Mann auch noch verhöhnt :-(. Das Tuk-Tuk kommt und wir verabschieden uns quasi freundschaftlich.  Common Tody-Flycatcher  (Todirostrum cinereum)  Graugelb-Todityrann Backwaren satt  Mir geht die Idee durch den Kopf, statt heute abend das Abenteuer "wir ordern einen Transport, um uns in ein Restaurant bringen zu lassen" anzugehen, lieber in einer Bäckerei Knabberkram zu kaufen und damit allen weiteren Kommunikationsproblemen für den Tag aus dem Weg zu gehen. Maren stimmt sofort zu und als sie dem Tuk-Tuk-Fahrer die Anschrift unserer Unterkunft nennt, bittet sie ihn, vorher in Barichara an einer Bäckerei anzuhalten. Das klappt hervorragend, Maren erwirbt für 16.000 $ 8 Teilchen 'Irgendwas' – also für umgerechnet ca. 0,23 € pro Stück. Die spannende Fahrt geht weiter, allerdings nur bis etwa 10 m vor unserer Unterkunft, dann gibt das Tuk-Tuk auf, hier ist's selbst dem tapferen Maschinchen zu steil :-). Wir verbringen den Nachmittag mit Lesen, Pool, Planung für morgen und der Vernichtung der Teilchen. Als wir gerade in unser Zimmer umziehen wollen, taucht Besitzer Stephan auf und wir klönen noch fast eine Stunde sehr nett miteinander. Er ist auch Deutscher, lebt und arbeitet als Reisefüher in Kolumbien und bald erfahren wir eine Menge über die überall angeschlagenen Wahlplakate und die Hintergründe des derzeit stattfindenden Wahlkampfs. Über die großen sozialen Gegensätze zwischen einer schmalen Oberschicht und einer, den sozialen Versprechungen der Linken zuneigenden Unterschicht. Nachdem wir noch einige Tips für die morgige Weiterfahrt bekommen, wünschen wir uns gegenseitig eine gute Nacht.  Bicolored Wren  (Campylorhynchus griseus)  Brauenzaunkönig Chicamocha-Canyon  Am Morgen guckt Stephan noch kurz vorbei, wünscht uns eine wunderbare Weiterreise und freut sich, dass es uns bei ihm gefallen hat. Wenig später ist das Auto gepackt, wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg – den wir auf Anhieb finden! Bald sind wir wieder auf der 45A, die Fahrt ist schön und die Landschaft wird immer spektakulärer. Etwa 60 km vor unserem Ziel, der Stadt Bucaramanga, hat die touristische Verwaltung Kolumbiens ein Einsehen gehabt und die Schnellstraße, die hier in Kurven an einem steilen Hang entlangführt, mit einigen Parkplätzen ausgestattet. Zu sensationell sind die Ausblicke auf den "Silberfaden in einer Vollmondnacht in den Kordilleren", so die poetische Bedeutung des Namens "Chicamocha" in der Sprache des indigenen Volkes der Guanas.  360°   Pano Superlative  Der Chicamocha-Canyon ist ehrlich gesagt die erste landschaftliche Formation, die uns in Kolumbien bisher wirklich beeindruckt hat. Natürlich, Kolumbien ist schön, es ist grün, aber es gibt auch viel flaches Land und da, wo es gebirgig wird, ist es klimabedingt bis in große Höhen auch einheitlich grün. Die grandiosen Felsformationen, die wir in Chile und Argentinien zu sehen bekamen, fanden wir hier nur selten. Dafür glänzt dieser Canyon aber auch mit Superlativen! Ob es nun der zweit- oder der drittgrößte Canyon weltweit ist, soll uns nicht interessieren, mit einer Länge von 227 km und einer Maximaltiefe von 2000 m spielt er ganz weit vorne mit. An manchen Stellen hat der Chicamocha-Fluss ihn auf 20 km Breite ausgewaschen und insgesamt belegt er eine Fläche von 108.000 Hektar. Trotz dieser Superlative wurde der Canyon 2009 nicht unter die 7 bemerkenswertesten Naturwunder gewählt, dafür aber später unter die Top 77 der Natural Wonders (Wikipedia :-). Um kurz nach 11:00 Uhr sind wir am "Parque Nacional de Chicamocha", wobei es sich allerdings nicht um einen Natur- sondern um einen gigantischen Freizeitpark handelt. Das einzige, was uns lockt, ist die kilometerlange Seilbahn über zwei Schluchten. Die fährt mittwochs auch, und zwar von 10:30 – 11:00 Uhr und dann erst ab 12:30 – 13:00 Uhr wieder. Tja. Wir beratschlagen kurz und entschließen uns dann, nicht fast 90 min. bei beachtlichen Temperaturen im schattenlosen Gelände auf die nächste Tour zu warten, sondern nach Bucaramanga weiterzufahren.
Bucaramanga  Die "ruhige Stadt, bekannt für ihre zahlreichen Parks" sieht aus unserer Perspektive eher wie eine kleinere Ausgabe von Bogotá aus – zumindest, was den Verkehr angeht. Immerhin gelingt es uns, punktgenau vor dem Hotel zu landen – und das, obwohl Organic Maps es gar nicht kennt! Wir müssen gestehen, dass auch unsere Vorstellung von Kolumbien bisher geprägt war von den meist disqualifizierenden Darstellungen unserer Medien, die bis vor relativ kurzer Zeit von der FARC Guerilla und Drogenbanden dominiert wurden. Damit einhergehend verband sich – wahrscheinlich nicht nur bei uns – das Bild einer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Unterentwicklung, so dass man Kolumbien irgendwie mit der dritten Welt assozierte. Erst nach und nach wandelte sich dieses Bild, worin der Grund liegt, weshalb Kolumbien das letzte der von uns besuchten Andenländer ist. Womit wir aber wirklich nicht gerechnet hatten, waren die von modernen Hochhäusern dominierten Großstädte, die man mehr in Nord-, als in Südamerika erwartet hätte. Wenn man aber erfährt, dass Kolumbien mit 54 Mio. Einwohnern das zweitbevölkerungsreichste Land Südamerikas ist (nach Brasilien), von denen 80 % aus wirtschaftlichen Gründen vom Land in die Großstädte fliehen, ahnt man, dass diese Bebauung der einzige Weg ist, diese Massen menschenwürdig unterzubringen. Aufgestaut  Bucaramanga ist nur eine Übernachtungsstation auf dem weiteren Weg in das (für uns!) viel interessantere Landleben. Selbst unser Auto hat im 3. Stock unseres Hotels übernachten müssen – wir im 10. – und muß jetzt über eine enge, einspurige Abfahrt wieder ausgelagert werden. Da aber ständig damit gerechnet werden muß, dass von unten Autos ins Parkhaus hineinfahren wollen, stellt Maren sich vor die Einfahrt, während ich mich beeile, schnell mit unserem Auto nach unten zu kommen. Dass die Idee gut war, bestätigen die beiden ungeduldig wartenden Fahrzeuge, die Maren, immer noch mit dem ersten Fahrer diskutierend, vor der Einfahrt blockiert ;-). Nachdem das Navi in den engen Hochhausschluchten endlich eine Peilung gefunden hat, geht es auf der 66 hinaus aus Bucaramanga – auf den ersten Kilometern verkehrsbedingt noch stockend, dann aber zügig auf einer sehr gut ausgebauten Schnellstraße. Nach ca. 40 Kilometern verlassen wir die 66 Richtung Süden für die zweite Hälfte der Strecke nach San Vicente de Chucurí, die – beidseitig dicht von Tropenbewuchs überschattet – uns erst am Rande eines Stausees wieder einen Blick über die Landschaft, besser  Wasser schaft gestattet. Puente El Tablazo  Eine gute Gelegenheit, eine kleine Pause einzulegen. Vor uns erstreckt sich eine Brücke über den Río Sagomoso, welcher den Stausee speist. Auf der anderen Seite der Brücke befindet sich ein Anleger auf einer Landzunge und die Anzahl der dort liegenden Boote, sowie die auf dem See schwimmenden Haus- und Badeboote lassen auf rege Freizeitaktivitäten schließen. Auch wir genießen das schöne Wetter und machen ein paar Fotos, bevor wir entlang des langgestreckten Sees weiterfahren. Lediglich an einem kurzen Straßenstück hat es einen kleinen Erdrutsch gegeben, der aktuell von Straßenbauarbeitern und einem Bagger wieder aufgefüllt wird. Es ist aber nur ein kurzer Stop, einige grobe Steine werden noch beseitigt und nachdem der Bus vor uns sich über das Hindernis gekämpft hat, schliddern wir hinterher.  360°   Pano Urlaubsstress  In San Vicente landen wir exakt vor unserer Hotel Boutique, parken mangels Alternative direkt an der Straße, und Maren macht durch ein fröhliches HALLOOO? vor dem verschlossenen Eingangstor auf uns aufmerksam. Kaum taucht der Angestellte auf, geht auch schon ein Hupkonzert los, da hinter unserem Auto ein Bus vorbei will und aus der Gegenrichtung ein LKW kommt. Toll! Maren fragt nach einer Parkmöglichkeit, erhält eine offensichtlich relativ komplizierte Erklärung, wo wir einen Platz finden können, dann folgt aber auch sofort das nette Angebot, uns schnell auf dem Weg zu begleiten. Wir laden nur kurz die Koffer aus, der Angestellte steigt zu uns ins Auto und nach einer längeren Stadtdurchquerung unter Berücksichtigung diverser Einbahnstraßen und Wendeverbote, landen wir auf der steilen Abfahrt zum Parqueadero gleich um die Ecke. Wir dürfen unseren hybriden SUV zum LKW-Tarif von 40.000 $/Tag dort abstellen, versuchen anschließend mit dem leichtfüßig die steile Abfahrt wieder hinaufhüpfenden Angestellten Schritt zu halten und sind, nachdem wir uns die ca. 50 m zum Hotel zurückgeschleppt haben, komplett durchgeschwitzt.
Der Kakaobaum  Der nette Angestellte freut sich über Marens Spanisch (Maren natürlich auch – und ich mich erst...!), fragt weiter nach, woher wir kommen und wieso Maren überhaupt spanisch spricht, was sie, immer noch nach Luft japsend, mit dem Wunsch nach besserer Kommunikation mit ihren lateinamerikanischen Patenkindern beantwortet. Yellow Cabs  Die Zimmer sind relativ klein und dunkel, dafür haben sie einen Balkon in den Innenhof mit Blick auf viel Grün und einen kleinen Pool. Sogar eine Hängematte haben wir im Zimmer. Zur Begrüßung gibt es einen leckeren kalten Orangensaft, und weil es sehr warm ist, der Schweiß von der Parkplatzbesteigung immer noch klebt, schnappt Maren sich ihren Bikini und kühlt sich erst mal im Pool ab. Nicht weit von San Vicente gibt es eine bekannte Vogelwarte, die wir unbedingt besuchen wollen, deren Anfahrt aber wegbedingt nicht ganz unproblematisch sein soll. Also versucht Maren im Hotel herauszufinden, ob wir nun morgen mit unserem eigenen Auto zur "Reserva Proaves Reinita Cielo Azul" fahren können, erfährt aber vorerst nur, dass man zwar keinen Guide benötigte, dieser aber sehr zu empfehlen sei. Aha! Ich möchte lieber im Hotel bleiben, aber Maren treibt es für einen kleinen Ortsbummel vor die Tür wo sie umgehend mit einer Ansammlung der allgegenwärtigen kleinen Taxen konfrontiert wird, die für relativ kleines Geld die Mobilität der vielen unmotorisierten Kolumbianer sicherstellen. Bunte Vielfalt  Die Kirche nimmt quasi die Hälfte der Innenstadt ein, dann folgt die begrünte Plaza Mayor mit interessanten Obstskulpturen (San Vicente ist offensichtlich die Fruchtmetropole Antioquias). Außerdem gibt es, wie in allen Orten des Landes, bemerkenswert viele und gute Wandmalereien, sowie hier sogar eine fantasievoll gestaltete Treppe, deren Bemalung sich nicht einfallslos auf die Regenbogenfarben beschränkt. Da es, wie immer, kein Abendessen im Hotel gibt, nutzt Maren die Gelegenheit, nach einer vom Hotel empfohlenen Alternative zum 750 m entfernten, am Ende einer (sehr!) steilen Straße befindlichen Lokalität zu suchen. Und siehe da: Nur ein kleines Stück von unserer Unterkunft entfernt wartet ein nettes Restaurant auf unseren Besuch um 18:30 Uhr. Kunst im Dorf  Bevor wir zum Abendessen aufbrechen, werfen wir noch die Klimaanlage im Zimmer an. Im Restaurant haben wir die bekannte Auswahl zwischen Burgern, Hot Dogs und größeren Fleischportionen. Maren schafft ihren "wilden Hund" gerade so eben, ich lasse mir von der Katze des Hauses helfen. Wir beschließen das Essen mit eiskalten Pfefferminz- und Maracuja-Granizadas, schleppen uns dann ins Hotel zurück, schalten notgedrungen die ausschließlich das Bett bestrahlende Klimaanlage ab, fallen in Nämliches und hoffen, heute Nacht nicht davonzuschmelzen. Dank halb offener Balkontür verläuft die Nacht angenehm, was man von Marens Badezimmererfahrung am Morgen nicht behaupten kann, denn als sie den mit "C" für "caliente = warm" gekennzeichneten Hahn aufdreht, kommt nur kaltes Wasser. So bleibt es bei einer notgedrungen nur kurzen, höchst unbefriedigenden Wäsche. Ich hingegen – sprachlich völlig unbeleckt – starte einfach mit dem anderen Hahn. Und verbrühe mich fast! Entweder stellen die Markierungen nur dekorative Ornamente dar oder die Hähne sind vertauscht. Die weitere, temperaturangepasste Körperpflege ist jedenfalls sichergestellt ;-).
Blaukäppchen  Das Frühstück ist, ebenfalls wie immer, sehr eilastig und wird ergänzt durch die unvermeidlichen Arepas, ein staubtrockenes Maisgebäck, sowie ein wenig geschmacksneutralen Gummikäse. Alles nicht so richtig geeignet, Marens etwas zerknitterte Stimmung wieder aufzuhellen. Immerhin sind der kalte Fruchtsaft und der Kaffee nach unserem Geschmack und von der heißen Schokolade kann es sogar noch einen Nachschlag geben. Inzwischen ist neben dem Angestellten auch der Juniorchef vor Ort, so dass Maren sich noch einmal erkundigt, ob der bei Google vorgeschlagene Weg zur Reserva de Aves in halbwegs gutem Zustand und somit für unser Auto machbar sei. Eine kurze Diskussion unter Männern ergibt ein positives Resultat und so holen wir unser Auto vom Parkplatz und machen uns auf den Weg.  Indigo-capped Hummingbird  (Saucerottia cyanifrons)  Blaukappenamazilie Sägezahn  Anfangs geht es noch auf einer Betonstraße an den Rand des Ortes, bis das Navi uns auf einen engen Seitenpfad schickt. Der ist anfangs in sehr gutem Zustand, dann wird es aber schotterig und zunehmend unbefestigter. Na? Wir sehen uns zweifelnd an, aber da kommt wieder ein gutes Stück. So geht es eine Zeitlang, bis wir uns beinahe in einem rutschigen Matschstück festfahren. So kann es nicht weitergehen und bevor es noch schlimmer wird, kehren wir frustriert um. Als wir unser Vorhaben schon endgültig canceln wollen, erinnert Maren sich, auf der Seite der Reserva gelesen zu haben, dass man auch ein Mototaxi mieten könne.  Collared Aracari  (Pteroglossus torquatus)  Halsbandarassari Zweiter Anlauf  Im Hotel wird sich über unsere schnelle Rückkehr gewundert, Maren erklärt das Problem und fragt nach alternativen Transportmöglichkeiten. Das ergibt einen Anruf bei einem Jeepfahrer, der uns nicht nur zur Reserva bringt, sondern dort auch auf uns warten und wieder zurücktransportieren will. Prima!  Andean Emerald  (Uranomitra franciae)  Andenamazilie Am Abgrund  Nach nur 10 min. ist der Fahrer da und wir fahren los. Ein Blick auf den 4x4 Fünfsitzer Toyota Pickup verrät uns, dass der Mann sich in der Gegend auskennt. Er wählt allerdings eine etwas andere Strecke als wir, und die Straße ist so gut mit Betonplatten ausgelegt, dass wir zu überlegen beginnen, ob wir dies nicht auch mit unserem eigenen Wagen geschafft hätten. Dann endet aber auch hier der zivilisierte Teil der Straße und der Jeepteil beginnt – extrem matschige, tiefgründige und steile Strecken, der Wagen schwimmt durch den Modder, wir klammern uns an die Haltebügel und hoffen, nicht plötzlich in einen Abgrund zu stürzen.  Ruddy Ground Dove  (Columbina talpacoti)  Rosttäubchen
Höhenflieger  Uns tröstet allerdings, dass unseren Chauffeur der Zustand des Weges kalt zu lassen scheint. Nur ein- oder zweimal, wenn es ganz schlimm zu werden droht, hält er kurz an, hantiert an den Schalthebeln des Fahrzeuggetriebes (ich glaube, das Fahrzeug hat gleich zwei davon – eines mit größerer und eines mit kleinerer Übersetzung. Gibt es sowas?) und steigt sogar aus, um irgendetwas an den vorderen Rädern oder Radmuttern nachzusehen oder einzustellen. Was bin ich doch für ein Laie, der sich bisher maximal mit dem Fünfganggetriebe eines VW-Busses auseindersetzen mußte. Vorbei an Kakao- und Kaffeepflanzungen, von denen nicht immer ganz klar ist, ob sie überhaupt noch bewirtschaftet werden, kämpfen wir uns dann erfolgreich bis auf 2000 Höhenmeter und sind heilfroh, dass wir uns keine Gedanken über den Zustand von Auto und Weg machen müssen.  Crested Oropendola  (Psarocolius decumanus melanterus)  Krähenstirnvogel Heil gelandet  Schließlich kommen wir an, ein paar Häuser sind auf dem Gelände verteilt und unser Fahrer hält auf einer Wiese. Während wir aussteigen, macht er es sich bequem und erklärt, wir könnten uns Zeit lassen, er warte gerne...  Black-throated Mango  (Anthracothorax nigricollis) , female Schwarzbrust-Mangokolibri od. Schwarzkehlmango Vor Ort gebucht  In der Station begrüßt uns freundlich eine junge Frau. Außer ihr sehen wir nur noch eine weitere Angestellte, die in einem Speiseraum herumwischt, denn hier gibt es nicht nur Tagesbesucher, auch für Übernachtungsgäste sind Zimmer vorhanden. Von solchen ist aber nichts zu sehen. Maren erklärt, dass wir zwar versucht hätten, auf der Webseite der Station einen Tagespass zu buchen, dies aber wegen eines Softwarefehlers offensichtlich nicht möglich sei. Alles kein Problem, wird uns beschieden, es gäbe zwar keinen Guide (den wir auch gar nicht wollen) und außer dem Eintrittsgeld werde lediglich ein mal wieder äußerst umfangreich auszufüllendes Formular benötigt.  Flame-rumped Tanager  (Ramphocelus flammigerus) , female Feuerbürzeltangare Kurz ist auch o.k.  Zwar schwirren um die Futterstationen entlang der Hausfront eine Menge Vögel durch die Luft, es git aber auch die Möglichkeit, das ausgedehnte Gelände der Reserva zu Fuß zu erforschen. Wir erfahren, dass es zwei Wege gibt: einen kurzen, den man in ca. 20 min. bewältigen kann, sowie einen längeren von ca. 1 h Dauer, den man aber abkürzen könne, wenn man sich von einem Auto zum Einstieg bringen ließe. Dies schlüge mit weiteren 25.000 $ für den Besitzer der Länderei zusätzlich zu den 50.000 $ Eintritt p.P. für die Reserva zu Buche. Wir sind uns einig, dass es 'der Kürzere' auch tut und fragen nach einem Plan oder einer Ausschilderung.  Rufous-tailed Hummingbird  (Amazilia tzacatl)  Braunschwanzamazilie
Mind your step!  Es gibt weder Plan noch Schilder, wir erfahren aber, dass es gleich nach dem nächsten Haus hinein in den Wald, dann hoch, oben dann nach rechts und nach einem Stückchen dann wieder nach unten ginge... womit wir quasi wieder am Ausgangsort wären. Ah ja! Neben dem erwähnten Häuschen flattern verheißungsvoll ein paar Kolibris durch die Büsche, die ich schon mal mit dem Tele jage, bis wir den ansteigenden Pfad in den Wald hinein betreten. Nach den ersten Schritten merken wir, dass es offensichtlich in den vergangenen Tagen wiederholt geregnet hat, denn unter dem herumliegenden, feuchten Laub ist der Boden wie Schmierseife. Gerade als Maren mich warnen will, rutsche ich auch schon aus, trage aber außer einem lehmigen Hosenboden glücklicherweise keine weiteren Schäden davon.  Red-crowned Woodpecker  (Melanerpes rubricapillus)  Rotkappenspecht Besser is...  Seeehr vorsichtig und langsam stapfen wir weiter, der Wald ist schön, allerdings auch komplett vogelfrei. Bei der ersten Gelegenheit, nach rechts abzubiegen tun wir das und folgen dem nächsten Querweg, wie beschrieben, wieder nach rechts. Nachdem wir uns über ein längeres, rutschiges Stück nach unten gearbeitet haben, kreuzt in einer Richtung ein Bach und geradeaus verwehrt ansteigender Tiefmatsch das Weiterkommen. Da wir beide nicht sicher sind, wo wir uns genau befinden und vor allem, wie es weitergeht, entscheiden wir uns, sicherheitshalber auf demselben Weg wieder zurückzurutschen.  White-necked Jacobin  (Florisuga mellivora) , male Weißnackenkolibri od. Jakobinerkolibri Flugbetankung  Irgendwann kommen wir tatsächlich ohne weitere Unfälle wieder am Ausgangspunkt an und beschließen, lieber an den Futterstationen unser Glück zu versuchen.  Green Hermit  (Phaethornis guy)  Grüner Schattenkolibri Echte Flyer  Das ist die richtige Entscheidung! Unmengen an Kolibris toben um uns herum, Arassaris, Tauben und Tangaren lassen sich blicken und sogar ein Specht und Stirnvögel. Netterweise bekommen wir sogar Kaffee serviert und nach gut zwei Stunden hoffen wir, alle Pieper dokumentiert zu haben. Wir betreten noch einmal den offenen Korridor des Verwaltungshauses, um uns zu verabschieden und einen der Flyer mitzunehmen, die wir heute morgen auf einer Ablage liegen sahen. Außer ein paar farbigen Abbildungen der Einrichtung und Anfahrtskizzen gibt es aber leider keinerlei Informationen zu der Vogelwelt, die sich hier ein Stelldichein gibt.  Brown Violetear  (Colibri delphinae)  Brauner Veilchenohrkolibri od. Telesillakolibri
Man streckt uns die Zunge raus  Seltsam, wir denken an unsere Costa Rica Urlaube zurück, als wir in zwei aufeinanderfolgenden Urlauben Vogelbeobachtungstouren in der Mündung des Río Nosara unternahmen. Diese wurden für max. 4 Personen von einem deutschen Auswanderer in einem elektrisch betriebenen Ruderboot von seinem am Strand liegenden Häuschen aus durchgeführt. Selbst dieser Kleinunternehmer hatte für seine Kunden auf Wunsch einlaminierte DINA4 Bögen zur Mitnahme angefertigt, auf denen liebevoll jeder dort vorkommende Vogel abgelichtet war. Bei einem Großunternehmen wie ProAves mit zahlreichen Schutzgebieten gab es so etwas merkwürdigerweise nicht – nicht einmal Nachschlagewerke vor Ort...  White-necked Jacobin  (Florisuga mellivora) , female Weißnackenkolibri od. Jakobinerkolibri Seinen Preis wert  Unser Chauffeur sitzt immer noch geduldig hinter seinem Steuer, als wir zum Auto zurückkommen. Kurz darauf sind wir wieder unterwegs, müssen auf dem Rückweg aber an einer Stelle warten, bis die gröbsten Ausbesserungsarbeiten an einem Erdrutsch erledigt sind, dann setzen wir die abenteuerliche Abfahrt fort. Maren hofft, genügend Bargeld dabei zu haben und fragt, nachdem wir glücklich wieder am Hotel angelangt sind, nach dem Preis. Was es ihr denn wert wäre? Maren antwortet, dass sie keine Ahnung hätte, er schlägt zögerlich 300.000 $ vor – das Auto hätte ja einiges mitgemacht… Wir nehmen zwar an, dass Einheimische einen etwas anderen Preis gezahlt hätten, finden aber andererseits für die Horrorstrecke und seine Wartezeit umgerechnet knapp 75,- € auch nicht extrem. Zumal man bei uns für so einen Preis noch nicht einmal mit dem Taxi vom Vorort in die Innenstadt kommt. Maren legt noch 40.000 $ Trinkgeld drauf und alle sind zufrieden. Die Schneemanngass'  Auch Kolumbien wurde vom Klimawandel nicht verschont! Erinnerungen an die unvergessene Kaltzeit ;-). Alles klar?  Heute ist Samstag der 28.2. und vor uns liegt ein langes Wegstück über 300 km Länge nach Río Claro Reserva Natural La Mulata (das obige Bild zeigt schon mal, wie der 'klare' Fluss aussieht). Wie üblich vergleichen wir Organic Maps mit Googles Vorschlag und sind überrascht, dass Organic Maps uns entgegen sonstiger Praxis den längeren Weg empfiehlt. Sicherheitshalber erkundigt sich Maren nochmals bei dem netten Hotelangestellten, der uns ebenfalls dringend anrät, lieber zurück Richtung Bucaramanga zu fahren und dann erst auf der 60 weiter Richtung Süden, statt den direkteren Weg zu nehmen, der sehr steil und in schlechtem Zustand sei. Unser Auto würde es uns danken. Wir danken dem Angestellten und werden zum Auschecken an die freundliche Chefin weitergereicht, die sich erkundigt, ob wir Verbesserungsvorschläge hätten, ob wir zufrieden waren, wie wir geschlafen hätten, wie das Frühstück war...? Damit Maren etwas Konstruktives beisteuern kann, erklärt sie mit freundlichem Lächeln, ihr sei klar, dass unterschiedliche Frühstücksgewohnheiten auch kulturell bedingt seien, wir aber ganz persönlich lieber weniger Eier und dafür etwas mehr Brot und Obst bevorzugen würden.
Kakao nur aus der Tüte  Die Chefin hat aber noch etwas auf dem Herzen: Ob denn das Reisebüro ihr Angebot einer Führung durch die eigene Kakaofinca nicht an uns weitergegeben hätte? Natürlich ist uns aufgefallen, dass die Dekoration des Aufenthaltsraumes und des übrigen Hotels auf eine enge Verbindung zur Kakaowirtschaft des Landstrichs schließen läßt. Das vom Reisebüro per WhatsApp weitergeleitete Angebot hat Maren aber tatsächlich leider erst am heutigen Morgen gelesen. Nachdem Maren dann noch erwähnt, dass wir den gestrigen Tag stattdessen mit einer sehr interessanten Vogelexpedition verbracht haben, ist die Chefin wieder versöhnt, schenkt uns zum Abschied noch eine große Tüte selbstgefertigter Schokolade und fotografiert uns samt Firmentüte vor einem großen Blumenarrangement, um das Foto an unsere sehr aufmerksame, örtliche Reisebetreuerin weiterzuleiten.   Guzmania lingulata  eine Bromeliaceae Flussbewohner  Wir lösen das Auto für 80.000 $ am Parqueadero aus, halten sehr kurz für das Beladen der bereitgestellten Koffer vorm Hotel und kehren über einen weiten Einbahnstraßenbogen zurück auf den Weg, den wir gekommen sind. Wieder vorbei am Stausee erreichen wir bald die Straße 66, der wir diesmal nach links folgen, bis wir auf die 45 abbiegen. Auf der westlichen Verbindung nach Bogotá herrscht unglaublich starker LKW Verkehr, da die Straße über weite Strecken aber zweispurig angelegt ist und es nur wenige kleine Staus vor Straßenbaustellen gibt, kommen wir gut voran und erreichen unser Ziel schon um 15:00 Uhr. Die Reserva Natural ist zur Straße hin durch ein großes zweiflügeliges Metalltor abgesperrt und erst, nachdem wir uns mit unserer Reservierung legitimiert haben, wird uns geöffnet. Gut 1,5 km geht es nun entlang des Río Claro auf einem breiten Sandweg durch lichten Wald, vorbei auf halber Strecke an einem zurückgesetzten Steinhaus mit vier Zugängen, bis wir die Rezeption samt Restauration erreichen.  Black Phoebe  (Sayornis nigricans) , male Schwarzkopf-Phoebetyrann Da tropft selbst der Stein  An der Rezeption des "La Mulata" begrüßt uns etwas schmallippig Catalina und nachdem sie unsere Reservierung bearbeitet hat, bekommen wir einen kleinen Übersichtsflyer mit den Wanderwegen, Essenszeiten und Angeboten zum Rafting, Freeclimbing oder Canopy ausgehändigt. Desweiteren die Information, dass es strikt verboten sei, Lebensmittel in der Unterkunft aufzubewahren – wegen der Tiere! (Maren vermutet mal: weniger Pumas und Ameisenbären als vielmehr Ameisen, aber auch die wollen wir natürlich nicht im Zimmer haben). Alle Mahlzeiten sind inklusive, Trinkwasser können wir kaufen(!). Nachdem jedem von uns ein selbstklebendes Identifikationsbändzel ums Handgelenk gewunden wurde, dürfen wir mit dem Auto zurück zu dem Steinhaus und eine der vier Ferienwohnungen beziehen. Da Maren sowieso schon verschwitzt ist, macht sie sich noch einmal auf zu einem kleinen Erkundungsgang. Zum Restaurant braucht man wirklich keine 5 min., und das erste Highlight des Wanderwegs erreicht man auch in der angegebenen Zeit. Der Weg ist fantastisch, gut zu gehen – aber es ist sehr warm und nahe des Flusses sehr feucht, so dass Maren, als sie zurück ist, ihr Kleid auswringen kann. Essen fassen  Die Dusche wird bei der herrschenden Luftfeuchtigkeit wohl häufiger zum Einsatz kommen, nur Kleider trocknen, das kann sie leider nicht. Da man urlaubsbedingt natürlich nur ein beschränktes Kontingent an Klamotten mit hat, stellt sich wohl die Frage nach einer optimalen Kleiderstrategie :-). Kurz nach 18:30 Uhr gehen wir zum Essen – mit Taschenlampe bewaffnet, da es auf den Wegen keine Beleuchtung gibt – außer den überall aufblitzenden Glühwürmchen. Wir sind im drei Seiten offenen Restaurant die Einzigen, setzen uns für die hinter einem Tresen stehende Catalina gut sichtbar an einen Tisch – es passiert aber nichts. Und immer noch nichts. Schließlich kommen wir ihr mal entgegen, kaufen zwei Flaschen Wasser und erwähnen, dass wir ganz gerne auch essen würden. Das scheint für sie völlig überraschend zu kommen, trotzdem informiert sie uns, dass es Tomatensuppe, Hähnchenbrust mit Pommes und Salat gäbe. Fein.   Homeomastax dereixi  Affenschrecken (Eumastacidae)
Doch nicht allein  Die Küche funktioniert im Gegensatz zu Catalina extrem schnell, denn schon kurz nach der Bestellung wird von einem – sehr freundlichen! – Küchenjungen aufgedeckt. Es schmeckt auch ausgesprochen gut und leidet lediglich unter dem täglich wiederkehrenden Manko: Es ist einfach zuviel! Man will schließlich nicht 15 kg schwerer aus dem Urlaub zurückkommen... Auch wenn wir in unserem Viererbungalow am Fahrweg alleine sind, scheinen wir doch nicht die einzigen Gäste im Refugio zu sein. Auch hier im hölzernen Hauptgebäude gibt es Gästezimmer und weiter entlang des Flusses steht noch ein mehrstöckiges Gebäude für die Abenteuergäste auf einer Klippe im Dschungel. Denn während wir noch essen, tauchen drei weitere Gäste im Restaurant auf, die von Catalina prompt bedient werden. Was haben die, was wir nicht haben? Egal, wir machen uns auf den Weg zurück zu unserer Hütte. Schlauerweise haben wir nicht nur den Ventilator, sondern auch das Licht angelassen, das Wiederfinden im stockdunklen Wald bereitet also keine Probleme.  Cane Toad or Giant Toad  (Rhinella horribilis) , juv. Mittelamerikanische Agakröte Barbäuchig  Statt Klimaanlage hat unser Zimmer immerhin einen großen, an der Wand schwenkbar montierten Ventilator. Diesen schalten wir auf volle Drehzahl, richten ihn irgendwohin in den Raum, nur nicht aufs Bett und sind uns nach kurzem Suchen darin einig, dass es wohl aus gutem Grund hier keine Bettdecken gäbe. Wir legen uns also deckenlos hin und bemühen uns, nicht mit dem Laken zu verkleben. Mitten in der Nacht wachen wir auf, es blitzt und donnert heftig und erstaunlicherweise haben es Ventilator und halb geöffnete Fenster ziemlich abkühlen lassen, so dass es uns beide fröstelt. Maren schnappt sich ihre Taschenlampe und fängt an, im Koffer nach einem wärmenden Nachthemd zu graben, während ich mal testweise eines der auf den Betten hinterlegten Riesenhandtücher entfalte und dabei feststelle, dass es sich bei diesen tatsächlich um Bettdecken handelt – oh Mann!  Central American Whiptail or Tiger Ameiva  (Holcosus festivus)  Zentralamerikanische Ameive Nestbauarbeiten  Gegen 8:OO Uhr sind wir zum Frühstück wieder im Restaurant. Catalina wuselt im Hintergrund herum und ignoriert uns wieder mal gekonnt. Am Nebentisch sitzt einer der Gäste von gestern abend und spricht uns an. Er ist Amerikaner, wohnt, wie er erzählt, zumindest zeitweilig in Kolumbien und fragt uns nach unseren Reiseplänen aus. Als wir erzählen, dass Medellín unser nächstes Ziel sei, gibt es von ihm noch ein paar Tips, denn in Medellín lebt er zurzeit. Nachdem er noch von den Fettschwalmen erzählt hat, großen Vögeln, die in einer Kalksteinhöhle am Fluß leben und deren täglicher Ausflug aus der Höhle zwischen 18:00 und 18:30 Uhr höchst sehenswert sei, erscheinen seine beiden Mitreisenden und prompt ist auch Catalina zur Stelle und nimmt eilfertig die Bestellung der Drei auf. Auch uns kann sie nun beim besten Willen nicht mehr übersehen und kommt jetzt auch an unseren Tisch. Es gilt mal wieder die Auswahl zu treffen zwischen diversen Heißgetränken, drei verschiedenen Müslivarianten, Brot oder Toast oder Arepas oder Croissants – die allerdings aus sind. Immerhin darf man Marmelade und Butter und Käse ordern – sensationell!  Thick-billed Euphonia  (Euphonia laniirostris) , female Dickschnabelorganist Playa Marmol  Wir rätseln, womit wir Catalinas fast schon demonstrative Missachtung verdient haben. Inzwischen haben wir festgestellt, dass es außer uns eine Menge Aktivurlauber hier gibt, die in den weiter hinten liegenden Unterkünften wohnen und ihre Tage mit Rafting, Canopying, Freeclimbing und Caving verbringen, und nicht nur – wie wir – für zwei inaktive Übernachtungen hier sind, sondern dem Río Claro Reserva Natural jede Menge Kohle einbringen. Bereits gestern war mir die Idee gekommen, den pustestarken Ventilator durch Vorhängen der Kleider zum Trocknen zu mißbrauchen, so dass meine Jeans und Marens Kleid wieder tragbar sind. Und weil es heute morgen nach dem nächtlichen Gewitter noch relativ kühl ist, strafen wir Catalinas Einschätzung unserer Inaktivität Lügen, behängen uns mit unseren Kameras und machen uns auf zum kräftezehrenden Marsch entlang des Flusses ;-).
Naturgeformt  Der Weg ist sehr schön, gewährt viele Aussichten auf den schnell dahinfließenden Fluss und läßt anhand von gelegentlichen, sandigen Aufschwemmungen erahnen, wie mächtig der Fluss bei Hochwasser anschwellen kann. Gelegentlich hat die begleitende Felswand Tropfsteinhöhlen und wie von fließendem Kalk geformte Durchbrüche ausgebildet, so dass jeder Meter andere, interessante Ausblicke bietet. Durch das feuchte Grün huschen kleine Vögel und bei genauem Hinschauen entdeckt man Tausendfüssler, Heuschrecken und Ameiven. Nur gelegentlich wird das leise Rauschen des Flusses durch laute Ausrufe unterbrochen, wenn es ein paar Rafter vorübertreibt oder ein paar Helm- und Freizeitkleidungsbewehrte Aktivisten an einem Seil über den Fluss hangeln. Rarität am Weg  Sogar zum Entdecker kann man hier werden, wenn man nichtsahnend ein paar hübsche Blüten am Wege fotografiert und erst zu Hause bei der Identifikation erfährt, eine endemische, nur auf ein sehr kleines Verbreitungsgebiet beschränkte Pflanze entdeckt zu haben, von der es erst eine einstellige Anzahl von bisher nur sehr minderwertigen Bildern im Internet gibt. Wir gehen noch bis zu dem Ausgang der langgezogenen, begehbaren Höhle auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses, aus dem am Abend die Guácharos, die Fettschwalme, ausfliegen sollen. Wir haben uns Zeit gelassen, inzwischen ist es später Vormittag, die Sonne brennt herab und trotz der schattenspendenden Bäume ist es wieder schweißtreibend schwül. Wir beschließen umzukehren, denn allmählich bekommen wir auch schon wieder Hunger.   Trichodrymonia conferta Soloexpedition  Zurück in unserem Zimmer sind wir wieder klitschnass und springen erst einmal unter die Dusche. Danach hänge ich meine Büx erneut wie gestern schon über den Ventilator, Maren setzt sich auf einen Stuhl vor die Tür und scoutet Vögel, während ich mit dem Tele versuche, einige der herumschwirrenden Flieger einzufangen. Das Palmtangarenpärchen, welches direkt unter dem überstehenden Dach nistet, sitzt für meine Linse zur sehr im Dunklen, aber der Streifentyrann und die Dickschnabelorganistin lassen sich ausgiebig fotografieren. Maren läßt nicht los, was der Amerikaner über die ausfliegenden Fettschwalme erzählt hat. Gegen 18:00 Uhr beginnt es in diesen Breiten schon erheblich zu dämmern, so dass ich zweifle, ob überhaupt genug Licht vorhanden sei, die Vögel beim Ausflug zu erwischen. Maren weist auf die in der Tat beeindruckenden Low Light Fähigkeiten ihrer Sony Videokamera hin, während mir klar ist, mit meinem Tele trotz hohem ISO kaum noch etwas ausrichten zu können (ehrlich gesagt, hab' ich auch keine Lust mehr, noch einmal diesen schweißtreibenden Weg zurückzulegen...). Meine Frau läßt sich hingegen nicht abschrecken, schnappt sich die leuchtstarke Taschenlampe, die Videokamera, die Nikon mit dem kurzen Zoom und macht sich um 17:30 Uhr – nachdem wir ein Treffen im Restaurant bei ihrer Rückkehr vereinbart haben – auf den Weg.  Streaked Flycatcher  (Myiodynastes maculatus)  Streifentyrann od. Südlicher Fleckenmaskentyrann Nachtflug  Knappe 20 min. später ist Maren wieder an dem Ausgang der Höhle, aus der sich ein kleiner Wasserfall ergießt. In dem quirligen Wasser lassen sich auch im nachlassenden Tageslicht noch Seiltreppchen erkennen, über die gelegentliche Höhlenabenteurer die Höhle verlassen, nachdem sie diese auf ganzer Länge durchwandert haben. Bereits an der Rezeption überquert eine Brücke den Fluß, über den Amateurspelunkologen Zugang zum Eingang der Höhle bekommen, die sich bis an diesen Ort durch das Kalkgestein der gegenüberliegenden Uferwand zieht. Heute abend klettert niemand hier raus, aber ab 18:20 Uhr beginnen die ersten Vögel ihre Kaverne hinter dem Ausflugloch zu verlassen, leider ist es aber inzwischen so dunkel, dass selbst die Videokamera nichts mehr zum Fokussieren findet – von der Nikon ganz zu schweigen. Immerhin ist das menschliche Auge leistungsfähig genug, dass Maren wenigstens life den beeindruckenden Ausflug der Guácharos miterleben kann. Ich warte derweil im Restaurant auf Maren, der junge Kellner hat mich schon mit Hilfe seines Smartphones auf englisch gefragt, ob ich schon essen wolle, hat aber mein mühsam eingeübtes "Más tarde, espero a mi mujer" tadellos verstanden und ist wieder abgezogen. Stolz, den stockdunklen Rückweg nur mit der Taschenlampe bewaffnet ohne Panikattacke bewältigt zu haben, taucht Maren wenig später auf, und gemeinsam machen wir uns über das Abendessen her.
Umwege  Heute morgen wollen wir weiter nach Medellín. Die Geschichte einer weiteren Variante, uns im Restaurant zu ignorieren, erspar' ich mir, immerhin haben wir bis zum Eintreffen des Frühstücks ausreichend Zeit, mittels des nur hier vorhandenen WLANs auf dem Laptop die heutige Fahrtroute zu checken. Irgendwie scheint der Wurm drin zu sein, denn Google informiert uns, dass die direkte Strecke nach Medellín, die Straße 60, wegen Bauarbeiten komplett gesperrt ist. Als einzige Alternative bleibt uns nur wieder eine weite Rückkehr auf der 45 bis zum Abzweig der 62 und auf dieser dann nach Medellín. In Worten: 330 statt 150 Kilometer! Zurück im Zimmer packen wir das Gepäck ins Auto, fahren wieder zur Rezeption, geben die Schlüssel ab, zahlen unsere 6 Getränkeflaschen und los geht's. Die Fahrt ist relativ problemlos, nur einmal müssen wir etwas länger warten, bis eine Planierraupe die frisch aufgeschüttete Erde ausreichend festgewalzt hat. Kurz vor Medellín entern wir eine Tankstelle, erwerben für 2000 $ die Berechtigung, die Toilette zu benutzen und entdecken bei Organic Maps sogar die Straße, in der das Hotel liegen soll.  Black-billed Thrush  (Turdus ignobilis)  Schwarzschnabeldrossel Am Ziel  Mit dem Erreichen der städtischen Randbezirke nimmt der Verkehr auch wieder drastisch zu. Medellín erscheint uns mit seinen Hochhäusern genauso gesichtslos wie die anderen Großstädte, die wir bisher gesehen haben, immerhin findet Organic Maps unsere kleine Zielstraße, eine Sackgasse, auf Anhieb.  Saffron Finch  (Sicalis flaveola flaveola) , male Safranammer od. Safrangilbtangare Gewußt wie...  Direkt an der Abzweigung der Sackgasse steht ein großes Hotel. Leider nicht unseres, welches wir auch nicht finden, nachdem wir langsam bis zum Ende der Straße und wieder zurück gefahren sind. Wir haben zwar eine Hausnummer, vor der sollten wir jetzt auch ungefähr stehen, aber alles, was wir sehen, ist eine Bar. Da hilft nur fragen. Der freundliche Kellner nickt bestätigend, ja, ja, wir seien schon richtig, das Hotel befinde sich direkt über dem angeschlossenen Restaurant. Statt außen herum über einen schmalen Fußweg, öffnet man uns eine Tapetentür und über eine Wendeltreppe gelangen wir tatsächlich zur Rezeption.  Bildtechnisch greife ich hier einen Tag vor, denn unter dieser futuristischen Konstruktion beginnt unser Ausflug in den großen "Jardín Botánico de Medellín". Die grüne Lunge  Wir werden sehr freundlich begrüßt, dann dürfen wir das Auto auf den offiziellen Hotelparkplatz fahren und das Gepäck über verschlungene Wege in unser Zimmer bringen. Das ganze Hotel ist nett, hell, modern, wir haben sogar eine eigene kleine Terrasse mit Tisch und Stühlen – und werden sogleich von einer Schwarzschnabeldrossel und einer Safranammer begrüßt, die durch den Baum in einem kleinen Garten springen, welcher das Hotelgrundstück von den anschließenden Hochbauten abgrenzt. Das Abendessen gibt es nicht im Hotel, sondern drei Straßen weiter in einem italienischen Restaurant, wo wir auch erstmals in diesem Urlaub die Gelegenheit haben, unser Original Südamerikafeeling mit zwei großen Pisco Sour wieder herzustellen :-).   Wir sind nur für zwei Übernachtungen hier und bekanntermaßen nicht so die Großstadtfans. Zumal alleine die Aussicht, im Verkehrsgewühl unterzugehen, städtische Ziele unattraktiv erscheinen läßt. Wir lassen uns am nächsten Morgen vom Rezeptionisten ein Taxi rufen und brechen auf in den sehr empfohlenen Botanischen Garten Medellíns. Das klappt alles reibungslos und nur eine dreiviertel Staustunde später hat das Taxi die acht Kilometer zum Parkeingang zurückgelegt, wo der Eintritt zwar kostenlos ist, wir uns aber per Passvorlage registrieren lassen müssen.
Gipfelstürmer  Der Himmel hatte heute morgen zwar ein wenig getröpfelt, den mitgenommenen Schirm brauchen wir aber den ganzen Tag nicht. Es bleibt bedeckt und die Sonne erhellt höchsten sporadisch mal die Wolkendecke, was aber ganz angenehm ist, denn so schwitzen wir nicht und auch zum Fotografieren ist das Licht sehr angenehm. Der zentrale Teich des Parks beherbergt zahlreiche Wasservögel, Schmuckschildkröten, von denen nur die Nasenspitze und der obere Schild aus dem Wasser schaut, sowie einen großen Grünen Leguan, der sich auf einem Felsen ausruht. Gleich daneben klettern drei seltene Schienenschildkröten, die im Norden und Westen Kolumbiens endemisch und seit 2015 von der IUCN als vom Aussterben bedroht eingestuft sind. Bei diesen, durch einen auffälligen Geschlechtsdimorphismus gekennzeichneten Schildkröten, deren Weibchen 5,6 kg wiegen und bis zu 37 cm lang werden können, während sich die Männchen mit 1,6 kg und 25 cm Länge bescheiden müssen, ist nicht klar, ob sie auf natürlichem Wege über das verästelte Flusssystem des Río Magdalena hier hin gelangten, oder ob sie Teil zoologischer Aufzucht zur Arterhaltung sind.  Magdalena River turtle  (Podocnemis lewyana)  Glattrand-Schienenschildkröte Naschvogel  Breite Wege durchziehen den schön angelegten und gepflegten Park, an dem zentralen See sind Ausguckplattformen montiert und die großen Rasenflächen dürfen nicht nur betreten werden, sie laden auch zum Spielen und Picknicken ein. Die Bepflanzung ist abwechsungsreich, wie es sich für einen botansichen Garten gehört, ebenso zahlreich die Früchte der Bäume, Büsche und Pflanzen, die für eine große Artenvielfalt der hier vorkommenden Tiere sorgen. Dieser Waldsänger ist ein Zugvogel, der seine sommerlichen Brutgebiete in Alaska und Kanada hat und jetzt hier in Kolumbien überwintert. Eigentlich ein Insekten-, Spinnen-, Schnecken- und Würmerfresser, ist er wohl auch ein Opportunist, denn wir haben ihn hier beim Naschen an einer reifen, heruntergefallenen Frucht erwischt.  Northern Waterthrush  (Parkesia noveboracensis)  Drosselwaldsänger Rüsseltier  Auch Beete mit einer Vielzahl heimischer Wildpflanzen sind am Rande der großen Wiese angelegt und einladende Bänke stehen daneben. Eine große Prachtbiene summt um eine violette Blüte und einmal mehr bin ich dankbar für mein famoses Tele, welches mit seinen 600 mm nicht nur entfernte Vögelchen heranzoomt, sondern bei 150-200 mm auch mehr als passable Makros hinkriegt. Der Rüssel dieser Biene ist übrigens fast so lang wie der gesamte Unterleib des Insekts und steckt hier bis zum Anschlag auf dem Blütenboden drin!  Orchid Bee  (Eulaema polychroma) Der Gesichtsnudist  Wo man auf diesen Ibis trifft, sieht man ihn in der Regel sehr zahlreich. Aufgrund seines dunklen, am Hals sogar leicht grünlichen Gefieders hatten wir ihn zunächst als Grünen Ibis fehlidentifiziert, merkten bei der Nachschau aber sehr schnell, dass es das namensgebende, unbefiederte Gesicht ist, welches ihn eindeutig als  Mohren ...oh, sorry, als Nacktzügelibis auswies. In Südamerika tritt er in zwei großen Populationen auf: nördlich des Amazonasbeckens (als  P. i. berlepschi ), sowie südlich des Amazonasbeckens und östlich der Anden (als  P. i. infuscatus  und  P. i. nudifrons ). Der Vogel lebt bevorzugt – wie hier – in der Nähe von Gewässern und ernährt sich von Insekten, Schnecken, Würmern und Krebstieren.   Bare-faced Ibis  (Phimosus infuscatus berlepschi)  Mohrenibis od. Nacktzügelibis
Eine alte Bekannte  Die bodenbewohnende Ohrflecktaube ist wohl die am häufigsten vorkommende Taube Südamerikas. Außer den amazonischen Tieflanden besiedelt sie den gesamten Subkontinent bis in Höhenlagen von 4500 Metern. In Brasilien und Argentinien soll sie in Schwärmen bis zu einer Million Tieren auftreten, gilt als landwirtschaftlicher Schädling und wird bejagt. Wo sie nicht so zahlreich ist, hat sie sich menschliche Siedlungsräume erschlossen und ist nur wenig scheu. Die Brutzeiten variieren mit dem Verbreitungsgebiet und beginnen hier in Kolumbien gerade jetzt mit dem Beginn des Monat März.  Eared Dove  (Zenaida auriculata antioquiae)  Ohrflecktaube Eine Feige  Leider haben wir versäumt, uns nach Blättern dieses imposanten Feigenbaumes umzuschauen. Die wenigen, in den unteren Astregionen sprießenden Blatttriebe lassen allerdings bei hundertprozentiger Vergrößerung des Originalnegativs eindeutig die Blattform des Gummibaumes erkennen, so dass ich mich – glaube ich – nicht allzu sehr aus dem Fenster hänge, wenn ich mich hier auf  Ficus elastica  festlege ;-). Rund um den See stehen noch einige weitere dieser beeindruckenden Giganten herum und dürften schon auf ein ziemliches Lebensalter zurückblicken.  Rubber Fig  (Ficus elastica)  Gummibaum Unerwartet  Wir sind einmal um den See herumgewandert und haben wegen des dichten Uferbewuchses nur gelegentlich auf das Wasser schauen können. Jetzt aber, an der Entenfütterstelle, blicken wir zurück zum anderen Ende des Gewässers und sehen verblüfft einen Reiher, dem wir bisher erst ein einziges Mal nur kurz begegnet sind.  Cocoi Heron  (Ardea cocoi)  Cocoireiher Rekordhalter  Wie in fast jedem lateinamerikanischen Land, welches wir besucht haben, inklusive Curaçao, unserem Tauchrevier, begegnet uns auch in Kolumbien mehrfach wieder der kleine, unverkennbare Zuckervogel. Die Art ist im tropischen Mittel- und Südamerika, sowie auf den karibischen Inseln zu Hause und bildet rekordverdächtige 41 Unterarten aus, die sich meist lediglich in Graunuancen der Kehle und des Augenstrichs unterscheiden. Mit ihrer gespaltenen, röhrenförmigen Zunge nehmen sie Nektar aus Blüten auf, Fruchtstände, die sie so nicht erreichen, werden mit dem spitzen Schnabel auch von der Seite angepickt.  Bananaquit  (Coereba flaveola caucae)  Zuckervogel
Ein variables Hörnchen  Das Rotschwanzhörnchen kommt im Lager der Säugetiere bezüglich der Unterarten fast an den Zuckervogel aus dem vorigen Bild heran. Obwohl nur über ein relativ kleines Gebiet vom südlichen Mittelamerika bis in den äußersten Norden Kolumbiens und Venezuelas verbreitet, bringt Hörni es auf immerhin 32 Unterarten, die sich zudem auch in Größe und Färbung recht deutlich unterscheiden können. Bemerkenswert an diesem kleinen Nussknacker ist, dass die Verbreitung seiner Unterart  S. g. gerrardi  explizit auf die Region Medellín beschränkt ist – möglicherweise sogar ausschließlich auf diesen Park ;-)!  Red-tailed Squirrel  (Sciurus granatensis gerrardi)  Rotschwanzhörnchen Estación  Wir nähern uns einem Kiosk, der in Würdigung des Ortes "Station" getauft wurde. Ein paar Meter weiter erinnert ein etwas in die Jahre gekommener Waggon an eine Zeit, als der Botanische Garten noch von der Eisenbahnlinie der Region Antioquia angefahren wurde. Ob der im Pflaster angedeutete Schienenverlauf allerdings der Realität entsprach, darf bezweifelt werden, denn bei dem Radstand des Waggons dürften die engen Kurven kaum befahrbar gewesen sein. Wir nehmen Platz an einem der Tische beim Kiosk, um unseren Durst zu stillen. Wir freuen uns, dass es hier die von uns favorisierte Citruslimo gibt und ein paar Schokoriegel können zum Auffüllen unserer Naschvorräte auch nicht schaden. Die Verkäuferin legt Maren einen kleinen Riegel hin. Nein, bitte die große Packung. Sie legt einen größeren Riegel hin. Maren zeigt auf das Paket mit den 12 Riegeln, die Verkäuferin legt es auf den Tresen und weist Maren vorsorglich darauf hin, dass dieses aber ziemlich teuer sei – umgerechnet 25,- €! Maren schluckt, ist überzeugt, beschränkt sich auf 4 große Riegel und spendet 2000 $ Trinkgeld, was nun die Verkäuferin wiederum sehr freut :-). Arg mitgenommen  Ich kann es natürlich nicht lassen und bin selbst beim Keksessen unablässig auf Motivsuche. Ha! Da sitzt einer aus der Familie der Hesperiidae. Zwar schon sehr zerzaust und nicht mehr so schön wie der "Pik Bube, der die Dame sticht" aus dem Costa Rica Album 2013 – aber immerhin!  Brown Longtail  (Spicauda procne, old: Urbanus procne) Gehandicapte Nymphe  Viele Schmetterlinge haben wir auf unserer Reise leider nicht zu sehen bekommen. Ein bißchen entschädigt dafür diese rote Schönheit, an die ich mich ebenfalls vom Kiosktisch aus anpirsche. Dieser im tropischen Amerika heimische Edelfalter sollte wohl urspünglich mal nach der griechischen Nymphe "Amalthea" heißen. Leider verschrieb sich Carl von Linné bei der Benennung und obwohl spätere Publikationen versuchten, den 'Schreibfehler' zu korrigieren, beharrte die ICZN, die "International Commission on Zoological Nomenclature" darauf, dass der falsch geschriebene Name der korrekte sei. Kann man nix machen...  Red Peacock or Scarlet Peacock  (Anartia amathea)  Rote Anartia
Umbenannt  Manchmal kann man gar nicht so schnell gucken, wie die Taxonomen Artaufsplittungen mit entsprechenden Umbenennungen vornehmen. Gestern noch gehörte dieses Vögelchen zu den Rubintyrannen, heute sind die Rubintyrannen zu einer monotypischen Art geschwunden, die ausschließlich den Osten Boliviens, Paraguay, den Südosten Brasiliens, Argentinien und Uruguay bewohnt. Fast alle anderen Rubine wurden zu einer neuen Art  Pyrocephalus obscurus , den Karmintyrannen. Der Unterartname blieb aber erhalten. Ich möchte betonen, dass Bernis Bilderwelt an dieser Stelle die Spitze der Aktualität darstellt, denn bis jetzt scheint sich die neue Nomenklatur zumindest im Internet noch nicht überall herumgesprochen zu haben...:-).  Vermilion Flycatcher  (Pyrocephalus obscurus piurae, old: Pyrocephalus rubinus piurae) , female Rubintyrann, Karmintyrann Sieht aus wie zuvor,...  ...nämlich genauso, wie sein enger Verwandter aus der gleichen Unterart, den wir 2018 an der Pazifikküste Ecuadors fotografiert hatten. Wir gehen auch davon aus, dass sich die Umbenennung nicht negativ auf das Eheleben der Beiden ausgewirkt hat.  Vermilion Flycatcher  (Pyrocephalus obscurus piurae, old: Pyrocephalus rubinus piurae) , male Rubintyrann, Karmintyrann Birder unter sich  Waren wir vorhin über die Wiese zum Kiosk gekommen, beschließen wir jetzt, entlang des Weges noch einmal zum See zurückzukehren. Dies lohnt sich allein schon wegen der vielen dort angepflanzten Exoten, die den Reichtum der heimischen Flora abbilden und die alle mit kleinen Namensschildchen ausgestattet sind. Es gibt, gerade in den mit einem enormen Vogelreichtum gesegneten, tropischen Ländern Amerikas, die gewissen Orte, die für einen Vogelfreund das absolute Muß sind. Dazu gehören intime Flecken, an denen man meist Eintritt bezahlen muß, um DEN Vogel zu sehen und an denen man meist von mindestens zwanzig Teleobjektiven umringt ist (unser nächster Zielort bietet sowas). Aber auch Parks wie dieser werden meist in Reiseführern als attraktiv für Birder dargestellt, so dass ich mich wundere, heute anscheinend der einzige Teleträger zu sein. Bis mich – zurück am See – ein junges Paar anspricht, ob ich den Kormoran schon gesehen hätte, auf den er mit seinem Tele weist :-). Wiedergutmachung  Auf einer Bank sitzt ein alter Mann, der uns aufgeregt auf die Baumwipfel des gegenüberliegenden Ufers aufmerksam macht. Wow! Hatte uns der große Cocoi 2017 in der Morgendämmerung des peruanischen Regenwaldes am Río Tambopata nur ein einziges unterbelichtetes Foto gegönnt, bietet er jetzt  alles!  Cocoi Heron  (Ardea cocoi)  Cocoireiher
Nix Mariposas  Trotz der Größe des Botanischen Gartens haben wir irgendwann jede Ecke erkundet und wir beginnen, uns Richtung Ausgang zu bewegen. Inzwischen ist der Park auch gut besucht, die Wege und das Restaurant, welches wir passieren, sind voller Menschen. Auf der linken Wegseite nähern wir uns "La casa de las Mariposas", welches unbedingt einen Besuch wert sein soll. 50 Arten sollen hier umherfliegen und auch, wenn es etwas anderes ist, als wenn man sie selber in freier Natur entdeckt, rütteln wir erwartungsvoll an der Eingangstür. Ergebnislos! Es ist geschlossen! Da kommt man einmal im Leben..., ach, genug der Heulerei. Gegenüber am Weg ist eine kleine Nische in der Umzäunung, in der einige Leute stehen. Auch wir schauen mal, ob es dort etwas zu sehen gibt und werden von einer durch das Unterholz kriechenden Landschildkröte für die Schmetterlinge entschädigt. Keine Ahnung, ob diese Schildkröte hier selbst hingewandert ist, oder ausgesetzt wurde; sie ist jedenfalls ein heimischer Ureinwohner des tropischen Südamerikas, kann bis zu 50 cm groß und 20 kg schwer werden – woran diese noch ein wenig arbeiten muß – und wird von der IUCN als gefährdete Art geführt, weil es immer noch Menschen gibt, die sich wegen ihres Fleisches an ihr vergreifen.  Red-footed Tortoise  (Chelonoidis carbonarius)  Köhlerschildkröte Dschungel, gefegt!  Wir verlassen den Botanischen Garten und halten Ausschau nach einem Taxi. Vor dem Ausgang kreuzen sich zwei Hauptstraßen, es ist starker Verkehr und auch ein paar Taxen fahren geschäftig vorbei. Maren fragt noch mal am Schalter nach und erfährt, dass es einen Taxenstand etwa 500 m weiter die Straße hinauf gäbe. Die paar Meter machen es nun auch nicht mehr und bald sitzen wir in einem der kleinen Yellow Cabs, der Fahrer scheint sogar unser Hotel zu kennen und schon fahren wir los. Zumindest ein winziges Stück, dann stehen wir gnadenlos im Stau. Ambulanzen und Polizeifahrzeuge nähern sich von hinten mit lauten Signalhörnern und kommen sogar dank hastig improvisierter Rettungsgassen langsam voran. Schließlich sehen wir, dass ein Teil der Schnellstraße aufgrund eines schweren Motorradunfalls gesperrt ist – daher der Stau. Ein Toter liegt noch abgedeckt auf der Straße, das schreckt aber offensichtlich keinen der (noch) lebenden Motorradfahrer davon ab, weiter vollkommen blind an LKW, PKW oder anderen Motorrädern vorbei, herum oder sonstwie zu kurven. Maren rechnet schon mit einer ziemlich hohen Rechnung für das Taxi, immerhin dauert die Fahrt fast eine Stunde – aber wir sind, wie auf der Hinfahrt, mit knappen 40.000 $ dabei. 'Behütet' zum Ziel  Wir relaxen uns durch den Rest des Nachmittags auf unserer kleinen Veranda, machen ein wenig Artbestimmung und planen die morgige Strecke nach Jardín, einem kleinen Bilderbuchstädtchen, 130 km südlich von Medellín. Am nächsten Morgen lassen wir uns nach dem Frühstück vom Rezeptionisten die verschiedenen Türen des verschlungenen Weges zu unserem Autoparkplatz öffnen und sind nach dem Beladen schnell auf dem Weg. Erstaunlicherweise stehen wir nur zweimal kurz im Stau, bis wir auf der sehr gut ausgebauten Straße 60 zügig vorankommen. Die Strecke ist schön, sehr grün und führt auf modernen Brücken über tiefe Schluchten – bis an eine weitere Polizeikontrolle. Wir werden tatsächlich rausgewunken, Maren gräbt gleich nach den Papieren, aber der Polizist fragt erst mal wie's geht, woher wir kämen, wohin wir wollen, sprudelt dann sämtliche relevanten Daten über Jardín heraus – Bezirk, Einwohnerzahl, Departamente – und als er sicher ist, dass wir vom gleichen Zielort sprechen, fragt er, aus welchem Land wir denn kämen. Alemania stellt ihn offensichtlich zufrieden, und als Maren auf seine Frage, wie uns denn Kolumbien gefiele, antwortet, sehr gut, vor allem die Menschen wären so nett, freut er sich und wünscht uns gute Weiterreise :-). Kunterbunt  Wir sind tatsächlich nach den prognostizierten drei Fahrstunden am Ziel, der Ort liegt eingebettet in einem Talkessel und fällt auf Anhieb durch seine farbenfroh bemalten Hausfassaden auf. Auch hier gibt es selbstverständlich die allgegenwärtigen Graffiti auf nackten Mauerflächen, aber nirgendwo sonst sind uns bisher so liebevoll bemalte Fensterläden, Balkons und Haustüren aufgefallen wie in Jardín. Man hat fast den Eindruck, es fände ein Wettbewerb um die schönste Behausung zwischen den Bewohnern statt.
Symbolbild*  Nun, zumindest ist das freundliche Erscheinungsbild des Ortes dem Tourismus nicht abträglich. So gibt es eine Menge an Hotels, von denen wir allerdings nicht wissen, ob sie ebenso nachhaltig wirtschaften, wie das, vor dem wir jetzt unser Auto parken. Unser Zimmer ist nicht riesig, aber nett eingerichtet. Auf dem Balkon hängt eine Hängematte und ein Wandanschlag informiert uns darüber, wie die zahlreichen Papierkörbe wohlbedacht befüllt werden sollen (organisch, recycelbar, Müll), wie das kalte Duschwasser, bevor es warm wird, mit einem Eimer aufgefangen und zur kleinen Toilettenspülung benutzt werden soll und dass es ausschließlich vegetarische Mahlzeiten gebe. Okay, wahrscheinlich war das die Voraussetzung, um einen der klimatisch einwandfreien deutschen Kühlschränke zu bekommen ;-). Wir erkundigen uns sofort nach dem Weg zum Andenfelsenhahnreservat – zu Fuß ca. 10 min. – Reservierung nicht erforderlich, beste Zeit wäre ab 16:30 Uhr. Die Googlerecherche ergibt, dass das Privatreservat bereits um 15:00 Uhr öffnet, und da es auch noch andere Vögel zu sehen geben soll, machen wir uns um 14:30 Uhr auf den Weg.  *nein, dies ist nicht unser Hotel ;-) Extrabonus  Wir laufen zwar richtig die Calle 9 hinunter, übersehen aber den kleinen Abzweig vor der Brücke über die Schlucht des Río Volcanes, merken dies dann auf der anderen Seite der Brücke, und werden sogar auf dem Rückweg mit diesem kleinen Falken belohnt, der auf einem Ansitz über dem Fluß hockt.  Laughing Falcon  (Herpetotheres cachinnans)  Lachfalke Gallito de la Roca  Es gibt wohl nur relativ wenige Orte, an denen die bemerkenswerten Andenfelsenhähne zuverlässig beobachtet werden können. Der Vogel lebt in feuchten, subtropischen Höhenlagen der Anden von Venezuela bis hinunter nach Bolivien. Er liebt dichte Wälder, bevorzugt an Flussläufen und scheint die Angewohnheit zu haben, zu bestimmten Tageszeiten in Rudeln an immer die gleichen Orte zurückzukehren. Einer dieser Orte ist das private Reservat, vor dessen Tor wir jetzt zusammen mit einem französischen Ehepaar eintreffen und das wir nun nach Entrichtung eines Eintrittsgeldes in Höhe von 50.000 $ betreten dürfen. Um eine Schutzhütte herum sind kleine Wege angelegt und auf diversen Lichtungen und der Hüttenveranda warten bereits eine Menge Fotografen, Stative sind mit langbrennweitigen Kameras bestückt und aus den Bäumen tönen die schrillen Rufe der rotleuchtenden Felsenhähne. Es muß dies ein besonders ergiebiges Revier für die Fruchtfresser sein, denn an die kleine Futterstelle kommen sie nicht.  Andean Cock-of-the-Rock  (Rupicola peruvianus sanguinolentus) , male Andenfelsenhahn od. Roter Felsenhahn Kurzbesuch  Es ist trotz schönsten Wetters relativ dunkel zwischen den dichten Bäumen, auf deren Ästen eine große Zahl der leuchtendroten Vögel unablässig hin- und herfliegt. Und obwohl ich kein Stativ dabei habe und somit sehr beweglich mit der Kamera bin, gelingen mir nur wenige wirklich gute Aufnahmen der Vögel. Ständig sind irgendwelche Äste im Weg und die verschiedenen Merkmale ihres Federkleides, wie das rote Brustgefieder, die schwarzen Flügel- und Rückenfedern, sowie die hellgrauen Flügeldecken sind kaum jemals auf einem Bild zu vereinigen. Wenn man dann noch eine Ahnung von dem kleinen, hellen Schnabel bekommen will, der meist vollständig von dem bogenförmigen, roten Federkamm verdeckt ist, wird es ganz eng. Immerhin zeigt sich für eine sehr kurze Stippvisite eines der sehr scheuen, kastanienbraunen Weibchen und ich gehöre zu den paar Glücklichen, die sie für zwei Aufnahmen zu fassen kriegen.  Andean Cock-of-the-Rock  (Rupicola peruvianus sanguinolentus) , female Andenfelsenhahn od. Roter Felsenhahn
Hühnervogel  Obwohl die Sichtungsgarantie der "Gallito de Roca Preserve" ausdrücklich auf die Felsenhähne beschränkt ist, läßt es sich diese Chachalaca nicht nehmen, mal kurz nach dem Rechten zu schauen. Immerhin ist sie im Gegensatz zu den Felsenhähnen in Kolumbien endemisch!  Colombian Chachalaca  (Ortalis columbiana)  Kolumbienguan Gastfreundlich  So ein Vogelshooting-Nachmittag kann ganz schön anstrengend werden und deshalb geht's jetzt schnurstracks erst mal wieder zurück ins Hotel. Nachdem wir uns frisch gemacht haben, ist es auch schon 18:00 Uhr und allmählich meldet sich der Hunger. Etwas mißtrauisch bestellt Maren einen veganen Burger und ich ein Käsesandwich sowie eine Tomatensuppe. Okay, auch wenn man meckern wollte, beides ist reichlich und richtig lecker. Lediglich später am Abend vermissen wir ein paar zünftige Würste, die wir, mit Schlaftabletten versetzt, am liebsten den unablässig heulenden und kläffenden Straßenhunden auf der Straße vorm Hotel verabreichen würden. Glücklicherweise haben wir Ohrenstöpsel dabei. Pünktlich um 6:30 Uhr geht das Gekläffe wieder los, aber wir wollen ja sowieso aufstehen. Nach dem Frühstück ist es noch recht frisch, so dass wir uns ein wenig Zeit lassen, bevor wir uns aufmachen, um das Örtchen ein bißchen näher in Augenschein zu nehmen. Wieder staunen wir über die fantasievoll gestalteten Fassaden der Häuser in den engen Gassen und je näher wir dem zentralen Parque Principal El Libertador de Jardín kommen, desto größer wird die Zahl der touristisch orientierten Etablissements. Ein Garten zwischen Hügeln  Der Parque Principal El Libertador de Jardín wird dominiert von der prachtvollen "Basilika der Unbefleckten Empfängnis", überall stehen bunte Tische, an denen lebhafter Betrieb herrscht und in den umliegenden Straßen warten Reisebusse und Tuk-Tuks auf Gäste der dicht aneinander gereihten Restaurants, Cafés und Hotels. Wir lassen uns Zeit, schlendern über den Platz, nehmen eine Zeitlang Platz auf einer Bank nahe des sprudelnden Brunnens, bevor wir uns die bemerkenswerte Kirche näher ansehen.  360°   Pano Basilica minor  Die Verleihung des Titels einer "kleineren Basilika" durch Papst Johannes Paul II. im Jahre 2003 läßt sich angesichts des durchaus beeindruckenden, dreiteiligen Kirchenschiffes nur dann richtig interpretieren, wenn man weiß, dass die Bezeichnung "Basilicae maiores" einzig den vier in Rom befindlichen Hauptkirchen zusteht. Der Bau der im neugotischen Stil errichteten Kirche begann erst im Jahre 1918 auf Initiative eines örtlichen Pfarrers, der einige Steinbrüche in der Umgebung erwarb, aus denen die gläubigen Gemeindemitglieder die Steine auf Ochsenkarren nach Jardín transportierten und diese dort mit ihren eigenen Händen zur Sühne ihrer Sünden bearbeiteten. Die Kirche wurde bereits 1932 geweiht, obwohl der Bau des Hauptkörpers erst 1940 abgeschlossen wurde. Die Fertigstellung von Teilen der Fassade und der Türme erfolgte sogar erst zwischen 1942 und 1949. Ein heftiges Erdbeben im Jahre 1979 richtete so große Schäden im Parque Principal und den umliegenden Gebäuden an, dass der Park völlig neu gestaltet werden mußte. Die Schäden an der Kirche waren wohl relativ überschaubar und beschränkten sich auf Reparaturen an den Türen und dem Einbau von Notausgängen.
Im Seitenschiff  Ebenso wie die Wallfahrtskirche von Guadalupe ist auch die "Basílica de la Inmaculada Concepción" für eine katholische Kirche bis auf ein paar unvermeidliche Auswüchse weitgehend schlicht gehalten, wie sie allerdings an ihre zwei Glocken aus dem kühl protestantischen Hamburg gekommen ist, ließ sich leider nicht recherchieren. Im Quadrat  Leider haben wir erst zu Hause erfahren, dass es wohl die Möglichkeit einer Ersteigung der Glockentürme gibt, was nicht unbedingt wegen der Glocken interessant gewesen wäre, sondern wegen eines besonders schönen Ausblicks auf das Städtchen. Immerhin habe ich eine Luftaufnahme angefertigt, so dass wir uns damit zumindest zu Hause über den nicht getätigten Aufstieg hinwegtrösten können. Auch so hat sich der Ausflug gelohnt und wir machen uns wieder auf den nächsten Umweg zurück zu unserem Hotel. Wie überall in diesen Landstrichen sind die Straßen streng quadratisch angelegt – aufsteigend nummeriert in der einen Himmelsrichtung als "Carreras", in der anderen als "Calles". Man kann sich also nicht verlaufen, wenn man sich die Nummer der Straße eingeprägt hat, aus der man aufgebrochen ist. Fotogen  Wir wollen allerdings nicht nur Steinpflaster oder Asphalt treten und wenden uns bewußt Richtung Ortsrand, wo ein kleiner Wanderweg über Grünland führt, um später nahe unseres Zieles wieder auf eine Straße zu münden. Der "Camino de la Herrera" entpuppt sich leider schnell als ein von Bäumen eingerahmter, nur 200 m langer Trampelpfad über ein schlichtes Feld und die einzigen Attraktionen stellen ein paar Kibitze und ein glücklicherweise wenig scheuer Gelbbauchspelzer dar, der sich sogar mit der einzig mitgeführten kurzbrennweitigen Nikon einfangen läßt.  Yellow-bellied Seedeater  (Sporophila nigricollis)  Gelbbauchspelzer Museo de la Chatarra  Wir biegen von dem Feldweg in die Carrera 8 ein und sehen uns unversehens einer skurrilen Kulisse gegenüber. Entlang eines ausgedehnten Grundstücks zieht sich ein mit allerlei Schrottgegenständen dekorierter Zaun, unterbrochen von naiven farbigen Naturbildern mit Vogelmotiven. In der oberen Reihe des Zaunes sind alle möglichen Bauteile befestigt, von Autos, von Fahrrädern bis hin zu Zahnarztpraxiszubehör und gleich daneben reihen sich die Werkzeuge, mit denen diese Bauteile bearbeitet werden. Staunend gehen wir bis zum Eingangstor, über dem in Großbuchstaben "Schrottmuseum von El Chata" zu lesen ist. El Chata ist ein ehemaliger Autohaus- und Schrottplatzbetreiber aus Medellín, der im Ruhestand seine Liebe zu Schrott und Ramsch hier in Jardín zu einer einzigartigen Attraktion ausgebaut hat. Seit 10 Jahren stellt er auf diesem Areal die seltsamsten Schrottgegenstände aus und verwandelt sie mit viel Fantasie in Kunstwerke. Gerne würden wir uns etwas näher in seinem Museum umsehen – für das er keinen Eintritt verlangt, sich aber über jede freiwillige Zuwendung freut – leider ist er wohl aber gerade jetzt mit seinem Motorrad unterwegs, so dass wir uns mit diesem Panorama begnügen müssen. Schade!
Den ersten verpasst  Eine Seitenstraße weiter liegt bereits unser Hotel, aber an der Kreuzung, an der wir abbiegen müssen, hat ein freundlicher Mitmensch eine Vogelfutterstation zwischen Bananen- und Kaffeepflanzen auf seinem Grundstück aufgebaut. Gerade ist ein Rotkappenspecht intensiv dabei, Bananenblüten auszulutschen und ich stehe nur mit der kurzen Brennweite da! Da hilft alles nichts, Maren muß schnell den Zimmerschlüssel rausrücken und ich eile hinüber ins Hotel, um das große Kaliber zu holen. Alles klappt prima, ich bin schnell zurück – und sehe gerade noch, wie sich der Specht, hämisch mit den Flügeln winkend, verabschiedet. Immerhin wird die Futterstelle auch noch von anderen Gästen besucht, von denen ich die meisten zwar schon kenne, ein paar wenige aber auch neu sind, so wie die Rotscheiteltangare, die sich zwar hauptsächlich von Gliederfüßlern ernährt, aber auch Früchte nicht verschmäht, wenn sie so freigiebig angeboten werden.  Scrub Tanager  (Stilpnia vitriolina)  Rotscheiteltangare Premiere  Erfreulicherweise hat auch der insektenfressende Schwarzflügeltrupial eine Schwäche für Bananen, so dass er mir hiermit Gelegenheit gibt, ihn erstmals zu fotografieren. Von den drei Unterarten leben zwei im nördlichen Mittelamerika und Mexiko,  I. c. giraudii  aber in Kolumbien.  Yellow-backed Oriole  (Icterus chrysater giraudii)  Schwarzflügeltrupial Alles easy!  Wir wandern ein Stückchen weiter zur nächsten Querstraße, an der ein riesiges, mit Bäumen zur Straße abgegrenztes Grundstück liegt. Wir haben einige große Vögel hier hin- und herfliegen sehen, leider kriege ich keine verwertbare Aufnahme hin. Nur zur Idenfikation als "Grünhäher" reicht es und ich kann mich lange nicht beruhigen, dass ich sie nicht erwischt habe. Immerhin tröstet mich ein winzig kleiner Zaunkönig, der vorwitzig am Straßenrand entlang hüpft. Während wir noch nach weiteren Vögeln spähen, biegen weiter unten zahlreiche Polizeimotorräder in die Straße ein. Hundert Meter entfernt hält die Gruppe, die Polizisten steigen ab und bleiben neben ihren Maschinen stehen. Während wir uns noch wundern, kommen zwei junge Polizisten mit umgehängten Maschinenpistolen auf uns zu, wir gucken uns noch beklommen an, aber sie grüßen uns höflich, geben uns sogar die Hand und fragen, wie es uns so geht. Maren kommt mit ihnen ins Gespräch, während ich mit offenem Mund daneben stehe und die flüssige Kommunikation bewundere. Sie erzählen, dass sie auch gerne mal nach Deutschland kommen würden, Maren erläutert die Vor- und Nachteile, vergleicht die Lebenshaltungskosten und nach einer ganzen Zeit verabschieden sie sich schließlich freundlich mit der Bemerkung, wir sollten uns keine Sorgen machen, es wären nur so viele Polizisten da, weil sie sich dort zu ihrer Pause träfen :-).  Buff-breasted Wren  (Cantorchilus leucotis)  Weißohr-Zaunkönig La Garrucha  Die Polizisten haben ihre Pause beendet, die Straße runter und ein Stück nach links liegt die Talstation von "La Garrucha", einer handgezimmerten Seilbahn über die Flussschlucht La Volcana. Es ist erst 16:00 Uhr, und die Bahn soll im Pendelverkehr bis 18:00 Uhr gegen eine Gebühr von 12.000 $ Fahrgäste zur Aussicht auf den gegenüberliegenden Hang befördern. "Soll"!, heute ist aber unerklärlicherweise mit dieser letzten Auffahrt Schluß und wir machen eine lange Nase...
Stimmungsvoll  Wir schlendern also wieder zurück ins Hotel, steigen stattdessen ins Auto und steuern einen der Supermärkte des Ortes an, um unsere Getränke- und Naschvorräte wieder aufzufüllen. Anschließend sitzen wir auf dem Balkon, ich lese, Maren schreibt im Tagebuch und nach dem Abendessen ist es auch schon wieder dunkel. Nachhaltig angetan von der Attraktivität des Ortes, haben wir uns schon am Nachmittag vorgenommen, nochmals bei Beleuchtung aufzubrechen, um das 'Nachtleben' auf uns wirken zu lassen. Dies hat in der Tat seinen ganz besonderen Charme und als wir am beleuchteten Brunnen des Parque Principal sitzen, läßt der Gesang eines Abendgottesdienstes und das Glockengeläut der Kirche sogar festliche Stimmung aufkommen.  360°   Pano Auf dem nächsten Umweg  Heute morgen sind es wieder die Hunde, die uns um 6:30 Uhr aus den Federn holen – allerdings nur unwesentlich vor dem Weckerklingeln, denn die Weiterfahrt steht an. Zum Frühstück gibt es 'kreolische Spiegeleier' (also mit Joghurtdip und einem Klecks Zwiebelsauce) mit knusprigem Brot, Maren erwirbt noch zwei Pakete kolumbianischen Kaffee als heimisches Mitbringsel und dann wird gepackt. Eigentlich müssen wir weiter nach Süden, aber wie Google uns mitteilt, ist die direkte Strecke gesperrt, Also 65 km wieder zurück Richtung Medellín, bis wir erst auf die 258 und dann auf die 25 nach Süden abbiegen können. Die Straße ist zweispurig ausgebaut und wir kommen bis Manizales sehr zügig voran.  Crimson-backed Tanager  (Ramphocelus dimidiatus) , male Scharlachbauchtangare Entweder/oder  Schon vor Manizales hatte die Straßenbezeichnung wieder gewechselt, so dass wir jetzt auf der 50 (einem Teilstück der Panamericana!) in die Stadt einfahren. Unser Ziel liegt aber noch ca. 30 km weiter Richtung Südosten in einer wilden Gebirgsregion mit heißen Quellen. Alternativ führen zwei Wege dorthin. Entweder per Weiterfahrt auf der 50 mit einem späteren Abzweig Richtung Süden, oder auf einer Regionalstraße, die direkter zum Ziel führt. Alternative eins ist 20 km länger, Alternative zwei ist kürzer, soll aber genauso lange dauern. Hmmm? Weder Google noch Organic Maps geben der einen oder anderen Strecke den Vorzug. Eigentlich haben wir ja Zeit, uns treibt niemand und was die Attraktivität angeht, ist es auf der Regionalstraße landschaftlich sicherlich schöner als auf der Schnellstraße. Okay, nehmen wir also die Südstrecke!  Crimson-backed Tanager  (Ramphocelus dimidiatus) , female Scharlachbauchtangare Das geht ja gut los...  Dazu müssen wir in Manizales bereits die Schnellstraße verlassen und finden uns bei der Ausfahrt aus dem Städtchen in einem dicken Stau am Ende einer endlosen LKW-Schlange wieder. Meter für Meter schleichen wir uns vorwärts und nun fängt es auch noch an zu regnen.  Shining Sunbeam  (Aglaeactis cupripennis)  Rostroter Andenkolibri
Zu früh gefreut  Irgendwann schwenkt unsere Straße leicht nach links, während es geradeaus in ein auf der Karte nicht verzeichnetes Industriegebiet geht, welches aber das Ziel aller Lastwagen ist. Plötzlich und unerwartet von den dicken Brummern befreit atmen wir auf, denn nun steht unserem Vorankommen nichts mehr im Weg. Tut es auch nicht – für ungefähr 5 Kilometer! Das, was eben noch asphaltiert war, geht in eine matschige Lehmstrecke über, lediglich bruchstückhaft mit den Überbleibseln einer ehemaligen Betondecke versehen. Erst mal runter mit dem Gas, so kann es ja schließlich nicht auf der ganzen Strecke bleiben. Und siehe da, hinter der nächsten Kurve ist es wieder eine leidlich intakte Betondecke und rechts der Spur liegt ein Bauernhof – also befinden wir uns noch in der Zivilisation!  Scarlet-bellied Mountain Tanager  (Anisognathus igniventris)  Mennigohr-Bergtangare Am Berg der Tränen  Und jetzt kommt uns sogar noch ein Fahrzeug entgegen! Kann also nicht so schlimm sein. Wir haben noch 15 km vor uns, die Straße wird immer enger, rechts und links sind tiefe, ausgewaschene Spuren im Lehm und in dem dichten Dschungelbewuchs kommt die erwartete landschaftliche Schönheit auch nicht so richtig zur Entfaltung, weil sich der nieselige Dunst allmählich zu Nebel verdichtet. Wir sehen uns an, was sollen wir tun? Umdrehen? Aber wo? Der Weg ist kaum noch breit genug zum einspurigen Fahren. Lieber erst mal weiter. So kann es ja nicht bis zum Ziel weitergehen. Schließlich war dies als ordnungsgemäße Straße ohne Warnhinweise bei Google durchgegangen.  Selten war ein deutscher Artname passender als hier :-\ Lacrimose Mountain Tanager  (Anisognathus lacrymosus)  Tränenbergtangare Dreizack  Man lasse sich von dieser eingeschobenen Orchidee nicht täuschen. Wir hatten weder die Zeit, noch stand uns der Sinn danach, auf dieser Horrortour hübsche Blümchen auf den Sensor zu bannen. Aber immerhin warten am Ziel endemische Raritäten auf uns!   Masdevallia ignea Stoßgebete  Neben der erhöhten Aufmerksamkeit, die man dem Zustand der Straße widmen muß, gehen einem zusätzlich drängende Gedanken der Verantwortung für das gemietete Fahrzeug durch den Kopf. Was ist, wenn man hier liegen bleibt? Ab und an gibt es etwas glattere Strecken und man schöpft etwas Hoffnung, es möge bitte so bleiben, nur um wieder in eine schlaglochübersäte Bröckelpiste zu münden, auf der wir Stoßgebete an alle diensthabenden Schutzengel senden. Vielleicht hat uns dies ja tatsächlich aus den zwei wirklich heiklen Situationen geholfen, in denen der Wagen jeweils mit einem Vorderrad so tief in ein Matschloch rutschte, dass es nur dem beherzten Gasgeben und dem saustarken Durchzug des E-Motors zu verdanken war, dort wieder herauszukommen.  Masked Flowerpiercer  (Diglossa cyanea)  Maskenhakenschnabel
Überlebt  Wir sind fertig mit den Nerven, als ein schneller Blick auf das Navi endlich hoffen läßt, bald am Ziel zu sein, denn es liegen nur noch zwei Serpentinenkurven vor uns. Und als hätte man unser Flehen endlich vernommen, erweist sich der Rest des Weges als schöner, glattgezogener Kies. Das große elektrische Schiebetor des Hotels steht offen und endlich können wir unser Auto auf dem großen Parkplatz abstellen. Ich wage dem Frieden immer noch nicht richtig zu trauen und hocke mich erst einmal auf beiden Seiten neben dem Wagen auf die Knie und versuche, den Unterboden in Augenschein zu nehmen. So ist nichts Verdächtiges zu sehen und auch die diversen Steinschläge von unten scheinen keine Leitung getroffen zu haben, denn es tropft auch nichts! Mir fällt ein kiloschwerer Stein vom Herzen und uns beiden ist es völlig unverständlich, dass weder auf der Manizales-Seite, noch hotelseitig irgendein Warnschild bezüglich einer nahezu unbefahrbaren Wegstrecke angebracht ist! Man verzeihe mir meine ausufernde Schilderung, aber auf bisher noch keiner unserer Mietwagenreisen sind wir in eine so beklemmende Situation gekommen. Vielleicht kann dies eine Warnung sein für spätere Reisende, zumal die gleiche Straße, von der anderen Seite der Straße 50 her befahren, absolut einwandfrei ist.  Pale-naped Brushfinch  (Atlapetes pallidinucha)  Zimtstirn-Buschammer Auf Wolkenhöhe  Bei all dem Stress ist uns völlig entgangen, dass wir uns nicht nur angestrengt vorwärts, sondern auch aufwärts bewegt haben – nämlich um ca. 1500 Meter. Der Regen hat aufgehört und wir erkennen, dass unser Hotel fast rundherum von steilen, bewaldeten Hängen umgeben ist. Wir befinden uns jetzt auf 3500 m Höhe und nach Nordwesten fällt der Blick hinunter in einen gewaltigen Taleinschnitt, in dem man von oben auf eine heranziehende Wolkenbank schaut und an dessen fernem Ende einige Sonnenstrahlen den Ort Manizales beleuchten. Inzwischen hat man uns beim Entladen unseres Gepäcks bemerkt, ein Mitarbeiter des Hotels eilt herbei und geleitet uns zur Anmeldung, wo es einen Begrüßungskaffee gibt und Maren mit immer noch zittriger Hand diesmal nur Adresse, Telefonnummer und Unterschrift hinkritzeln muß.  Great Thrush  (Turdus fuscater) , male Riesendrossel Mit Extras  Unser Hotel heißt Termales del Ruiz und gewinnt einen großen Teil seiner Attraktivität durch die natürlich beheizten Bäder. Deswegen hat unser Zimmer nicht nur einen tollen Blick auf die Berge, zum ersten Mal verfügt es auch über eine Heizung, extra Bettdecken und Bademäntel!  Great Thrush  (Turdus fuscater) , female Riesendrossel Auch für kleine Gäste  Nicht nur auf das menschliche Wohlbefinden ist das Hotel bedacht – wir zählen außerhalb der Dusche eh nicht so zur freibadefreudigen Fraktion – man hat auch dem selbst in dieser Höhe noch erstaunlichen Vogelreichtum Rechnung getragen. Und natürlich den seltsamen Mitmenschen, die sich speziell für diese Tierart begeistern können :-). Nachdem wir eingezogen sind und ausgepackt haben, geht's wieder hinunter zur Rezeption, wo wir die Angestellte nach den Alternativen zum Poolerlebnis ausfragen und dabei von einigen kleinen Wegen ins umliegende Grün, sowie zum Kolibrigarten erfahren. Minuten später sind die Kameras geholt und nach einem kurzen Weg mit zwei, drei Treppchen sind wir allein auf einem kleinen Plateau, umgeben von wildem Bewuchs, einem mit Trauben und Bananen behängten Ast über einem kleinen Wasserfall und in den Pflanzenstauden verteilten Futterspendern für die Kolibris.  Hooded Mountain Tanager  (Buthraupis montana)  Blaurücken-Bergtangare
Gleich zugedeckt  Wir sind begeistert, es gibt einen überdachten Unterstand, locker verteilt Holzstühle und Ausgucke in verschiedenen Ebenen. Der Unterstand verfügt zusätzlich noch über ein bepflanztes Dach, welches man über ein Treppchen erreicht. Von hier oben überblickt man fast das ganze Areal und fasziniert schauen wir zu, wie sich eine dicke Wolkenbank unaufhaltsam durch den Taleinschnitt nach oben schiebt. Es dauert kaum 10 min. und wir befinden uns mitten drin in dem feuchten Weiß, welches zwar die Bergflanken verhüllt, die Vogelgäste aber nicht vom Anflug und dem Schmausen abhält.  360°   Pano Hitzescheu  Es ist kaum vorstellbar, dass es Alexander von Humboldt im Jahre 1801 genau hierhin verschlagen hat, um diese Fuchsie erstmals zu beschreiben, denn man findet sie verbreitet zwischen 2900 und 3900 Höhenmetern in schattigen, feuchten Waldlagen Kolumbiens und Venezuelas, wo sie von Kolibris bestäubt wird.   Fuchsia petiolaris Ein Wollhöschen  Um uns herum schwirrt es unablässig. Auf Anhieb können wir vier verschiedene Kolibriarten unterscheiden, ergänzt durch noch nie zuvor von uns gesehene Tangarenarten, Drosseln und Hakenschnäbel. Jetzt kommt jemand den Zuweg hinauf und schon an der Rangerbekleidung erkennen wir einen Hotelangestellten, der freundlich grüßt und beginnt, die Zuckerwasserzylinder für die Kolibris nachzufüllen. Nicht lange und wir – besser Maren, – befindet sich in einem wortreichen Gespräch, in dem wir mit Infos zu den verschiedenen Arten versorgt werden, welche Maren mir gleich simultan übersetzt. Dieser schimmernde Kolibri bevorzugt Höhen bis zu 3600 m und ist in diesem Krummholz- und Gebüschgebiet nahe der Baumgrenze am nördlichen Rand seines Verbreitungraums, welcher entlang des Höhenzuges der Anden bis in den Süden Ecuadors reicht.  Golden-breasted Puffleg  (Eriocnemis mosquera)  Goldbrust-Höschenkolibri Gut getarnt  Arttypisch hält sich dieser Schwarzhakenschnabel in relativ dichtem, dunklen Buschwerk auf, wo er als Nektarfresser sein spezifisches Revier mit Blüten meist für sich hat, denn die Kolibris delektieren sich in der Regel ja an frei zugänglichen, anfliegbaren Blüten. Die Entdeckung des Hakenschnabels war pures Glück, denn auch, wenn es hier nicht danach aussieht, verschmilzt das pechschwarze Vögelchen im Wolkenschatten so gut mit dem dunklen Geäst des Busches, dass eine enorme Aufhellung des Vordergrundes notwendig war, um ihn und seine Feinheiten überhaupt sichtbar zu machen. Er vertraut offensichtlich auch auf seine Tarnung, denn selbst bei meiner Annäherung scheint er es nicht für nötig zu erachten, sich zu bewegen, oder auch nur sein zweites Bein auszufahren. Neben Insekten, die der Vogel von Blüten sammelt, aber auch während kurzer Ausflüge fängt, ernährt sich die zu den Tangaren zählende Art hauptsächlich von Nektar, der meist durch Anbohren der Blütenbasis mittels des spitzen Schnabels zugänglich gemacht wird.  Black Flowerpiercer  (Diglossa humeralis)  Schwarzhakenschnabel
Saphirgrün  Obwohl die Bewölkung schnell wechselt und sich die Sonne ab und an sehen läßt, ist es auf Dauer in dieser Höhe empfindlich kalt. Man wundert sich, wie die kleinen Piepmätze mit den Temperaturen klar kommen, wir sind jedenfalls bei Rückkehr in unser Zimmer das erste Mal in diesem Urlaub froh, eine Heizung anstellen zu können.  Great Sapphirewing  (Pterophanes cyanopterus)  Blauflügelkolibri od. Aliazul Eine Rote Prinzessin  Derart abgelegene Hotels haben den Vorteil, dass man Vollverpflegung genießt, man also nicht abends noch nach einem Restaurant suchen muß. Wir sind natürlich immer noch nicht in den 'modern times' angekommen und so stehen wir ohne unsere Smartphones den allgegenwärtigen QR-Codes im Speisesaal des Hotels wieder mal hilflos gegenüber. Man kennt seine Gäste aber wohl und so reicht man uns nach einem schnellen Blick die – sehr umfangreiche – Druckversion der Speisekarte, womit der Abend gerettet ist. Nach dem Essen müssen wir nur noch die Rechnung an der Rezeption unterschreiben, bevor wir uns in unsere Betten kuscheln. Die Rote Prinzessinnenblume ist in Kolumbien, Ecuador und Venezuela heimisch, wo sie in Höhen zwischen 2400 und 3800 m als kleiner Baum oder Strauch wächst, der etwa 2-3 m groß wird.  Red Princess Flower  (Chaetogastra grossa, Syn.: Tibouchina grossa) Penelope der Berge  Wir haben die Badtür offen stehen lassen, damit auch etwas Heizungswärme bis dorthin vordringt. Das gelingt, aber ich muß mitten in der Nacht aufstehen, um die nur unvollkommen regelbare Heizung komplett auszustellen, anderenfalls uns eine Hitzemumifizierung droht. Immerhin hat das Bad auch am Morgen noch angenehme Temperaturen und jetzt sind wir gespannt darauf, was das Frühstück zu bieten hat. Ein erster Blick auf die Tische der Mitgäste läßt uns ob der monumentalen Portionen erschrecken. Maren meint sich zu erinnern, es gäbe auch kontinentales Frühstück, der herbeieilende Kellner hat allerdings nur die Standard-Megaportion mit Eiern nach Wahl im Angebot. Wir entscheiden uns dann spontan für nur Spiegeleier mit Brot – Kaffee gibt's diesmal zur Selbstbedienung, also mehr als eine Tasse! Das Brot zum Spiegelei erweist sich übrigens als zwei Croissants, eigentlich nicht erstaunlich... Dieser in Venezuela, Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien in Andenhöhen von 1500 bis 3500 m heimische Hühnervogel der Gattung Penelope hätte sich den Namen "Penelope der Berge" wohlverdient, wenn sich der lateinische Namenszusatz nicht auf den französischen Arzt und Biologen Jean Pierre François Camille Montagne beziehen würde, nach dem der Andenguan 1856 benannt wurde.  Andean Guan  (Penelope montagnii)  Andenguan Vorn- und Rücksichtsvoll  Heute morgen scheint die Sonne, womit wir vielleicht eine Chance haben, endlich mal die schillernden Federn einiger Kolibris ablichten zu können. Der Rückweg zum Zimmer ist nicht weit und wenig später schlurfen wir voll bepackt mit allen Kameras, vorbei am großen Swimming Pool, wieder zur Vogelpirsch in Richtung Kolibrigarten. Noch sind wir so früh dran, dass wir wieder eine ganze Zeitlang alleine herumstromern können und endlich hat Maren – sogar mit dem kurzen Zoom – das Glück, den allgemein 'Rainbow Hummingbird' genannten Kolibri genau in dem Brechungswinkel zu fotografieren, in dem sein Scheitel- und Kehlgefieder das volle Farbenspiel zeigt. Bei meiner Aufnahme ist davon nichts mehr zu sehen, dafür zeigen seine Rückenfedern wunderschöne Farbverläufe und ein "Weißspitzen-Glanzschwänzchen".  Rainbow-bearded Thornbill  (Chalcostigma herrani)  Weißspitzen-Glanzschwänzchen od. Rotbrust-Glanzschwänzchen
Minityrann  Der Himmel wechselt wie am Vortag zwischen Sonne und gelegentlichen Wolken. Wir bleiben auch nicht länger allein, vielmehr tauchen in regelmäßigen Abständen Hotelgäste in Begleitung des Guides auf, den wir gestern kennengelernt haben. Neben den Ahhs und Ohhs wegen der bunten Vögel erfreuen sich die einer kleinen Blüte nachempfundenen Minifeeder aus Plastik besonders bei der Damenwelt großer Beliebtheit. In die offene Hand gelegt, dauert es nicht lange, bis ein Kolibri heranschwirrt, sich auf der Hand niederläßt und dem Partner der Dame zu einem einzigartigen Erinnerungsfoto verhilft. Der Guide hat uns bereits als Hardcore Birder identifiziert und macht uns unter Geheimhaltungsgebärden auf ein Nest des Rostroten Andenkolibris aufmerksam, welches sich an exponierter Stelle direkt am Weg in einer Pflanzenstaude befindet. Wir sollen bloß keine Aufmerksamkeit erregen, murmelt er verschwörerisch und während die Vogelmutter anfliegt, gelingen Maren tolle Videoaufnahmen einer Fütterung der beiden Jungen.  White-throated Tyrannulet  (Mecocerculus leucophrys)  Weißkehl-Tachurityrann Trostpflaster  Der Guide läßt uns alleine, Maren filmt, bis Mama wieder abfliegt und nun begebe ich mich in unauffällige Wartestellung, um wenigstens auch noch ein Foto zu kriegen. Aber wie es das Schicksal will, Mama kommt einfach nicht wieder, meine Aufnahmen der beiden Jungen werden wegen vorstehender Äste unscharf, aber immerhin tröstet mich noch ein Foto dieser hübschen Tangare.  Blue-backed Conebill  (Conirostrum sitticolor)  Blaurückenspitzschnabel Baumwollschwanz  Eine alte Dame, die mit ihrem privaten weiblichen Guide reist, kommt mit uns im Kolibrigarten ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass sie ursprünglich auch aus Deutschland stammt, nun aber in British Columbia lebt und dies mit 85 Jahren wohl ihre letzte große Reise ist. Respekt! Mal sehen, wie lange ich noch solche Reisen machen kann – sooo weit bin ich nicht mehr von solch biblischem Alter entfernt. Immerhin hab' ich Maren als Guide, denn sie ist 10 Jahre jünger als ich... ;-). Gegen 16:00 Uhr ziehen die Wolken immer dichter heran, es wird kühler und feuchter und wir sind der Meinung, weitestgehend alles dokumentiert zu haben. Kurz vor 18:30 Uhr gehen wir dann bestens vorbereitet zum Essen, nachdem wir vorher noch die Route für morgen geplant haben und beschließen den Tag in den vorgeheizten Kuschelbetten. Erst seit 2017 als eigenständige Wildkaninchenart anerkannt ist das Baumwollschwanzkaninchen, welches bevorzugt in den baumlosen Páramo-Grasländern von Venezuela, Kolumbien, Ecuador und Peru oberhalb 3000 m Höhe zu Hause ist, weil es sich dort im hohen Gras vor Raubtieren gut verstecken kann. Laut Googles KI sollen es auch Menschen nur sehr selten zu Gesicht bekommen, umso glücklicher schätzen wir uns, dass es uns so freundlich am letzten Tag hier verabschiedet.  Andean Cottontail  (Sylvilagus andinus)  Andentapeti Diesmal richtig  Nach dem Frühstück geht es gleich los und diesmal machen wir es richtig und verlassen die Termales del Ruiz zwar auf der gleichen Kiespiste, aber in Richtung auf die Straße 50. Immer höher geht es, die Landschaft wird tatsächlich páramoähnlich und nachdem wir in 4000 m Höhe einen Pass überquert haben, fahren wir zuerst auf Schotter und dann endlich auf Asphalt über 2000 Höhenmeter in steilen Serpentinen wieder hinunter nach Manizales. Wir kommen gut voran, lediglich hinter Pereira liegt ein Motorrad quer auf der Schnellstraße und dahinter sperrt ein gelbes Plastikband die Weiterfahrt. Rechts mündet eine etwas verdächtige schmale Straße. Ohne zu zögern biegen diverse Fahrzeuge vor uns hier ab, die sicherlich auch irgendwann wieder auf die Hauptroute wollen, wir müssen also nur folgen – sonst hätten wir ernste Zweifel an der Befahrbarkeit der Strecke gehabt. Da die kleinen PKW vor uns offensichtlich die Strecke meistern, sind dann auch wir voller Zuversicht, dass wir die Schlaglöcher und Spurrillen wieder einmal schadlos überstehen. Kurz hinter Salento erreichen wir so frühzeitig unser Hotel, dass das Zimmer mal wieder noch nicht bezugsfertig ist. Der Empfang ist sehr nett, wir verbringen die Wartezeit im Restaurant und als wir unser Zimmer im zurückliegenden Gastgebäude auf der anderen Straßenseite beziehen, schaut uns ein Kiebitz dabei zu. Den Nachmittag verbringen wir bei Fruchtshakes und heißer Schokolade im Außenrestaurant neben einer Futterstation und als es Zeit fürs Abendessen ist, trudeln auch die anderen Gäste ein – sämtlichst von der Fraktion: 'wen ich nicht kenne, den grüße ich auch nicht'. Dann eben nicht!  Bronzekiebitz  (Vanellus chilensis)  Southern Lapwing
Valle de Cocora  Der Grund unseres Hierseins ist das Wachspalmental, eine absolute Touristenattraktion, wie sowohl der Andrang bereits am frühen Morgen beweist, wie auch die jahrmarktsähnliche Infrastruktur, die bereits einige Kilometer vor dem Eingang zum Park beginnt und neben Fressbuden, Karussells und Reittierverleih hauptsächlich aus Parkflächen besteht. Und obwohl wir ständig durch Winken zum Befahren dieser Parkplätze aufgefordert werden, zeigt uns das Navi noch weiter vorn Parkkapazitäten, die dank zeitigen Kommens auch noch frei sind. Windfest  Nun stehen wir auf dem wirklich letzten und am dichtesten dranseienden Parkplatz vor dem Eingang und haben uns damit nicht nur etliche Meter Fußweg erspart, sondern auch ständige Angebote aufdringlicher Straßenverkäufer. Wir bezahlen für das Auto, stiefeln noch ein ganzes Stück entlang einer gepflasterten Straße bis wir am Zugang zum Park nochmals zur Kasse gebeten werden. Es gibt auf dem Gelände einen großen Rundweg, der sich aber auch durch ein paar Querverbindungen abkürzen läßt. In realistischer Einschätzung meiner couchtrainierten Beinmuskeln sind wir der Meinung, dass es die ganz große Runde nicht sein muß, weil wir bereits auf der Zweikilometerstrecke den höchsten Aussichtspunkt erreichen und der weitere Weg eh nur zwischen Bäumen verläuft.  Quindio Wax Palm or Andean Wax Palm  (Ceroxylon quindiuense)  Quindio-Wachspalme Formatsprengend  Auf dem Weg, der am Anfang noch gemäßigt aufwärts führt, kann ich noch einigermaßen mithalten, aber mir graust es schon vor der Steigung, die mich nach der Kurve am gegenüberliegenden Hang erwartet. Maren und die anderen Gäste läßt das kalt – die würden wahrscheinlich auch noch lächelnd am Palmenstamm hochklettern :-{   Quindio Wax Palm or Andean Wax Palm  (Ceroxylon quindiuense)  Quindio-Wachspalme Methusalems  Die Wachspalmen sind ausgesprochen beeindruckend, noch spektakulärer finden die meisten aber die verstreut grasenden Pferde. Überall dort, wo ein Holzgatter eine Weide zum Weg hin abgrenzt, haben sich Grüppchen meist weiblicher Besucherinnen (Achtung: Pleonasmus) gebildet, die sowohl mitgebrachten Naschkram verfüttern oder sich beim Nüsternkraulen fotografieren lassen. Faszinierend! Ich kämpfe mich verbissen nach oben durch, unterbrochen durch einige unbedingt notwendige 'Fotopausen'. Dann aber ist der Aussichtspunkt erreicht, über uns kreisen Geier (nein, sooo weit ist es mit mir noch nicht...) und um uns herum stehen hunderte der mit bis zu 60 m Höhe größten Palmen der Welt. Die Wachspalme ist in Kolumbien heimisch und der Nationalbaum des Landes. Ihr Lebensraum liegt zwischen 2000 und 3000 Höhenmetern und ist begrenzt auf die Bergregenwälder der Zentralanden. Dort, wo die langsam wachsenden Bäume wie hier geschützt sind, erreichen sie ein Alter von mehreren hundert Jahren. An anderen Orten werden die Wachspalmen aber immer häufiger Opfer der Landwirtschaft und Viehzucht und auch das Holz ist sehr begehrt, so dass der Bestand bei der IUCN in der Kategorie 'gefährdet' klassifiziert wird.  Quindio Wax Palm or Andean Wax Palm  (Ceroxylon quindiuense)  Quindio-Wachspalme
Kontrastprogramm  Von dem Aussichtsgipfel geht es so steil bergab, dass fast der gesamte Weg mit hölzernen Treppenstufen versehen ist. Ganz besonders virile Charaktere geben sich auch gar nicht erst mit dem Weicheieranstieg ab, sondern hüpfen gleich auf diesem Pfad nach oben. Wir machen das mal nicht, sondern begeben uns langsam und vorsichtig über die steilen Stufen bergab, auf den zwischengestreuten Plateaus Pause machend, die von den Parkverwaltern in Fortsetzung des Jahrmarktgedankens mit insgesamt drei scheußlichen, besteigbaren Plastiken verunstaltet wurden. Es sind dies ein Kondornest und eine große, offene Hand, die, nacheinander bestiegen, für unzählige Familienfotos herhalten müssen, sowie als Krönung ein Paar riesiger Flügel, in deren Mitte sich bevorzugt mähnengelockte Schönheiten aus den Jungdamengruppen räkeln, stolz ihr Silikon den klickenden Kameras der Freundinnen präsentierend. Da dieses Album jugendfrei ist, präsentiere ich hier lieber eine andere geflügelte Schönheit, die sich eher unbeachtet an gleichem Ort entfaltete.   Panyapedaliodes drymaea Toucanet  Zurück am Parkplatz ist dieser inzwischen bis auf den letzten Stellplatz gefüllt. Auch der Rückweg durch den vorgelagerten Kommerzverhau klappt nur im Schritttempo. Wir sind also auf jeden Fall nicht zu früh hier gewesen und verbringen den Rest des Nachmittags lieber an der Futterstation des Hotels.  Southern Emerald-Toucanet  (Aulacorhynchus albivitta griseigularis) , male Weißkehlarassari Unwohlsein  Sehr groß ist der Andrang nicht bei den Bananen, immerhin lassen sich zwei Weißkehlarassaris blicken, während ich den Andenmotmot leider verpasse, ihn aber später auf der Reise noch erwische. Die Sommertangare hingegen ist ein alter Bekannter, d.h. eigentlich müßte ich sagen: eine alte Bekannte, denn bisher habe ich bis auf eine Ausnahme nur die Weibchen der Art zu fassen gekriegt. Hier also endlich mal das komplett rote Männchen. Bald bekommen unsere Kameras aber nichts mehr zu tun, so dass wir auf unseren vorsorglich mitgenommenen Lesestoff zurückgreifen. Und schließlich sind es nur noch ein paar Schritte hinein ins Restaurant, wo wir beide uns passende Portionen zu unserem Hunger bestellen. Während ich keine Probleme mit dem Essen habe, schiebt Maren nach wenigen Happen nur noch ein Salatblatt hin und her. Was ist los? Schmeckt es nicht? Sie weiß auch nicht... das Essen ist okay, aber irgendwas ist mit dem Magen. Der Kellner ist nett und reagiert verständnisvoll – ob er ihr ein Glas Tee bringen soll?  Summer Tanager  (Piranga rubra) , male Sommertangare Auf Holz klopfen  Es hilft alles nichts. Wir kehren ins Zimmer zurück, Maren entleert ihren Magen und konsultiert ihre Apotheke, langsam geht es besser und die Nacht verläuft einigermaßen ruhig. Vor der Weiterfahrt am nächsten Morgen gibt's nur Früchtemüsli und dank Cola und Effortil werden die Notfalltüten nicht mehr gebraucht.  Red-crowned Woodpecker  (Melanerpes rubricapillus)  Rotkappenspecht
Doña Dora Restaurant  Wie immer ist das Vorankommen auf der Weiterreise eine Glückssache. Obwohl wir die heutigen etwas über 200 km auschließlich auf zweistellig nummerierten Schnellstraßen zurücklegen, haben wir auf der 40 unendlich lange LKW-Schlangen vor uns. Als auch noch diverse Baustellen dazukommen, rechnen wir nicht mehr mit einer Ankunft vor 19:00 Uhr in Cali. Irgendwann wechseln wir aber auf die 25, die Straße wird wieder zweispurig und wir kommen flott voran. An dieser Stelle ist vielleicht die Erwähnung einer Besonderheit angebracht, an die deutsche Autobahnfahrer in Kolumbien sich schnellstens gewöhnen sollten: LKWs fahren auf mehrspurigen Straßen nur in absoluten Ausnahmefällen rechts! Egal, mit welcher Geschwindigkeit sie unterwegs sind, man ist als PKW Fahrer grundsätzlich gezwungen, sich in einem fortwährenden Slalom zu bewegen, wenn man vorwärts kommen will. Und man sollte auch nie darauf vertrauen, dass irgendeines der Fahrzeuge seinen Spurwechsel mit Blinkzeichen anzeigt. Wenn auf freier Strecke irgendwann jemand links blinkt, heißt das auch nicht, dass er abbiegen will, nein, er zeigt nur freundlich an, dass die Straße zum Überholen frei ist.  Das obige Haus ist für die nächsten 27 Bilder unser Aufenthaltsort. Ich habe nicht vergessen, es zu erwähnen – ich komme darauf zurück :-). Einschub  Diejenigen unserer Albumsgäste, die bei uns die typischen Reisetips und Hinweise erwarten, die gemeinhin Reiseführer liefern, haben sicher nicht erst in diesem Kolumbienbericht gemerkt, dass Strandurlaub, Städtebummel, Besuch angesagter Plätze und Lokalitäten, sowie Bergsteigen und tagelange Wanderungen durch die Wälder dieser Welt nicht so unser Ding sind. Erstens ist es eine Frage der individuellen Interessen und zweitens nicht zuletzt auch eine der altersbedingten Konstitution. Würde uns Strandurlaub interessieren, fände man uns an der Ostsee oder auf Mallorca, für alle anderen genannten Punkte wären es Zielreisen in Städte oder Landschaften mit einem ausreichenden Zeitpolster, sich in Muße dort umzusehen.  Empress Brilliant  (Heliodoxa imperatrix) , female Rotstern-Brillantkolibri Eigenbrötler  Wir haben uns aber irgendwann mal entschieden, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten möglichst viel von der Welt sehen wollen. Das kann man auf zweierlei Weise, entweder in einer Gruppe mit Führer im (Klein)Bus, oder auf eigene Faust im Mietwagen. Da wir aber beide ausgeprägte Individualisten sind, in der Regel andere Interessenschwerpunkte haben als die übrige Reisegruppe und meist immer dort anhalten und ein Foto schießen wollen, wo es dem Busfahrer nicht paßt, bleibt nur die eigene Faust.  White-lined Tanager  (Tachyphonus rufus) , female Schwarztangare Mehr brauchen wir nicht :-)  Den Idealfall einer Reise haben wir, wenn alleine die ausgedehnte Fahrtroute schon soviel an landschaftlichen Attraktionen bereit hält, dass fast jeder Tag bisher noch nie gesehene Naturschönheiten bietet und wir in Gegenden kommen, in denen die Fahrt selbst zum Abenteuer wird. Wenn es dann noch bisher touristisch weitgehend unerschlossene Länder sind, einer von uns beiden die Landessprache spricht, was die südamerikanischen Einheimischen noch freundlicher als ohnehin schon reagieren läßt und die Kameras sowohl bei Landschaft und Tierwelt genug Futter kriegen – dann ist unser Ideal erreicht!  White-lined Tanager  (Tachyphonus rufus) , male Schwarztangare
Aufgeschoben  Es war 2017 in Peru, ganz am Anfang unserer Reise, bei der Besichtigung der Inkafestung "Tambo Colorado", als uns ein kolumbianisches Paar ansprach und fragte, ob wir schon einmal in Kolumbien gewesen seien. Wir verneinten und bekamen umgehend die Empfehlung mit auf den Weg, dies nachzuholen, ihr Heimatland sei mit Abstand das Schönste der Andenländer. Eingedenk der damaligen politischen Situation zeigten wir zwar unser Interesse, schoben die Realisierung dieser Reise aber bis heute auf die lange Bank.  Brown Violetear  (Colibri delphinae)  Brauner Veilchenohrkolibri Etwas fehlt uns  Wir kamen also mit großen Erwartungen nach Kolumbien. Natürlich hatten wir uns informiert, diverse YouTube-Filmchen geschaut und besonders ich freute mich auf die reiche Vogelwelt, die trotz Costa Rica noch einige bisher ungesehene Tropenschönheiten in Aussicht stellte. Auch die Planung der Route stellte mit einem Abstecher an die Karibikküste mit dem Karnevalerlebnis etwas Besonderes dar und für die Inlandrunde war Andennähe sichergestellt. Hier liegt aber auch die Wurzel der leichten Enttäuschung unserer Erwartungen. Verwöhnt durch die rauere Natur der südlichen Andenländer mit ihren oft schroffen Felsformationen und farbigen Landschaftsgegensätzen, war das Begleitpanorama unserer Überlandfahrten zwar schön, aber meistens – selbst in gebirgigen Regionen – von einem alle Details und Unterschiede verhüllenden Grün. Kurz gesagt: Der Straßenreisende kommt nur selten an Orte, wo er spontan anhält und eine fantastische Landschaft mit der Kamera festhalten will.  Green Thorntail  (Discosura conversii)  Grüne Fadenelfe Alles geht nicht!  Vielleicht erklärt das eben Gesagte ein wenig die 'Landschaftsarmut' unseres Kolumbienalbums. Es ist beileibe nicht so, dass das nördlichste Andenland nicht auch seine Attraktionen aufzuweisen hat, leider sind diese so beschaffen, dass man an den Zielorten Zeit mitbringen sollte. Erst, wenn man mindestens ein paar Tage Aufenthalt in den ländlichen Dörfern und Städtchen hat, erreicht man als Wanderer Wasserfälle, versteckte Winkel, oder Attraktionen wie beispielweise die "Quebrada Las Gachas" bei Guadalupe. Ebenso braucht natürlich auch der Städtefreund einige Tage, um angesagte Restaurants, Discos, Museen und Denkmäler zu besichtigen.  Orange-bellied Euphonia  (Euphonia xanthogaster oressinoma) , male Gelbbauchorganist Es gibt uns doch!  Wir sind nun doch am frühen Nachmittag in Cali eingetroffen und haben unser Hotel relativ problemlos gefunden. Für einen passenden Parkplatz müssen wir noch einmal eine Einbahnstraßentour rund um den Block absolvieren, können dann aber direkt vor dem Haupteingang halten. Lediglich die Anmeldung an der Rezeption artet zu einem Geduldspiel aus, denn der Rezeptionist kann uns in seinem Computer nicht finden. Auch das hingehaltene Voucher nützt nichts, unser Name kommt im System zwar vor, aber mit einem völlig anderen Vornamen. Wir reden mit Engelszungen, nennen dem Mann den Namen der örtlichen Partneragentur und endlich schafft er es, mittels der neumodischen Erfindung des Telefons Kontakt zur Agentur aufzunehmen. Mit dem Resultat, dass wir nach weiteren 5 min. dann doch im Computer sind und endlich einchecken können.  Goldtangare  (Tangara arthus)  Golden Tanager
Tief geparkt  Da dies ein modernes Großstadthotel ist und keine Klitsche, gibt es für die wenigen Gäste, die mit eigenem Wagen anreisen, sogar fünf Stellplätze in der Tiefgarage, von denen einer vorsorglich für uns reserviert wurde und den wir nun besetzen. Ein freundlicher Angestellter hat uns begleitet, hilft uns mit dem Gepäck und begleitet uns im Fahrstuhl bis in den 5. Stock zu unserem Zimmer.  Andean Emerald  (Uranomitra franciae)  Andenamazilie Marktlücke  Bereits zu Hause hatte Maren im Reiseführer über die nahezu legendäre Doña Dora gelesen, eine Gastwirtin in der Nähe von Cali, die den Vogelreichtum ihrer Heimat so klug zu nutzen wußte, dass ihr Restaurant einen eher nebensächlichen Stellenwert bekam, als sie das ziemlich heruntergekommene Gebäude um eine Veranda und einen Dachgarten zur Vogelbeobachtung erweiterte. Da wir nicht vorhaben, den freien Tag zwischen den zwei Übernachtungen in Cali zu verbringen – die Eindrücke bei An- und Abfahrt reichen uns völlig – wollen wir uns bemühen, ebenfalls zu Doña Dora zu kommen, deren Station wegen ihres Artenreichtums inzwischen berühmt geworden ist.  Chestnut-headed Oropendola  (Psarocolius wagleri)  Rotkopfstirnvogel Avistamiento de Aves  Schon bei der Anmeldung im Hotel hatten wir an der Rezeption einen kleinen Holzständer ausgemacht, in dem eine bunte Werbekarte für einen Besuch bei Doña Dora warb. Zu diesem Zeitpunkt noch mit der langwierigen Buchungsprozedur beschäftigt, hatten wir andere Sorgen, nahmen uns aber vor, später auf diese Karte zurückzukommen. Trotz einer erheblich freundlicheren Kollegin an der Rezeption, die sich auf unsere Bitte sofort bereit erklärte, telefonisch für den nächsten Tag zu buchen, ergab sich in der Folge aus diesem Vorgang eine Gemengelage, die den Umfang dieses Albums definitiv sprengt. Es stellt sich heraus, dass die Buchung bei einer Agentur aufläuft, die aber nicht nur den Aufenthalt bei Doña Dora anbietet, sondern eine ganze Tagestour, beginnend mit einer Abholung morgens am Hotel um 4:30 Uhr, inklusive einer dreistündigen Bergwanderung mit zweisprachigem Guide im Valle del Cauca.   Silver-throated Tanager  (Tangara icterocephala)  Silberkehltangare Fehlgebucht  Natürlich ist es – nachdem uns klar wird, was wir uns eingehandelt haben – wegen plötzlicher telefonischer Nichterreichbarkeit unmöglich, die Buchung umgehend zu stornieren. Ebenfalls ohne Antwort bleibt Marens Versuch, über WhatsApp das Ganze ungeschehen zu machen.  Velvet-purple Coronet  (Boissonneaua jardini)  Hyazinthkolibri
Wieder flüssig  So bleibt uns nur, die freundliche Rezeptionistin zu bitten, uns am nächsten Morgen nicht zu wecken, sondern den Abholer wieder wegzuschicken, sollte er um 4:30 Uhr auftauchen. Inzwischen ist Maren bei dem ganzen Hin und Her klar geworden, dass auch Doña Doras Webseite einen direkten WhatsApp Kontakt anbietet. Maren nutzt diesen umgehend und bereits nach kurzer Zeit kommt eine freundliche Antwort mit einer Buchungszusage. Warum nicht gleich so...? Die Sonne scheint und wir brechen noch einmal auf, denn Maren will unbedingt noch ein wenig Geld umtauschen. Nur 200 m weiter gibt es ein modernes, mehrstöckiges Einkaufszentrum, in dem auch mehrere Bankniederlassungen residieren. An dem Automaten der ersten Filiale klappt es leider nicht mit Marens Karte; probieren wir halt die Bank im ersten Stock. Dort funktioniert alles, und ausgestattet mit einer Drittelmillion Pesos sind wir erst mal wieder auf der sicheren Seite.  Green Honeycreeper  (Chlorophanes spiza) , female Kappennaschvogel Der Telefonjoker  Die Nacht verläuft weitgehend ruhig, lediglich das Telefon auf dem Schreibtisch gibt gelegentlich seltsame, glücklicherweise leise Pieps- und Klingelgeräusche von sich. Nichts, was man nicht mit einem Silikonstöpsel im Ohr in den Griff bekäme. Wir stehen um 6:00 Uhr auf und da sich niemand um 4:30 Uhr bemerkbar gemacht hat, gehen wir mal davon aus, dass sich die erste Buchung erledigt hat. Auch heute stellt uns die Badewannendusche kurz wieder vor ein Rätsel, wie die drei gleichen Hähne belegt sind, dieses löst sich aber schnell und während ich dusche, löst Maren das nächtliche Telefonproblem einfach durch Abnehmen des Hörers von der Station. Wieder aufgelegt, bleibt der Kasten für den Rest unseres Aufenthaltes still. Manches kann so einfach sein...  Green Honeycreeper  (Chlorophanes spiza) , male Kappennaschvogel Abflug  Das Frühstück in Buffetform ist ganz nett, leider erschließt sich uns in Ermangelung von Schalen nicht, wie man ein Früchtemüsli mit Joghurt und Cerealien von einem flachen Teller gabeln soll – also bleibe ich beim lokalen Brotersatz, Kuchen und Croissants, bei Maren kommt noch Obst dazu. Nur wenig später holen wir das Auto aus der Tiefgarage und sind tatsächlich relativ schnell aus Cali raus. Wir profitieren von der Lage des Hotels im westlichen Teil der Stadt, denn wir müssen Richtung Pazifikküste und der dichte Berufsverkehr kommt uns glücklicherweise entgegen. Die 55 Straßenkilometer zu Doña Dora sind bis auf wenige kurze Abschnitte durchgängig asphaltiert, aufgrund der im zweiten Teil sehr kurvigen Bergstrecke brauchen wir aber tatsächlich fast 90 min. bis zum Ziel.  White-necked Jacobin  (Florisuga mellivora) , female Weißnackenkolibri Umstandslos  Als wir an dem unübersehbaren, bunt bemalten Restaurant ankommen, steht bereits ein Tourismus-Sprinter davor. Dora begrüßt uns, Maren erwähnt die Reservierung, die Dora aber mangels Namensnachfrage kaum zu interessieren scheint und schon werden wir zu den Futterplätzen gebracht.  Saffron Finch  (Sicalis flaveola)  Safranammer od. Safrangilbammer
Erfolgsgeschichte  Wer sich den Spaß macht, auf die Kartennadel rechts neben dem Bildtitel zu klicken, sieht unser Ziel umgeben von Fotomarkern inmitten unendlichen Grüns an einer kaum erkennbaren Straße liegen. Nun noch auf den Vergrößerungsbutton klicken – solange, bis die Straße als breites Band erscheint. Dann das Street View-Männchen an der Markierung auf eine freie Stelle der blauen Straße setzen und schon erkennt man, wenn man richtig rangiert hat, wie Doña Doras Etablissement noch im Jahre 2014 aussah. Auch wenn wir die genaue Historie nicht kennen, die zum aktuellen Erscheinungsbild geführt hat, scheint zumindest das rapide wirtschaftliche Wachstum, welches mit dem Ende des Guerilla- und Bandenkrieges im Jahre 2016 einsetzte, nicht ganz unschuldig an dieser Entwicklung gewesen zu sein.  Spot-crowned Barbet  (Capito maculicoronatus rubrilateralis) , male Tropfenbartvogel Kein schlechter Job  Auf der Veranda auf der Hangseite des Hauses hat sich bereits eine etwa zehnköpfige Gruppe in Stellung gebracht, bei der es sich offensichtlich um Inder handelt. Auch hier sind schon Stative aufgebaut und ein, zwei Gäste steigen am hinteren Ende der Veranda über eine Wendeltreppe nach oben aufs Dach. Einer der Fotografen ist offensichtlich der Guide und als er sich umdreht, winkt er uns freundlich zu und meint, er hätte uns schon irgendwo gesehen, aber wo? Auch mir kommt er spontan bekannt vor und als Maren Jardín und die Felsenhähne vorschlägt sind wir uns schnell einig. Auch kein schlechter Job, so als Birder Guide mit wechselnden Gruppen durchs Land zu reisen! Ich hab' mir mal verschiedene Angebote entsprechender Reisen im Netz angesehen – arm wird man nicht dabei ;-).  Spot-crowned Barbet  (Capito maculicoronatus rubrilateralis) , female Tropfenbartvogel Artenreich  Der Blick von der Veranda in den Hangwald ist offener als bei den Felsenhähnen in Jardín. Vielleicht ist das auch der Grund für die größere Vogeldichte und -vielfalt, die sich hier zeigt und die sich unablässig an den mit Früchten bestückten Futterplätzen niederläßt, welche über die gesamte Verandabreite verteilt sind.  Toucan Barbet  (Semnornis ramphastinus)  Tukan-Bartvogel Heute solo  Der Tukan-Bartvogel hat sogar ein Nest im Stamm nahe des Hauses bezogen, welches er regelmäßig anfliegt. Und auch die Oropendolas haben einen isoliert im Sonnenlicht stehenden Baum mit einigen ihrer typischen, hängenden Nester bestückt. Wahrscheinlich wird auch dieser Rotkopf-Bartvogel in der Nähe zu Hause sein. Leider hat er seine ebenso farbenfrohe Gattin, die wir noch in Ecuador bewundern durften, heute nicht mitgebracht. Hier unten ist das Revier der größeren Vögel, während ein unablässiges Schwirren über unseren Köpfen auf den offenen Dachboden verweist. Wir werden im Laufe der nächsten 3 Stunden ständig zwischen 'oben' und 'unten' wechseln, denn es kommen immer neue Gäste hier an.  Red-headed Barbet  (Eubucco bourcierii) , male Rotkopf-Bartvogel od. Anden-Bartvogel
Zwei Ansichten  Auch auf dem Dachboden ist für die Bequemlichkeit der Fotografen gesorgt. Während der den Vögeln vorbehaltene vordere Bereich mit Helikonien und verzweigten Büschen bepflanzt ist, in denen Zuckerwasserspender hängen, ist der mit einer Schnur abgetrennte Fotografenbereich mit einem Tisch und einigen Stühlen ausgestattet. Das Ganze ist von einem Teilwellblechdach und durchlässigen Tüchern überschattet und man hat als Fotograf die gute Chance, ein und dieselbe Art mal im Blätterschatten einer der umstehenden Bäume oder mit irisierendem Gefieder im Sonnenlicht abzubilden.  Violet-crowned Woodnymph  (Thalurania colombica)  Violettkronennymphe Die fliegende Zitrone  Es ist nicht einfach. Während die rotrückigen Tangaren  (R. flammigerus flammigerus)  weit über den mittelamerikanischen Raum von Panama über Kolumbien bis nach Ecuador verbreitet sind, ist speziell die gelbrückige Variante im Valle del Cauca Kolumbiens zu Hause.  Lemon-rumped Tanager  (Ramphocelus flammigerus icteronotus) , male Gelbrückentangare Uneindeutig  Während sich die Männchen anhand ihres entweder leuchtend roten oder strahlend gelben Rückens und Bürzels noch einfach unterscheiden lassen, ist dies bei den Weibchen schon schwieriger. Allgemein läßt sich sagen, dass die 'gelben' Weibchen ein etwas blasseres Schwarz im Obergefieder zeigen, während das Bauch- und Bürzelgefieder einheitlich hellgelb ist. Beim Weibchen der Feuerbürzeltangare hingegen zeigt die Brust, der Rücken und der Bürzel ein sattes Orange und auch Kopf- und Deckgefieder sind deutlich schwärzer. Richtig kompliziert wir es aber, wenn man es mit offensichtlichen Mischformen zu tun bekommt. Da wird es bei den Weibchen so uneindeutig, dass selbst Fachseiten im Netz sich auf das bloße  Ramphocelus flammigerus  beschränken und nicht wagen, sich auf  (R. f.  flammigerus)  oder  (R. f. icteronotus) festzulegen. .   Flame-rumped Tanager  (Ramphocelus flammigerus flammigerus) , female Feuerbürzeltangare Pflegedienst  Mittlerweile hat sich die Aufregung über die schiere Herausforderung, möglichst alle Exoten nicht nur zu fassen zu kriegen, sondern sie auch noch in möglichst optimaler Form auf den Sensor zu bannen, etwas gelegt. Wir lehnen uns zu dem Guide hinüber, der einige seiner Highlights auf dem Smartphone herumzeigt und wenig später schwärmen wir gemeinsam über die Beobachtungsmöglichkeiten im ecuadorianischen Mindo, welches sowohl er wie auch wir besucht haben. Über all dem Fachgesimpel läßt man aber nie die Umgebung aus den Augen und so ist die Kamera schnell parat, als das deutlich kleinere Stirnvogelweibchen seinem Gemahl ausdauernd das Halsgefieder krault.  Chestnut-headed Oropendola  (Psarocolius wagleri) , male + female Rotkopfstirnvogel
Es bleibt spannend!  Man sollte annehmen, dass die taxonomische Einordnung gerade zahlreich vorkommender Arten schon seit geraumer Zeit abgeschlossen ist. Bei dieser Buschammer ist das offensichtlich nicht der Fall. Schaut man auf Doña Doras Webseite, wird dies Vögelchen als Dreifarben-Buschammer  (Atlapetes tricolor)  gelistet, die aber, wenn man sich maßgebliche Bestimmungsseiten anschaut, zwar ein vergleichbares Gefiedermuster aufweist, aber in den hier bräunlich-goldenen Farbtönen ein helles Gelb zeigt. Auch ist das Vorkommen des  Tricolored Brushfinch  ausschließlich auf die Andenostseite Perus beschränkt. Erst 1960 plädierte ein Autor für eine Trennung der Arten und es dauerte bis 2012, bis das IOC nachzog, gefolgt 2014 von BirdLife, 2024 von der Clements-Taxonomie und von AviList im Jahr 2025. Nur das unabhängige südamerikanische Klassifikationskomitee hat bis Februar 2026 eine Anerkennung abgelehnt und will mit einem eigenen Vorschlag aufwarten. Puh! Möglicherweise wird dieses Vögelchen also noch weitere Umbenennungen über sich ergehen lassen müssen. Stay tuned ;-).  Choco Brushfinch  (Atlapetes crassus)  Goldscheitel-Buschammer Guckst du!  Neben den Rotkopf-Stirnvögeln fiel noch ein anderer Oropendola auf, fast völlig schwarz und bisher nur schwierig zu beobachten. Bis er sich rücksichtsvoll auf einem Seitenast präsentierte und über eine Serie von 10-12 Aufnahmen peu à peu sein rotes Geheimnis offenbarte. Danke schön!  Scarlet-rumped Cacique  (Cacicus uropygialis)  Scharlachbürzelkassike Zeit zum Aufbruch  Allmählich zeichnet sich ab, dass wir wohl so ziemlich alle fliegenden Gäste zu fassen gekriegt haben, die sich heute nachmittag hier ein Stelldichein gaben. Auch der Guide beginnt seine Gruppe zu sammeln, aber nicht um abzufahren, sondern zum gemeinsamen Essen im Gästeraum, in dem Doras Personal aufgedeckt hat. Wir haben bei den umständlichen Buchungsversuchen völlig vergessen, dass es sich bei Doña Dora eigentlich primär um ein Restaurant handelt, weswegen wir auch bei der Ankunft gar nicht auf die Idee kamen, ein späteres Essen zu bestellen. Nun, das macht nichts, es ist erst 15:00 Uhr und standardmäßig beschränkt sich unser Urlaubstagesablauf eh nur auf ein sättigendes Frühstück und ein warmes Abendessen.  Rufous-throated Tanager  (Ixothraupis rufigula)  Rostkehltangare Tagesabschluß  Während der ganzen Zeit unseres Aufenthalts waren lediglich die indische Birder Group und wir beiden dort anwesend. Parkraum wäre noch für ein paar weitere Fahrzeuge gewesen und auch der Beobachtungsplatz hätte noch für ein paar mehr Menschen gereicht. Im Nachhinein scheint uns die ganze vorherige Aufregung überflüssig gewesen zu sein, denn wir wären wahrscheinlich auch ohne Anmeldung willkommen gewesen. Wir haben den Nachmittag dort jedenfalls sehr genossen, bedanken uns beim Abschied freundlich für die Gastfreundschaft bei Dora und empfinden die knapp 28 €, die wir für uns beide zahlen müssen, als sehr angemessen. Obwohl die Rückfahrt nach Cali problemlos verläuft und wir am Abend im Hotelrestaurant unseren Hunger stillen, endet der Tag für mich leider etwas unschön. Keine Ahnung, was es ist, – die Anpassung an die lokale Küche schien eigentlich abgeschlossen zu sein –  mit irgendetwas muß ich mir wohl nachhaltig den Magen verdorben haben, so dass ich die Nacht die wenigste Zeit im Bett, sondern im Bad verbringe.  Green-crowned Brilliant  (Heliodoxa jacula)  Grünstirn-Brillantkolibri
Respire con tranquilidad  Ich habe eine gruselige Nacht hinter mir und während Maren alleine zum Frühstück geht, bleibe ich erst mal im Bett liegen, denn etwas Essbares mag ich meinem Magen noch nicht wieder zumuten. Netterweise macht Maren mir einen Extraktkaffee auf dem Zimmer als sie zurückkommt und mit ein paar Keksen bin ich dann auch wieder leidlich startbereit. Das Auto ist dann schnell beladen, Cali zu verlassen dauert beim Berufsverkehr aber ewig. Noch vor drei Tagen hatten wir eine WhatsApp der Reiseagentur empfangen, die uns vor möglichen Behinderungen auf der Weiterfahrt nach Popayán warnte. Wegen des aktuellen Wahlkampfes hatte die indigene Volksgruppe der Misak Demonstrationen auf dieser Strecke angekündigt, um ihrem Recht auf Selbstverwaltung Nachdruck zu verleihen. Glücklicherweise traf uns das nicht, aber auch der 'normale' Wahnsinn des kolumbianischen Straßenverkehrs mit unzähligen Baustellen, LKWs ohne Ende und Scharen von Motorradlern, welche die Schilder, nach denen "Zig-Zag de Motos entre Carros" verboten ist, weder gelesen noch beherzigt hatten, reichte völlig aus, die knapp 140 Kilometer lange Strecke zu einer vierstündigen Tortur zu machen. Franziskanergarten  Unser Hotel entpuppt sich als ehemaliges Kloster und weist zur Straße hin lediglich einen schmiedeeisernen Zaun mit Tor auf. Es parken andere Autos auf der gegenüberliegenden Straßenseite, so dass wir uns erst einmal dazustellen und dann durch Tor und Vorhof die Rezeption aufsuchen. Wir haben alles richtig gemacht, ein Angestellter hilft uns, das Gepäck zur Anmeldung zu rollen und nach der Beschreibung – dreimal rechts abbiegen und dann in die Einfahrt – finden wir auch problemlos den Parkplatz auf der Rückseite. Durch den Kreuzgang geht es zur Rezeption zurück, zwei Koffer sind schon auf dem Zimmer und den letzten nimmt der nette Angestellte auch noch mit. Das Zimmer im 1. Stock hat die Ausmaße einer klösterlichen Kemenate und eine ähnliche Ausstattung, leider schauen wir nur auf den kahlen Vorhof und die betriebsame Calle 4. Man braucht aber nur auf den Gang zu treten, um einen prächtigen Blick auf den Innenhof zu haben. Iglesia de San Francisco  Ich habe immer noch ein wenig mit meinem Kreislauf zu tun und verbringe den Rest des Nachmiitags mit Faulenzen auf dem Bett. Maren geht auf Klosterbesichtigung, schreibt nach der Rückkehr ein paar Mails und tätigt Heimatanrufe, u.a. an die Mutter, die zu Hause unsere Reise auf einer extra ausgedruckten Karte mit den Orten und Terminen verfolgt. Um 18:30 Uhr begleite ich Maren zum Abendessen, bin mir aber noch nicht sicher, ob ich überhaupt etwas esse. Ich entscheide mich für zwei Vorspeise-Empanadas und gönne Maren herzlich ihr leckeres Steak. Wenn man nach der Belegung einiger Hotels geht, die wir bis jetzt auf unserer Reise frequentiert haben, könnte man den Eindruck bekommen, wir seien in Kolumbien fast die einzigen Touristen. Auch beim Frühstück am nächsten Morgen sind wir – wie am Vorabend – immer noch die einzigen Gäste auf der halboffenen Speiseterrasse. Streetfood  Das Personal ist sehr nett, es gibt nicht nur Kaffee, sondern auch köstliche heiße Schokolade, dunkles Brot (mit Rosinen, ganz ohne süß geht nicht), Obst, Müsli und natürlich die obligatorischen Eier. Da das Ganze aber als Buffet angeboten wird, kann Maren die mittlerweile überdrüssig gewordenen Hühnerfrüchte glücklicherweise auch weglassen. Da man hier sonst nicht viel unternehmen kann, beschließt Maren direkt nach dem Frühstück bei noch erträglichen Temperaturen einen kleinen Stadtbummel zu machen. Mir ist immer noch etwas schwiemelig zumute, weshalb ich mich entscheide, mich noch ein wenig in Gesellschaft meines Ebooks im Terrassenschatten zu pflegen. Als Maren um 9:00 Uhr aufbricht, tobt an und auf den Straßen bereits das Leben, überall stehen kleine ambulante Verkaufsstände mit Säften, Kokosnüssen, Fastfood, Zwirnrollen und allem, was man sonst noch zum Leben braucht – z.B. Zuckerrohrsaft aus frischer Zerschredderung, der Stand sieht aus, als sei eine alte Nähmaschine zum Antrieb für die Mühle umgebaut worden :-).
Ein Herz für Gäste  Maren schlendert bis zum nächsten "Park", geht alle sehenswerten Kirchen ab – leider sämtlichst geschlossen – und als sie sich gerade auf den Weg zur "Brücke der Demütigen" machen will, wird sie nahe der beherzten Popayán-Plastik von zwei Frauen angesprochen, die sie warnend darauf hinweisen, sie solle unbedingt vorsichtig mit ihren Kameras sein. Wir hatten uns, wie vor jeder unserer Reisen, mit den Gefahren und notwendigen Sicherheitsmaßnahmen vertraut gemacht, mit denen wir möglicherweise konfrontiert wären. Speziell für alleinreisende Mietwagenfahrer gelten in jedem der südamerikanischen Länder die gleichen Hinweise. In Kolumbien kommen allerdings durch immer noch bestehende Drogen- und Bandenkriminalität erhöhte Gefahrenpotentiale in einigen, grenznahen Landesteilen hinzu, die man als Tourist aber sowieso meidet. Wenn man also nicht gerade Anhalter mitnimmt, nicht mit teurem Kameraequipment dubioses Nachtleben erkunden will, Slums meidet und auch ansonsten die Augen offen hält, wird man in der Regel keine Probleme haben. Die einzigen Erfahrungen, die wir in knapp 20 Jahren Südamerika mit Kriminalität hatten, waren korrupte Polizisten in Peru. Toi, toi, toi... Morro del Tulcán  Auch Maren passiert hier nichts, selbst als sie weiter mutterseelenallein durch enge Gassen streift. Im Gegensatz zu heimischen Gefilden, in denen man heute jederzeit die Bekanntschaft Solinger Qualitätsprodukte machen kann und speziell Frauen mitunter als Freiwild betrachtet werden, herrscht im lateinamerikanischen Alltag noch ein zivilisierter Respekt gegenüber dem Mitmenschen, wie er unserer sogenannten Zivilgesellschaft leider weitgehend abhanden gekommen ist. Es ist inzwischen wieder recht warm geworden und obwohl der "Morro del Tulcán", ein in präkolumbianischer Zeit zwischen 1600 und 500 v.Chr. von einem indigenen Volk als Begräbnisstätte errichteter Hügel zum Ersteigen reizt, nimmt Maren davon Abstand, denn der Aufstieg ist einfach zu schattenlos und der Blick auf die Stadt auch von hier unten ganz schön. Ein Ort mit Geschichte  Überall gibt es Wandgemälde, aber auch politische Grafitti – offensichtlich lebt hier eine starke indigene Gemeinschaft, die mit der vorherrschenden politischen Richtung nicht konform geht, wie Maren den mitunter harschen Statements der Illustrationen entnimmt. In der ansteigenden Mittagshitze kommt Maren wieder zurück in die kühlen Klostermauern und leistet mir Gesellschaft im Terrassenschatten. Eine Bedienung kommt vorbei und wir nutzen die Gelegenheit, zwei kühle Fruchtsäfte zu bestellen, die wenig später mit der Bemerkung: "Zimmer 229?" bei uns abgestellt werden. Hmmm – sollten wir als einzige Gäste schon so prominent geworden sein? Am nächsten Morgen hat sich das Bild gewandelt. Der Speisesaal ist völlig verwaist, aber wie für eine Hochzeit festlich gedeckt. Ein zufällig vorbeieilender Page schickt uns Richtung Pool, wo heute morgen fürs Frühstück gedeckt ist und leider sind wir schon abgemeldet, gepackt und wieder im Auto, bevor wir unsere Nachfolgegäste in Augenschein nehmen können :-). Páramo  Mein Magen hat sich glücklicherweise wieder beruhigt und ich hoffe, dass dies nun das letzte Mal auf dieser Reise gewesen ist. Heute geht es zum südlichsten Ziel unserer Rundfahrt – nach San Agustín – und nachdem wir zügig aus Popayán herausgekommen sind, folgen wir auf der Straße 20 einer schönen und kurvigen Strecke durch eine ansteigende Berglandschaft. Bis auf 3000 m geht es hoch durch den Parque Nacional Natural de Puracé, einer Páramo-Hochebene mit den typischen Frailejónesfeldern. Leider wird 75 km vor dem Ziel die Straße zur asphaltfreien Schotter- und Schlaglochpiste. Höchstgeschwindigkeit 25 km/h. Wieder einmal sind wir über die Kreativität der Straßenschildermaler erstaunt – es ist nämlich offensichtlich verboten, Tapire zu füttern, außerdem soll man bitte die Geschwindigkeit reduzieren (!) und vorsichtig fahren, da sich massenweise Agutis, Nasenbären und Gürteltiere auf der Fahrbahn tummeln (?). Es gelingt uns, auf den gesamten 20 km nichts zu überfahren und sogar uns und das Auto heil über die Strecke zu bringen. An einigen Stellen sind Straßenbauer dabei, etwas Erde in die schlimmsten Schlaglöcher zu versenken – woher die Leute bei kompletter Abwesenheit irgendwelcher Ansiedlungen kommen, bleibt allerdings schleierhaft.  Frailejón (span.)  (Espeletia hartwegiana)  Gattungsname: Espeletia
Gut behütet  Die letzten 50 km nach San Agustín verlaufen bis auf einige Ortsdurchfahrten mit kuriosen Verkehrsführungen vergleichsweise ereignislos, wir finden dank Organic Maps sogar auf Anhieb einen Supermarkt mit eigenem Parkplatz in San Agustín zur Vervollständigung unserer Reisevorräte und haben jetzt nur noch einen kurzen Weg, bevor es auf einer langen, privaten Zufahrt hinunter zu unserem Hotel geht. Wir parken das Auto etwas unterhalb des runden, reetgedeckten Zentralgebäudes auf dem Parkplatz (als einziges!) und melden uns an der Rezeption zum Check-in mit Begrüßungscocktail. Alles verläuft erfreulich problemlos, ein Lastenmotorrad wird zum Parkplatz beordert, mit unserem Gepäck beladen und fährt vor uns her den steilen Weg zu diesem hübschen Bungalow hoch, unserem Aufenthaltsort für die nächsten drei Übernachtungen. Nah der Quelle  Die Hotelanlage ist außerordentlich schön angelegt, mit stilvollen Bungalows und einer tropischen Bepflanzung zwischen den teilweise steilen Wegen. Sie liegt am Hang einer Schlucht, an deren Grund ein unauffälliges kleines Flüßchen fließt und Maren macht sich, kaum dass wir eingezogen sind, auf einen Erkundungsgang in die Umgebung. Nicht lange und sie kommt begeistert wieder und berichtet von einer leicht zugänglichen, hölzernen Aussichtsplattforn, von der man einen fantastischen Blick in die Schlucht hat. Ich lasse mich überreden mitzukommen, schnappe mir die Kameras und wenig später habe ich den Río Magdalena nur etwa 50 km westlich seiner Quelle in einem Panorama eingefangen, 1570 km, bevor er als mächtiger Strom bei Barranquilla in die Karibische See mündet.  360°   Pano Der Wald der Statuen  Nach dem Frühstück um 8:00 Uhr, welches wir auf der Terrasse des Hauptgebäudes genossen haben, kehren wir kurz zum Bungalow zurück, verstauen Kameras und Getränke und entern unser Auto, welches immer noch allein auf dem Parkplatz steht. Heute geht es in den Archäologischen Park San Agustín, nicht nur eine der bedeutendsten archäologischen Fundstätten des amerikanischen Kontinents, sondern auch eine repräsentative Stätte des kolumbianischen Kulturerbes. Schon nach nicht einmal 10 min. haben wir die 5 km von unserem Hotel bis zum Parkplatz des Parks zurückgelegt, wir werden freundlich begrüßt und eingewiesen und nachdem wir die jeweils 75.000 $ für Ausländer bezahlt, unsere Berechtigungsbändzel am Arm befestigt und auf einen Guide egal welcher Sprache verzichtet haben, wandern wir los. Kein Skichampion...  ...obwohl der angedeutete Helm fast zu dieser Einschätzung verführt :-). Wir starten unseren Rundgang durch ein dicht bewachsenes, hügeliges Waldgelände, durch welches sich ein stellenweise steiler Rundweg zieht. Da wir noch früh dran sind, ist außer uns nur noch ein weiterer Besucher zu sehen, der ausgiebig die erste der am Wegesrand in Nischen aufgestellten Skulpturen betrachtet. Auch wir lassen uns Zeit und studieren die stellenweise angebrachten Erklärtafeln, die sich an einer Interpretation der dargestellten Motive versuchen, aber meist auch nur Ratlosigkeit dokumentieren.
Hinterlassenschaften  Seit etwa 3000 v. Chr. lebten in dieser fruchtbaren Region des magdalenischen Quellgebietes im kolumbianischen Südwesten schon kleine Gruppen von 15 - 25 Jägern und Sammlern, die neben frühen keramischen Artefakten Reste organischer Rohstoffe sowie Steinäxte und Pfeilspitzen hinterlassen haben. Grob behauen  Spätere Nachweise zeigen eine zunehmende Sesshaftigkeit mit kleinen Siedlungen in dem Zeitraum von 1000 - 600 v. Chr. und dem Anbau verschiedener Nutzpflanzen wie Mais, Bohnen, Quinoa, Maniok und Yamswurzel. Damals begann eine Begräbniskultur, bei der die Toten in kunstvollen Keramikgefäßen in Schachtgräbern beigesetzt wurden. Sehr kooperativ  Definitiv in der Neuzeit angesiedelt ist dieser Motmot, der mir in Salento entwischt war, hier aber seelenruhig zwischen den Skulpturen am Weg sitzt und sich sogar aus zwei Metern Abstand fotografieren läßt, weil ich natürlich das Tele nicht mit dabei habe.  Andean Motmot  (Momotus aequatorialis)  Hochlandmotmot Ruhe bitte!  So allein sind wir dann doch nicht, denn unüberhörbar schallen uns aus der Wegkurve voraus Gesprächsfetzen entgegen. Momente später quetschen wir uns an einer größeren Gruppe vorbei, die sich um einen laut dozierenden Erklärbären schart, um dann zu einem noch jungen, offensichtlich frisch verliebten Paar aufzuschließen, das noch langsamer ist als wir – dafür aber zehnmal so laut – und vor jeder Statue Selfies machen muß. Schließlich entscheiden wir uns für ein beherztes Überholmanöver und haben fortan unsere Ruhe.
Mesita B  In der Zeit bis 900 nach Christus wuchs die Bevölkerung in dieser Region immer stärker an und bildete Siedlungsstrukturen, die aus unabhängigen Häuptlingstümern von maximal etwa 200 Familien bestanden. Diese verteilten sich in Kleingruppen von jeweils 30 Familien um die Zentren der Häuptlingstümer, so dass die Struktur sehr ländlich blieb und kaum dörflichen Charakter aufwies. Erst später, als sich die Bevölkerung noch mehr verdichtete, entwickelten sich Zeremonialzentren, in denen regionale Begräbnishügel errichtet und schamanische Rituale ausgeführt wurden, bei denen man die sterblichen Überreste wichtiger Persönlichkeiten beisetzte. Nach dem Skulpturenwald erreichen wir mit "Mesita B" einen solchen Ort, ein größeres Areal, in dem auf einem partiell abgetragenen Hügel mehrere kleine, vor allem aber drei große Grabstellen freigelegt wurden. Die dortigen Skulpturen sind noch an ihren Originalplätzen vor den Gräbern erhalten. Eule oder Adler  Steinstatuen mythologischer Wesen kennzeichneten die Gräber. Die aus hartem Vulkangestein gefertigten Skulpturen zeugen nicht nur von der Entwicklung handwerklicher Techniken, sondern verweisen auf ein komplexes Glaubenssystem, welches sich in ihnen ausdrückt. Die Bildhauerarbeiten zeigen verschiedene Motive, deren genaue Bedeutung größtenteils unbekannt ist, sich aber meist den Mischwesen der Urwelt widmet, welche die Menschen glauben verloren zu haben. Grabdesign  Merkwürdigerweise finden sich in den untersuchten Gräbern relativ wenige herkömmliche Grabbeigaben. Die Keramiken sind wohl von eher derber Ausführung und das einzig Bemerkenswerte sind künstlerisch aufwendige Goldschmiedearbeiten, die den bestatteten Persönlichkeiten als Schmuck mitgegeben wurden. Ein typischer Grabhügel umfasste in der Regel stützende Steinplatten, einen Steinsarkophag, in dem der Leichnam beigesetzt wurde, sowie eine Anzahl der mythologischen Statuen, die ihn bewachten oder begleiteten. Zudem wurden Prozessionswege angelegt, um den Zugang für Andachten und Rituale zu ermöglichen. Der Jaguar,...  ...unschwer erkennbar an den vier scharfen Eckzähnen! Seltsamerweise verschwanden die letzten Vertreter der indigenen Hochkultur, die das Gebiet des Alto Magdalena besiedelten, zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert nahezu spurlos aus der Geschichte. Zur Zeit der spanischen Eroberung gab es hier niemanden mehr, dessen Herkunft einen hohen Zivilisationsgrad verraten hätte. Es dauerte deshalb auch bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, ehe erste spanische Entdecker die Region bereisten, von den Statuen berichteten und sie dem heiligen Augustinus zurechneten. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden viele der Statuen von ihren Fundplätzen entwendet und zum Teil in anderen Orten Kolumbiens aufgestellt.
Das Kind im Manne :-)  Erst im Jahre 1913 besuchte der deutsche Anthropologe Konrad Preuss als Gesandter des Anthropologischen Museums Berlin die Fundstätte und schaffte es, sowohl einen Teil der entwendeten Statuen zu identifizieren und diese, gemeinsam mit den noch im Areal befindlichen Skulpturen auf insgesamt 120 Fotografien abzubilden. Nach weiteren archäologischen und ethnologischen Forschungen wurde im Jahr 1935 der Archäologische Park San Agustín, der noch die beiden weiteren Fundstätten Alto de los Ídolos und Alto de las Piedras umfasst, offiziell gegründet. 1966 wurden große Teile der Fundstätte freigelegt und 1995 erhielt der Park den Status eines UNESCO-Weltkulturerbes. Anthropozoomorph  Einige Anthropologen haben versucht, die Bildersprache und Ausdruckselemente der Skulpturen zu analysieren und Ähnlichkeiten zwischen diesen und den rituellen Handlungen heutiger indigener Gruppen aufzudecken. Einige Elemente und Motive wie Federkronen oder fliegende Vögel über den Köpfen und Stirnen können den schamanischen Flug der Heilung oder die Kommunikation mit Geistern symbolisieren. Figuren mit sowohl anthropomorphen wie auch zoomorphischen Merkmalen könnten auf die Fähigkeit der Gestaltwandlung der dargestellten Person hinweisen. Insgesamt scheint die Annahme jedenfalls naheliegend, dass verwandte rituellle Strukturen Jahrhunderte überdauern. Der Laubfrosch  Wir erreichen nach Mesita B den zweiten der drei Grabungshügel, Mesita C und haben damit in etwa die Hälfte des Rundweges hinter uns. Als wir uns aber auf den Rückweg machen wollen, spricht uns einer der Parkwächter an, deren Job es ist, an jeder der Mesitas Aufsicht zu führen und Auskunft zu geben. Er legt uns dringend ans Herz, unbedingt noch die 100 m zur "Fuente de Lavapatas" zurückzulegen, sie sei sehr sehenswert. Maren läßt sich überreden, ich mich allerdings nur bis zur nächsten Bank am steilen Abstieg, denn ich müßte ja schließlich dort auch wieder hoch... Auf halbem Weg bergab wartet dieser grün bemooste Frosch (oder diese Kröte?) darauf, von Maren fotografiert zu werden, was sie auch pflichtschuldigst erledigt. Fuente de Lavapatas  Wenig später erreicht Maren die Lavapatas Quelle, ein Steinmonument ohne irgendwelche Grabbezüge. Erst 1937 entdeckt, sprudelt das Wasser direkt aus dem Lavagestein rechts im Bild über zwei kleine Stürze in einen Komplex aus Kanälen und Becken, in welche die frühen Bewohner Reliefs von Menschen- und Tierfiguren geschnitzt haben. Man geht mit Sicherheit davon aus, dass es sich auch hier um einen heiligen Ort gehandelt hat, der religiösen Zeremonien und rituellen Bädern gewidmet war.
Schutzobjekt  Aufgrund des doch sehr flachen Betrachtungswinkels lassen sich die einzelnen Figuren und Bilder für den Besucher nur sehr eingeschränkt nachvollziehen. So soll der Verlauf des Wassers zwischen dem vulkanischen Tuffgestein sehr sorgfältig über verschiedene Kanäle in kleine Teiche geleitet worden sein, was dieser Quelle den Charakter einer Großskulptur verlieh, mit einer ganz eigenen Dynamik und Geräuschen. So richtig läßt sich diese romantisierende Schilderung nicht nachvollziehen, zumal inzwischen die Großgruppe eingetroffen ist und die Dynamik samt Geräuschen sich mehr auf die angeschlossene Cafeteria verlagert. Immerhin fühlt sich das ICANH zur Erstellung eines Notfallplans veranlaßt, welcher mit wissenschaftlicher Forschung geeignete Methoden entwickeln soll, der Fragilität des Steins präventive Konservierungsmaßnahmen entgegenzusetzen, um die Skulpturen gegen Wasserverschmutzung und den natürlichen Verfallsprozess zu schützen. Wobei ich mich frage, wie 'Wasserverschmutzung' bereits in Quellwasser vorgedrungen ist? Mesita A  Weil Maren die Fotokamera mit zur Quelle hinuntergenommen hat, bleibt mir nur die Beobachtung eines hübschen Schmetterlings, während ich wartend auf der Bank ausharre. Spätestens, als die große Gruppe bei mir vorbeistapft, ist auch der Schmetterling verschwunden. Dafür taucht meine Frau auf dem steilen Weg wieder auf und wir halten uns auf dem Rückweg nun rechts, um noch die letzte der drei Hügelausgrabungen zu passieren. Deutlich kleiner als Mesita B gibt es aber auch hier Einblicke in die Grabstrukturen mit einer genauen Rekonstruktion der Aufstellung und Anordnung der Skulpturen – so wie sie vorgefunden wurden. Häuptlingshügel  Im Gegensatz zu Mesita B fanden sich in Mesita A Hinweise auf eine sehr lange zurückliegende Siedlungsgeschichte, mit Spuren verschiedener Haushalte, sowie handwerklicher Aktivitäten wie Töpferei und Goldschmiedekunst. Zudem gab es neben den hochstehenden Persönlichkeiten vorbehaltenen Grabhügeln eine große Anzahl einfacher Grabstellen. Wir sind jetzt gute 4 Stunden unterwegs, mittlerweile auch schon etwas durchgeschwitzt und haben nichts mehr dagegen, den Rest des Nachmittags im Hotel zu verbringen. Zwischen Stengeln  Waren die bisherigen Wegabschnitte zwischen den Mesitas mit tropischem Mischwald bewachsen, geht es auf den letzten Metern Richtung Eingang, Museum und Parkplatz durch einen reinen Bambuswald. Auch wenn wir diese Pflanzen schon vielfach gesehen haben, sind wir von der Statik dieser langen Stengel immer wieder beeindruckt.
Blauauge  Auch wenn es auf dieser Aufnahme nicht mehr hundertprozentig verifizierbar ist, schwört Maren Stein und Bein, dass dieser grüne Käfer, der unseren Rückweg kreuzt und den man auf den ersten Blick glatt mit einer heimischen Eichel verwechseln könnte, die hübschesten blauen Augen hat, die sie je bei einem Käfer sah :-). Ich will mich da nicht so festlegen, finde diesen der hochandinen Gattung  Platycoella  angehörenden Käfer aber schon deswegen bemerkenswert, weil er 62 weitere Schwesterarten hat, die alle nicht nur sehr ähnlich aussehen, sondern bis in Höhen von 5000 m selbst in eisigen Lagen überleben. Respekt!   Platycoelia valida Hab' ich dich!  Wir sind zurück in unserem Bungalow im Hotel und haben die Terrassentür noch geöffnet. Draußen lärmen einige Vögel zwischen den Bäumen herum und Maren meint, sie hätte schon am Morgen, nach dem Frühstück, einige verdächtige gelb-grüne Flitzer vom Weg aus gesehen. Die Telekamera liegt noch bereit und Augenblicke später sind wir draußen auf dem Weg. Tatsächlich toben hier doch zwei oder drei Grünhäher lautstark zwischen den Palmen herum und glücklicherweise so zuvorkommend und nah, dass ich ihnen ihre Unkooperativität in Jardín verzeihe. Die Verbreitung dieser Art ist recht skurril. Es gibt sie, aufgeteilt in insgesamt 13 Unterarten, in Texas, Mexiko, Guatemala, Belize und Honduras, sowie in Kolumbien, Venezuela, Ecuador, Peru und Bolivien. In Nicaragua, Costa Rica und Panama fehlt sie hingegen.  Inca Jay  (Cyanocorax yncas)  Grünhäher, Inkahäher od. Inkablaurabe Beifang  Ein ruhiges und unauffälliges Vögelchen kommt gänzlich unbeabsichtigt noch mit auf den Sensor, denn ich hätte es nie entdeckt, wäre ich nicht auf der Suche nach den Grünhähern gewesen. Mit der Ruhe ist es leider bald vorbei. Schon heute morgen  war uns beim Frühstück im Restaurant ein Bühnenaufbau mit schallmächtigen Verstärkerboxen aufgefallen, der jetzt unüberhörbar ab 15:00 Uhr seine Arbeit aufnimmt. Es muß ein Geburtstag oder eine Hochzeit sein, denn in den Gesangspausen des bandbegleiteten Gitarrenkünstlers tönen Ansagen und lautstarkes Publikumsecho über das Gelände. Nun sind lateinamerikanische Schmachtfetzen nicht so unser Ding und Maren ist wegen der wirklich aufdringlichen Lautstärke kurz davor sich zu beschweren, als es nach drei Stunden um 18:00 Uhr dann doch endlich vorbei ist mit der Performance und nur noch ab und zu schallt ein verhaltenes Lachen herüber.  Ochre-bellied Flycatcher  (Mionectes oleagineus parcus)  Ockerbauchpipratyrann Alto de los Ídolos  Für heute haben wir uns die beiden anderen Begräbnisstätten im Umkreis San Agustíns vorgenommen, für die wir allerdings wieder zurück in die Gemeinde Isnos fahren müssen. Leider spielt Organic Maps wieder ein bißchen verrückt und schlägt uns im Ort wieder einmal eigenartige 'Abkürzungen' vor, die mehrfaches Umrangieren erforderlich machen. Nach ca. 30 km haben wir aber den Komplex "Alto de los Ídolos", die Höhe der Idole erreicht, werden an der Kasse freundlich begrüßt mit nachdrücklichen Empfehlungen ihrer Cafeteria, wo man Kaffee, Säfte, Kuchen... Wir lehnen genauso freundlich ab und nachdem wir unsere Armbändzel vorgezeigt haben, die uns nach der gestrigen Bezahlung für alle drei Stätten legitimieren, dürfen wir uns auf den sehr schön bepflanzten, gepflasterten und zu meinem Leidwesen mal wieder stetig bergaufführenden Weg machen. Nach 300 m erreichen wir ein großes Wiesenareal, wo neben den ersten drei Statuen ein Aufpasser die Anlage bewacht.
Bunker on the green  Nach meinem Dafürhalten müssen die Menschen der Magdalena-Kultur große Golfspieler gewesen sein – wer baut sich sonst so ein Areal? Nach den Mesitas von San Agustín weisen die beiden Hügelgruppen, die wie die Schenkel eines Hufeisens die große flache Terrasse umfassen, insgesamt sieben Grabhügel mit 23 Statuen auf. Wir haben die Anlage an der Einbuchtung des Hufeisens betreten und wenden uns zuerst nach links, Richtung Nordosten, wo wir uns die ersten Grabhügel ansehen. Mann mit Schale  Erst hinterher erfahren wir, dass wir auf der nordöstlichen Seite mit Meseta B (hier heißen die Stätten tatsächlich "Meseta", nicht "Mesita", wie in San Agustín!) angefangen haben, der Hügelkette, die lediglich zwei Gräbergruppen aufweist. Das stört uns aber nicht weiter, denn bereits unter dem zweiten Schutzdach steht wieder eine der beeindruckenden Steinmetzarbeiten, die gut und gerne zwischen 1500-2000 Jahre auf dem Buckel haben. Auch diese Grabhügelkette wurde wie der Parque Arqueológico San Agustín erstmalig von dem deutschen Archäologen Konrad Preuss im Jahre 1931 gründlich erforscht und beschrieben. Froschmann  Wir verlassen die erste aus zwei überdachten Gräbern bestehende Gruppe und gehen weiter in Richtung auf das beidseitig von Bäumen eingerahmte Hügelende von Meseta B. Hier gibt es einige sehr sehenswerte Ausgrabungen, die mit Steinplatten umfasste Gräber zeigen, welche mit kunstvollen amphibischen Skulpturen abgedeckt sind. Handarbeit  Eine weitere, noch größere Ausschachtung zeigt neben zwei Gräbern ein bemerkenswertes Steinkrokodil. Die Gräber auf dieser Seite des Hügels sind im Vergleich zu denen auf der anderen Seite relativ einfach gehalten und fallen lediglich durch ihre Ausdehnung und die großen Tierskulpturen auf. Auch wenn man heute weiß, dass es sich bei diesen Orten nicht nur um Begräbnisstätten, sondern um zeremonielle und rituelle Begegnungsstätten handelte, an denen die Menschen zusammenkamen, die in der Spätzeit der Kultur zahlreich in den umliegenden Siedlungen lebten, ist es doch erstaunlich, wie groß die Leistung und die Manpower gewesen sein muß, sowohl die Terrasse, wie auch die beiden Hügelgruppen künstlich anzulegen.
Nebenan der Dschungel  Der ganze Hügel ist eingefasst von dichtem Dschungel. Wenn man sich auf dem von gepflegtem Rasen bedeckten Areal aufhält – welches heutzutage sicherlich mit Mähmaschinen in Schuss gehalten wird – erscheint alleine schon die Rodung und Pflege der zeremoniellen Anlage unter den herrschenden klimatischen Bedingungen als eine große kulturelle Leistung. Vom Rand des Hügels Meseta B kann man einen kleinen Abschnitt des Meseta A Hügels erkennen, zu dem wir jetzt auch noch hinüber wollen. Kulturpark  Erst eine wissenschaftliche Kommission unter Leitung von Duque Gómez und Cubillos aus dem Jahr 1970, bei der die gesamte Stätte vermessen und die Restaurierung zum heutigen Erscheinungsbild organisiert wurde, unterschied und benannte die zwei Mesetas A und B, von denen jede aus mehreren separaten Hügelchen besteht. Wir gehen zurück über die Zentralterrasse, auf der uns jetzt eine vielköpfige Schulklasse (wahrscheinlich eher zwei oder drei Klassen, weil auch von unterschiedlichem Alter) entgegenkommt. Die Kinder sind fröhlich, rufen uns laut "Hola" und "Buenos días" zu, eine Betreuerin versucht es bei mir mit "Good morning" und als ich mit "Guten Morgen" antworte, hat sie unter Lachen offensichtlich zwei weitere Worte Deutsch gelernt, denn sie entgegnet, mehr versuchsweise: "vielen Dank" :-). Grabesstille  So groß ist das Gelände, dass wir die durchaus quirlige Kindergruppe bisher noch gar nicht bemerkt hatten, waren sie doch mit ihren Betreuern zwischen den Gräbern von Meseta A vom Eingang aus fast unsichtbar. Zufälligerweise machten wir uns nun gleichzeitig auf, die jeweils andere Seite zu besuchen, für uns mit dem Vorteil, auch diese Gräber nun in aller Ruhe betrachten zu können. Softeis für den Häuptling  Zur Begeisterung der Archäologen sind im Alto de los Ídolos nicht nur die Figuren und Grabelemente sehr gut erhalten geblieben, sie zeigen im Gegensatz zu den Ausgrabungen im Parque Arqueológico San Agustín auch teilweise gut erhaltene polychrome Oberflächen, die erahnen lassen, dass sowohl die Grabkorridore, wie auch die Skulpturen früher durchaus farbig verziert waren.
Anders im Detail  Trotz der Ähnlichkeiten zwischen den drei bedeutenden archäologischen Stätten, haben Fachleute doch offenkundige Unterschiede entdeckt. So weisen die Mesitas von San Agustín erheblich mehr Denkmäler auf als Los Ídolos, dafür sind hier die Grabgestaltung, die Ausführung der Sarkophage und die feingearbeiteten Sargabdeckungen etwas anders ausgeführt. Für die jeweiligen Gemeinschaften hatten die Orte eine große zeremonielle Bedeutung und eine Menge von Aktivitäten der herrschenden Großfamilien fanden hier statt. Erdbebensicher  Man nimmt deshalb an, dass die Bevölkerungsdichte der drei Zentren im Laufe der Jahre auf jeweils mehrere tausend Menschen anwuchs, die in ähnlichen, aber politisch unabhängigen Siedlungsgruppen lebten, unter denen möglicherweise sogar Rivalitäten bestanden. Diese Gesellschaften – die anthropologisch tatsächlich als Häuptlingstümer bezeichnet werden – und die organisatorischen Veränderungen, die in ihnen stattfanden, sind heute nach wie vor Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Tschüss, Jungs!  Auch an der letzten Grabstelle, die sich in ihren Farbtönungen wirklich deutlich von den Figuren in San Agustín unterscheidet, finden sich anthropozoomorphe Figuren neben solchen rein menschlicher Erscheinungsform. Da diese Stätte erheblich kleiner ist als der gestrige Park – und in ihren Details durchaus unterschiedlich – haben wir hier nach knapp anderthalb Stunden alles gesehen. Der Koloss von Ídolos  Halt! Noch nicht alles! Gesehen zwar schon, aber noch nicht gewürdigt. Denn ganz alleine steht zentral unten auf der Wiese ein 7 Meter hoher Koloss, dessen Größe man erst richtig zu schätzen weiß, wenn man seine Reiseleitung daneben postiert. Bergab meistere ich die Steigung (oder sagt man: das Gefälle...?) zum Eingang ganz überlegen, wir lassen erneut die Versuchung eines Kaffees in der Cafeteria an uns abperlen und programmieren zügig Organic Maps auf "Alto de las Piedras".
Alto de Las Piedras  Lediglich 10 km von Alto de los Ídolos entfernt liegt auf der Ostseite von Isnos die Gemeinde Huila. Erstaunlicherweise finden wir diesmal auf Anhieb den direkten Weg durch Isnos hindurch und parken schon wenig später auf dem kleinen Parkplatz des Parque Arqueológico Alto de Las Piedras ein. Wahrscheinlich überflüssig zu erwähnen, dass wir wieder die einzigen Besucher sind. El doble yo  Auch hier werden wir nach dem Vorzeigen unserer Handgelenksverzierung freundlich durchgewunken und nach einem kurzen, steilen Anstieg stehen wir auf einem kleinen Hügel, der durch Terrassierung und künstliche Aufschüttung eine Halbmondform erhielt. Gleich als erstes begrüßt uns das "Doppelte Ich", eine Figur, die nicht nur zwei übereinandergesetzte Köpfe mit jeweils menschlichen und tierischen Attributen zeigt, sondern auf der Rückseite auch noch einen vom oberen Kopf herabfließenden 'Haarschmuck' aufweist, der auf Pohöhe in den Oberkörper und das Gesicht eines reptilischen Tierwesens übergeht. Lieber allein  Es dauert nur Sekunden, bis uns der verantwortliche Wachmann ausgemacht hat, der jetzt von dem am Rande des Geländes liegenden Wohnhaus herbeieilt und uns ebenfalls freundlich begrüßt. Offensichtlich des Englischen nicht so richtig mächtig, legt er nach Freigabe durch Maren auf Spanisch los, uns die Geschichte dieses Fundortes und im Speziellen der dreigesichtigen Figur, die er für einen Schamanen hält, näherzubringen. Nur schwer gelingt es uns, seinen Redefluß zu stoppen und wir schaffen es auch dankbar lächelnd, ihn davon zu überzeugen, dass wir uns den Rest der Anlage gerne alleine anschauen würden. Rebusrätsel  Es war ebenfalls der deutsche Anthropologe Konrad Preuss vom Anthropologischen Museum Berlin, der 1914 als Erster diese Fundstelle wissenschaftlich untersuchte und vermaß. Auf dem Hügel, der ursprünglich Gallineros hieß, nach einem naheliegenden Bach, verteilen sich entlang eines etwa 350 m langen Rundkurses 4 Grabhügel, um die insgesamt 11 Statuen angeordnet sind. In diesen Grabhügeln befinden sich jedoch keine großen Monumentalgräber, sondern korridorähnliche Gänge aus Steinplatten, an denen mehrere kleine Gräber angeordnet sind.
Pausbacke  Nach allgemein zugänglichen Informationen herrscht ziemliche Ratlosigkeit, welche zeremonielle Bedeutung die zahlreichen Skulpturen für die spurlos verschwundene Hochkultur des Magdalena Tals hatte. Dass die Tier-Mensch-Mischwesen rituelle Funktionen im Rahmen schamanischer Rituale einnahmen und Sinnbilder ihres Glaubenssystems darstellten, läßt sich anhand zeitgenössischer Parallelen zu heutigen indigenen Praktiken nachvollziehen. Ob aber die rein menschlichen Figuren Abbilder ehemaliger Häuptlinge und Schamanen sind, deren Physiognomie ein Spiegelbild ihrer Persönlichkeit sei, wie uns der Wachmann zu Beginn wortreich erklärte, erscheint uns zumindest zweifelhaft :-). Nationaldenkmal  Insgesamt 9 Gräber haben wir, verteilt auf die 4 Grabhügel, gezählt als wir nach einer guten Stunde die Runde abgeschlossen haben. In der Tat sind an dieser kleinsten der drei Zeremonialzentren noch die deutlichsten Reste ehemaliger Farbaufträge und auch ornamentativer Steinritzungen und -bilder zu erkennen. Der Nationale Archäologische Park von San Agustín als größte und bedeutendste Nekropole Südamerikas steht seit 1931 als öffentliches Kulturgut unter staatlichem Schutz und wird seit 1952 vom Instituto Colombiano de Antropología e Historia (ICANH) verwaltet. Seit den 1930er Jahren erwarb der kolumbianische Staat nach und nach Ländereien, um den späteren, zusammenhängenden Archäologischen Park von San Agustín bilden zu können. Seit 1993 ist er kolumbianisches Nationaldenkmal und seit 1995 UNESCO Weltkulturerbe. Abgekühlt  Wirklich beeindruckt von den letzten beiden Tagen verlassen wir das schön angelegte Gelände, auf dem wir bis zuletzt auch allein geblieben sind und machen uns auf den Rückweg nach San Agustín. Es ist – trotz des teilweise bedeckten Himmels – schwülwarm und als wir im Hotel ankommen, sind wir uns einig, das heutige Abendessen ausfallen zu lassen und es stattdessen mit einer ausgedehnten Kaffeetafel zu kompensieren. Neben Creme Brulée, Brownie, einer Portion Eis (2 Kugeln, für Maren) und einer zweifachen Portion (4 Kugeln, für mich...), ordern wir zusätzlich zwei "doppelte Americanos", die sich aber leider nicht als doppelte Menge schwarzen Kaffees, sondern als halbe Menge in doppelter Stärke erweist. Auch, dass das Eis ausschließlich Vanille ist, macht nichts – schön von innen gekühlt hat es trotzdem. Faltenreich  Heute stehen wir schon um 6:00 Uhr auf, denn eine lange Strecke wartet auf uns. Bereits eine dreiviertel Stunde später sind wir beim Frühstück, kurz danach löst Maren uns aus und bittet um das Lastenmotorrad, um die bereitgestellten Koffer von unserer Bungalowveranda abzuholen. Wir gehen mit dem Handgepäck schon zum Auto und nur wenig später erreicht uns – nein, nicht das Motorrad! – sondern ein kräftig gebauter Mitarbeiter mit dem schwersten unserer Koffer auf der Schulter. Kein Problem, meint er, verschwindet und ist kurz darauf mit dem Rest unseres Gepäcks da. So war das eigentlich nicht gedacht und wir bedanken uns mit einem fürstlichen Trinkgeld. Die Strecke nach Norden ist wie immer, Baustellen und LKW, so dass wir für die 270 km nach Villavieja tatsächlich 5½ Stunden brauchen. Wir haben hier heute nur eine Übernachtung, so dass der Nachmittag schon verplant ist mit der Besichtigung einer der wenigen landschaftlichen Höhepunkte, die wir auf unser fünfwöchigen Autotour streifen – der roten Tataccoa-Wüste!
Wir sehen Rot  In Villavieja angekommen, erreichen wir zwar unser Hotel, können aber nur an einer gegenüberliegenden Straßenecke parken, weil sich die Unterkunft innerhalb eines Quarrees polizeilich abgesperrter Straßen befindet. Warum, weiß kein Mensch, der versprochene Parkplatz auf dem Gelände bleibt uns verwehrt, aber immerhin können wir an der Straßenecke stehen bleiben. Wir checken ein, das Zimmer ist recht überschaubar und es ist sehr warm darin, aber immerhin gibt es eine Klimaanlage. Leider trotz Doppelzimmer auch nur ein Handtuch, was wir – nachdem wir unseren Flüssigkeitspegel aufgefüllt haben – auch umgehend an der Rezeption reklamieren. Dann sind wir auch schon wieder draußen und praktischerweise gleich auf der richtigen Straße, die uns in die Wüste führt.  360°   Pano Das Kaktusreich  Begleitet von teilweise riesigen Kakteen verändert nach nur 5 km Fahrt die umliegende Landschaft komplett ihr Gesicht. Wo eben noch Felder mit Weidekultur vorherrschten, geht es über in karstigen Wüstenboden von einer ungewöhnlichen roten Farbe. Leider ist es heute durchgängig bewölkt, wir können uns aber auch so vorstellen, dass die enthusiastischen Beschreibungen, die das hiesige Farbenspiel bei Sonnenlicht, speziell bei untergehender Abendsonne schildern, nicht überzogen sind. Die Piste besteht aus dem gleichen rötlichen Kies und man ist dankbar, das es hier geographisch bedingt äußerst selten regnet, denn sonst könnte die Fahrt recht schlammig werden. Wir nehmen die erste Gelegenheit wahr und halten in einer Straßenbucht, von der man nicht nur einen guten Panoramablick auf die ersten Sandsteinformationen hat, sondern auch auf einer großen Bildtafel über das ökologisch vorbildliche Verhalten im Park belehrt wird. Ein Werk des Windes  Ehedem ein Meer, verdankt die 330 km² große Tatacoa-Wüste ihre Entstehung einer Hebung der Zentral- und Ostkordillere der Anden vor Millionen von Jahren. Dadurch in den Wetterschatten der beiden Gebirgszüge geraten, trocknete die am Fuß der Ostkordillere gelegene Landschaft aus und hinterließ einen Sedimentboden im Tal des Magdalena Flusses, der durch Wind und Schmirgelerosion dieses bizarre Aussehen erhielt. Den Namen verdankt die Wüste einer inzwischen ausgestorbenen Schlangenart und bedingt durch den Nahrungsmangel überleben hier nur wenige, kleinere Tierarten. Stippvisite  Als touristische Attraktion haben sich entlang der Wüstenpiste sowohl Unterkünfte, als auch Restaurantbetriebe angesiedelt. Erstaunlicherweise gibt es auch vier astronomische Observatorien, die von der guten Durchsichtigkeit der trockenen Luft profitieren. Ob dies rein wissenschaftlich arbeitende, oder auf touristische Nachfrage ausgerichtete Einrichtungen sind, haben wir während unseres nur kurzen Aufenthalts nicht herauskriegen können. Interessant wäre es sicherlich auch gewesen, man hätte mal ein paar Abstecher zu Fuß auf den zahlreichen Wanderpfaden in diese skurrile Landschaft machen können, aber auch dies kommt zeitlich leider nicht in Frage.  360°   Pano
Wehrhaft  Der Himmel sieht sehr bedrohlich aus und wir befürchten bei dem schwülwarmen Klima, womöglich widerwillige Zeugen eines Ereignisses zu werden, welches in dieser Wüste ja eigentlich gar nicht vorkommen soll: einem Wolkenbruch. Das Wetter reißt sich aber zusammen, so dass wir uns auch den eher kleinen Vertretern der Kakteenzunft widmen können, die hübsch rosafarben blühend neben der Straße wachsen. Maren hat zu Hause einen Verwandten, der zwar etwas schlanker und länger gewachsen ist, aber genau den gleichen weißen Puschel mit einem Kranz rosa Blüten ausbildet.   Melocactus curvispinus Es geht auch preiswert  Nahezu unmerklich ändert sich das Erscheinungsbild der Wüste. Das Sediment wird weiß-grauer und auch die Formen, die der Wind geschliffen hat, sind nicht mehr so faltenreich, sondern bilden eher weiche und runde Hügel. In der Straßenkarte sind gelegentlich Miradors, Aussichtspunkte, eingezeichnet, die sich beim Vorbeifahren als eingezäunte Gastbetriebe mit Aussichtsterrassen erweisen, welche nur gegen Eintrittsgeld oder Verzehr Einlass gewähren, aber heute offensichtlich mangels Andrang geschlossen sind. Es muß also saisonal bedingt auch stärkeren Auftrieb in der Wüste geben, heute allerdings begegnen uns auf unserem 30 km Ausflug maximal drei Fahrzeuge. Das kostenpflichtige Aussichtsobjekt läßt sich übrigens ein paar Meter weiter vom Straßenrand aus genauso gut betrachten :-). Spuren im Flussbett  Irgendwann teilt sich die Straße, wir haben damit nach der Karte den größten und interessantesten Teil der Wüste durchquert, aber auf dem breiten Grasstück neben der Piste, auf dem wir wenden, halten wir ein weiteres Mal, denn hier breitet sich das vielfarbige, formenreiche Gelände noch einmal sehenswert aus. Dieses Panorama schreit einfach nach einer abschließenden Luftaufnahme und interessiert erkennt man nun, dass gelegentlicher Niederschlag zwischen orangegepuderten Hügeln offensichtlich doch die Kraft aufbringt, flache Flussbetten zu hinterlassen.  360°   Pano Jeder Tropfen zählt  Wir ahnen noch nicht, dass wir hautnah am nächsten Morgen in unserem Hotel erfahren, wie wasserreich sich ein schweres Gewitter in dieser Gegend entladen kann. So ein Unwetter bleibt dann sicherlich nicht nur auf den 10 km entfernten Ort beschränkt, sondern lädt ein bißchen davon auch in der Wüste ab, denn selbst wenn die kargen Bäumchen am Flussbett nur wenig Wasser benötigen – ein bißchen mehr als die genügsamen Kakteen brauchen wird es schon sein.
Muchas gracias  Hier, an diesem Ort, von vorne aufgenommen, so dass man die dick von Staub bedeckten Flanken nicht so sieht, ist eine gute Gelegenheit, unserer Hybrid-Kutsche mal ein herzliches Dankeschön auszusprechen. Anfangs etwas mißtrauisch, weil wir uns noch nie einem elektrisch angetriebenen Vehikel anvertraut haben (und ohne Not auch nie hätten!), waren wir doch überrascht, wie alltagstauglich zumindest ein E-Mobil sein kann, wenn die Batterie vom Verbrenner aufgeladen wird. Keine Sorge wegen irgendwelcher Ladestationen oder Steckdosen, aber bei Bedarf ein leistungs- und durchzugsstarker E-Motor, welcher gerade bei den kolumbianischen Verkehrsverhältnissen mit seinen notwendigen, aber oft abenteuerlichen Überholmanövern von unschätzbarem Wert gewesen ist. Der Wechsel zwischen den Antriebsarten erfolgt erfreulich gut und automatisch, uns stellt sich allerdings die Frage nach dem effektiven Umweltnutzen, denn der schwere Panzer verbraucht mit ca. 60 Ltr. auf ~800 km nicht weniger Benzin, als ein leichterer, reiner Verbrenner. Trotzdem KIA, muchas gracias! Disclosure Day  Waren wir auf dem Hinweg noch abgelenkt und hatten diese kolumbianische Area 51 komplett übersehen, haben wir zumindest auf dem Rückweg noch unsere unheimliche Begegnung der dritten Art. Groß scheint der Andrang aber auch bei den Außerirdischen nicht zu sein, denn trotz des offenen Tores läßt sich weder Mensch noch Alien sehen. Zugegebenermaßen ist aber der Landeort gut gewählt, denn wo würde man eine solch exotische Begegnung eher erwarten, als in einer Umgebung, die alle Attribute einer Fremdplanetenlandschaft aufweist. Schade, sonst keine Freunde von Selbstpräsentationen, hätten wir doch gerne zwei Selfies mit unseren intergalaktischen Freunden in unser Album aufgenommen. Love to all!  Auch die Einheimischen scheinen den fremden Wesen wohlgesonnen zu sein, denn direkt gegenüber des Landeorts versichert diese Botschaft friedliche Koexistenz samt eines offenen Angebots interplanetarischer Kommunikation! Zurück in Villavieja bekommen wir fast einen Hitzschlag, als wir unser kleines Zimmer betreten. Gut, da es im Hotel kein Abendessen gibt, sind wir sowieso auf ein externes Restaurant angewiesen, so dass wir in der Zwischenzeit die Klimaanlage auf volle Leistung stellen. Wenig später stehen wir etwas ratlos auf der Straße zwischen zwei Restaurants, als wir freundlich in das eine hineingewunken werden. Man sitzt nett unter bunten Regenschirmen und Leuchtgirlanden, wir bestellen zwei Hamburger in der Hoffnung auf normale Portionen (nachdem sämtliche Steaks bei 350g anfangen und bei ca. 500g enden). Offensichtlich befinden sich in den Hamburgern aber die gleichen Mengen, nur eben gehackt… Puh! Wir wanken zurück in unser Zimmer, experimentieren mit der Klimaanlage – an: angenehm kühl, aber starkes Gebläse direkt aufs Bett, aus: nackenfreundlich, aber unerträglich heiß. Da habe ich DIE nobelpreisverdächtige Idee: Ich klebe ein Frotteehandtuch mit zwei Streifen Panzertape senkrecht vor das Gebläse – nun kann das Ding trotz niedrigster Ventilatorstufe pusten so viel es will – es ist perfekt! Wir genießen eine kühle und zugluftfreie Nacht! Das Arbeitstier  Das Gewitter hat uns geweckt! Es gießt in Strömen und es gelingt uns gerade noch, trocken zum Frühstück zu kommen. Wir sind wieder früh dran, denn auch heute liegen fast 300 km vor uns. Unter Regenschirmen hin und her hastend, gelingt es uns, das Auto, welches immer noch ein Stück entfernt vor der Absperrung steht zu beladen und schon geht es los. Vierzig Kilometer müssen wir entlang des Río Magdalena wieder zurück, bis wir in Neiva den Fluß kreuzen können, um wieder auf die 45 nach Norden zu gelangen. Es ist bemerkenswert wenig Verkehr unterwegs, allerdings müssen wir zweimal fast 30 cm tiefe Furten queren wo gestern noch völlig trockene Straße war. Trotz des immer noch kräftigen Regens kommen wir auf der zweispurigen 45 gut voran und sind schon gegen Mittag in Fusagasugá, einem schon sehr städtischen Ort im weiten Speckgürtel von Bogotá. Morgen müssen wir unser Auto in Bogotá abgeben, zwar erst am Nachmittag, aber die Strecke in einem Stück von Villavieja zurück in die Hauptstadt wäre zu gewagt gewesen, weshalb wir hier eine Zwischenstation einlegen. Unser Quartier ist eine große, grüne Hacienda, außerhalb der Mauern umgeben von städtischer Bebauung, auf der bis heute Kaffee angebaut wird, wie "Willy", das allgegenwärtige, hier für die Gäste herausgeputzte Arbeitstier der Landarbeiter beweist.
Der normale Wahnsinn  Die Aufnahme in der Hacienda Caloma ist sehr nett, Frühstück gibt es um 8:00 Uhr und wenn wir wollen, können wir morgen früh auch noch an einer Führung über die Plantage teilnehmen. Das täten wir gerne, da wir aber nicht wissen, wie lange wir für die letzten 70 km brauchen, wollen wir lieber frühzeitig los. Den Rest des Nachmittags bummeln wir noch ein bißchen herum, bevor wir zu einem Abendimbiss im nahegelegenen Einkaufszentrum aufbrechen. Am nächsten Morgen hat es endlich aufgehört zu regnen und als wir um 10:00 Uhr aufbrechen, geht es zügig auf der Schnellstraße voran. Unser Ziel ist das gleiche Hotel, in dem wir unsere Ankunftsnacht verbrachten und der Abholer von der Enterprise Autovermietung hat sich für 17:00 Uhr angekündigt. Bereits gegen 11:00 Uhr haben wir die Außenbezirke Bogotás erreicht – als plötzlich alles steht! Nichts geht mehr! Zentimeterweise rücken wir vorwärts, bis wir nach etwa einer Stunde eine Großbaustelle passieren, nach der sich der Stau aber auch nicht auflöst. Es dauert schließlich weitere 2 Stunden unter den oben gezeigten Verkehrsbedingungen, bis wir die letzten 10 km geschafft haben und um 14:00 Uhr endlich das Hotel erreichen. Vier Stunden für 70 km – normal! Schadlos  Direkt vor der Tür 'unseres' Hotels, neben der bekannten Wandmalerei, ist ein Platz frei, wir entladen das Gepäck und erfahren, dass das Hotel nichts dagegen hat, wenn wir dort stehen bleiben, allerdings öfter die Polizei vorbeikommt und Knöllchen verteilt. Also beschließen wir, das Auto doch lieber für drei Stunden auf einen Parqueadero zu stellen. Nachdem die verkürzte Anmeldeprozedur vorbei ist – man hat uns noch in den Akten :-) – fahren wir den nächsten Parkplatz an, der allerdings vollständig besetzt ist. Wenn es an einem aber in Bogotá nicht mangelt, dann sind es die zwischen den Häuserzeilen gelegenen, grundstückgroßen Parqueaderos, und so dauert es nur eine weitere Runde um den Block, bis wir einen freien Platz ergattert haben. Zurück nach einem zehnminütigen Fußweg beziehen wir unser Zimmer – diesmal ein anderes – und als Maren feststellt, dass sich ein "James" von Enterprise über WhatsApp gemeldet hat, bestätigt sie umgehend unsere Anwesenheit, woraufhin er sich für 16:00 Uhr ankündigt. Pünktlich auf die Minute trifft James auch ein und gemeinsam gehen wir zum Parqueadero zurück. James freut sich, dass wir mit dem Auto, Kolumbien und dem ganzen Rest sehr zufrieden waren und hat nichts zu beanstanden. Ich freue mich ebenfalls, dass ich den KIA ohne Beule durch alle verkehrstechnischen Widrigkeiten gelotst habe und tätschle ihm zum Abschied noch einmal dankbar die Motorhaube. Im Blickpunkt  Mich hat der Fahrtstress heute so genervt, dass ich froh bin, mich ein wenig ausruhen zu können, als wir wieder im Hotel eintreffen. Maren hingegen trägt sich mit der Absicht, wenn es irgend geht noch dem Museo del Oro, dem berühmten Goldmuseum Bogotás einen Besuch abzustatten. Aber obwohl das Museum bis 19:00 Uhr geöffnet hat, hat selbst Maren keine Energie mehr, heute nachmittag noch durch eine Ausstellung zu wandern. Sie will aber zumindest mal in Erfahrung bringen, wie lange man zu dem nur wenige Straßen entfernten Parque Santander läuft, an dem sich das Museum befindet. Mir reicht es, heute abend noch einmal zum Abendessen rauszugehen und beschäftige mich lieber mit dem Sichten von Fotos und mit Lesen. Maren hingegen nutzt die Gelegenheit, auf dem Wege noch ein paar der wirklich fantastischen Straßenillustrationen abzulichten, die wir in dieser Menge und künstlerischem Einfallsreichtum in noch keinem anderen südamerikanischen Land gesehen haben. La Candelaria  Wir befinden uns mitsamt unseres Hotels in dem Szeneviertel "La Candelaria", welches durch allein vier Universitäten auf engstem Raum bereichert wird: Universidad de los Andes, Unversidad Central, Universidad Externado de Colombia und Unversidad de Bogotá Jorge Tadeo Lozano. Entsprechend ist das Publikum, welches den Parque de los Periodistas Gabriel García Márquez samt den umliegenden Straßen bevölkert, die abends zu fantasievoll beleuchteten Fußgängerzonen der Restaurant- und Künstler-Welt mutieren. Wir selber hatten ja bereits an unserem ersten Tag in Bogotá vom Hotelzimmer drei, vier junge Leute beobachtet, wie sie höchst kompetent ein Fußwegteilstück innerhalb kürzester Zeit in ein Kunstwerk verwandelten. Es sind nur ein paar Minuten Fußweg zum Museum, wie Maren herausgefunden hat. Wenn wir also pünktlich um 9:00 Uhr da sind, bleiben uns immerhin zwei Stunden Zeit! Wir beschließen den Abend in dem gleichen italienischen Restaurant wie am ersten Tag in Bogotá und fallen danach todmüde ins Bett.
Bogotá, Distrito Capital  Nach einem reichlichen Frühstück OHNE Eier (bzw. nur auf ausdrücklichen Wunsch) machen wir uns gegen 8:30 Uhr auf den Weg zum Museum. Noch sind die Straßen fast leer und obwohl wir langsam vor uns hin schlendern, sind wir bereits gegen 8:45 Uhr vor Ort. Auch der Parque Santander ist noch weitgehend unbelebt, nur vor den modernen Fassaden der Banken, Versicherungen und anderer Geschäfte verläuft sich Personal und Publikum. Eine bunt bemalte (und leider auch schon unschön bekritzelte) Rollplastik bestätigt uns, dass wir uns tatsächlich in der Hauptstadt befinden. Langsam sammelt sich auf der Treppe vor der Glasfront des Museums eine größere Menge von Besuchern an und pünktlich um 9:00 Uhr erscheinen nun auch Mitarbeiter auf der Innenseite und entriegeln sämtliche Schlösser. Kinder und Rentner umsonst  Maren atmet erleichtert auf – ihr letztes kolumbianisches Bargeld wird nicht mehr bis auf den letzten Peso beansprucht, denn ich bin (weit) über 62 und darf umsonst rein! Ausgestattet mit Tickets und Kameras steigen wir in die erste Etage empor, wo die Ausstellung den Besucher vertraut macht mit der Geschichte, der Kultur, den Werkzeugen und den Techniken jener Völker, die in den fruchtbaren Landstrichen des von großen Flüssen durchzogenen prähistorischen Kolumbiens lebten und über 4000 Jahre hinweg einen hohen zivilisatorischen Entwicklungsstand erreichten. Eine Kultur, von der die abendländische Gesellschaft erst ab dem 16. Jahrhundert Kenntnis erlangte und die sie in religiöser Überheblichkeit und mordlüsterner Goldgier in Rekordzeit vernichtete. Anhand von Werkzeugen und von Skizzen kann man nachvollziehen, wie die Goldschmiede des ersten Jahrtausends der neuen Zeitrechung in mühevoller Kleinarbeit die feinsten Details in ihren bevorzugten Werkstoff hämmerten. Synchronizität  Nur wenige Tage ist es her, dass ich in San Agustín die Email einer Pariser Agentur empfing, in der ich in englischer Sprache freundlich um die Überlassung eines Fotos gebeten wurde, welches ich während unserer Perureise 2017 bei der Querung eines Andenpasses in 4000 m Höhe aufgenommen hatte. Das Bild eines  Alpakas mit zwei Jungtieren  soll als eine von vielen Illustrationen die geplante, einjährige Ausstellung des "Musée de L'Homme" in Paris ab September 2026 bereichern, welche sich der Sesshaftwerdung des Menschen widmet, und damit auch der Entwicklung von Landwirtschaft und der Domestizierung von Wildtieren. Die Nachfrage betraf neben meiner generellen Bereitwilligkeit auch die Möglichkeit der Bereitstellung des Fotos in höherer Auflösung sowie die Honorarfrage. Unter Verweis auf unseren derzeitigen Urlaub verschob ich weitere Erörterungen auf zwei Wochen später, nach deren Ablauf ich aber den Wünschen entsprach, das Bild in höherer Auflösung lieferte, zugunsten der Ehre auf ein Honorar verzichtete und nunmehr dem vertraglich abgesicherten Erscheinen meiner Alpakas im Großformat gespannt entgegensehe. Klar, dass diese Zeittafel im Museo del Oro da wie ein Wink des Schicksals erschien :-). Schamanenmasken  In Kolumbien finden sich die Spuren von zehn prähistorischen Völkern und von sieben dieser Völker ist der Umgang mit Gold archäologisch belegt. Alle sieben dieser Volksstämme sind im Museo del Oro mit kunstvollen Artefakten vertreten, wobei die schiere Menge dieser Stücke den Nichtfachmann geradezu erschlägt, so dass er sie nur staunend betrachten kann, aber ohne langjähriges Studium wohl nicht in der Lage ist, die einzelnen Pretiosen den verschiedenen Stämmen zuzuordnen. Insofern beschränken wir uns auf eine zwangsläufig ungeordnete Wiedergabe einiger Schmuckstücke, die vom Museum in sehr geschmackvoller Art und Weise in gläsernen Vitrinen präsentiert werden.
Yotoco Grabbeigaben  Für die prähistorischen Völker war Gold das heilige Metall, der Behälter der schöpferischen Energie der Sonne – des Himmelskörpers, der der Urheber des Lebens und die ultimative Quelle der Fruchtbarkeit war. Gleichzeitig war Gold das höchste religiöse Opfer, ein Objekt des Prestiges bei hochstehenden Personen und Begleiter bei rituellen schamanischen Beschwörungen, wenn die Tore zur übernatürlichen Welt geöffnet werden sollten, die die Menschen in ihrem irdischen Dasein verloren zu haben glaubten. Ohrschmuck der Zenú Kultur  Die Urvölker glauben, dass es ursprünglich keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier gab und dass sie erst mit dem Erscheinen der Sonne und dem Tod die Verbindung zur Urwelt, der Quelle der Macht verloren hatten. Speziell unter dem Einfluss halluzinogener Drogen wie Ayahuasca, dem Alkaloid einer Liane, treten die Menschen mit Tänzen, Gesängen und Masken wieder in Kontakt mit der ursprünglichen Welt und kehren in den Zustand der Mensch-Tier-Mischung zurück, um wieder Kontrolle über die Urwelt zurück zu erlangen. Der Schamane, der sich dabei in einen Vogel oder Jaguar verwandeln können soll, dient so als Vermittler zwischen Mensch und der okkulten Welt, der Quelle der Weisheit. Vogelmensch  Diese Assoziationen – die symbolische Bedeutung des Metalls, sein sakraler Ursprung und seine emblematische und rituelle Funktion – prägten die prähistorischen Kulturen Kolumbiens, unabhängig von den verschiedenen regionalen Stilen und Techniken der Goldverarbeitung. Quimbaya Aviones  Die verschiedenen Völker Kolumbiens haben ihre kulturellen Höhepunkte durchaus zu unterschiedlichen Zeitpunkten erreicht, je nach den Orten, an denen sie siedelten. Speziell die Gesellschaften, die in der beginnenden Neuzeit – zwischen 500 v. Chr. bis etwa 1000 n. Chr. – die fruchtbaren Hänge der Flusstäler des Cauca und des Magdalena bewohnten, haben technologisch beeindruckende Metallverarbeitungsfähigkeiten ausgebildet, die qualitativ hochwertige und sehr realistische Schmuckobjekte hervorbrachten. Besonderen Ruhm erlangten die Quimbaya, von deren ganz speziellen Schöpfungen zum Zeitpunkt unseres Besuches leider nur zwei Exponate in den Glasvitrinen ausgestellt wurden. Möglicherweise ist dem Museum, welches hartnäckig an den unverdächtigen Interpretationen "Insekt", "Vogel" oder "Fisch" festhält, die Aufregung unangenehm, welche spätestens mit von Dänikens Deutung der Artefakte als präastronautische Flugzeuge einsetzte. In der Tat hält das Museum eine Unmenge weiterer, zum Teil erheblich eindeutigerer Exponate im Lager, die wohl aus guten Gründen nicht mehr gezeigt werden. Wer mehr darüber wissen will, sollte sich  dieses PDF  anschauen!
Stab Spitzen  Die bisherigen Forschungen lassen vermuten, dass die Metallurgie in Amerika vor etwa 3500 Jahren im zentralen Hochland von Peru entdeckt wurde. Offenbar wurde diese Tradition nach und nach von den entwickelteren Kulturen Nordperus und Ecuadors übernommen und verbreitete sich von dort bis zur südlichen Pazifikküste Kolumbiens, so dass im 5. Jahrhundert v. Chr. die Goldschmiede der andinen Pazifikhänge die Bearbeitung von Goldblechen und das Löten von Miniaturen schließlich meisterhaft beherrschten. Begünstigt wurde diese Form der schöpferischen Kunstgestaltung durch wirtschaftlichen Reichtum, denn die indigenen Völker pflegten eine äußerst produktive Landwirtschaft und verfeinerte Jagd- und Fischfangtechniken, die ihnen Zeit und Muße ließen, sich anderen Tätigkeiten zu widmen. Filigrane Ornamente der Zenú  Es waren die großen Schwemmlandablagerungen der Flüsse Magdalena und Cauca mit ihren reichen Goldvorkommen, die mit dem Beginn der Neuzeit ausgebeutet wurden. Teilweise vor Ort zu Schmuckstücken und Kunstwerken verarbeitet, diente eine große Menge als Handelsware, die entlang der Flüsse weite Verbreitung fand und von den Goldschmieden aller Völker stark begehrt wurde. Und obwohl die politischen Verhältnisse Kolumbiens zu dieser Zeit niemals zur Staatsbildung reichten, existierten zahlreiche politische und religiöse Zentren mit großem Wirkungskreis, für deren Autoriäten, Häuptlinge und Schamanen, die goldenen Artefakte zur Unterstreichung ihres Prestiges und ihrer Privilegien oder als Beiwerk religiöser Riten unverzichtbar waren. Brustschild  Seit dem 8. Jahrhundert n. Chr. war das obere Tal des Río Cauca im Südwesten Kolumbiens von einer Gruppe besiedelt, die Goldobjekte von bemerkenswerter technischer und dekorativer Qualität herstellte. Besonders hervorzuheben sind Anhänger und Brustpanzer unterschiedlicher Größe, reich verziert mit Darstellungen von Greifvögeln und Vogelmenschen. Viele Stücke zeigen eine zentrale Figur, die einen Mann mit Vogelschnabel darstellt, umgeben von Ornamenten oder kleinen zoomorphen Figuren. Neben Gold wurden in den Gräbern auch bemerkenswerte Keramiken gefunden, die Würdenträger darstellen, welche auf Sänften getragen oder auf Bänken sitzend dargestellt sind. Einige sind mit Gesichtsbemalungen oder Tätowierungen und Halsketten geschmückt und halten mitunter runde Schilde, die mit abwechselnden Motiven verziert sind, ähnlich denen auf manchen goldenen Brustpanzern. Balsa Muisca  Die Muisca, welche im Gebiet des heutigen Bogotá lebten, bauten zur Weihe eines neuen Häuptlings ein Floß aus Schilf, welches prunkvoll geschmückt und verziert wurde. Man entkleidete den Erben, bestrich ihn und das Floß mit klebriger Erde und bestreute alles mit gemahlenem Gold, so dass das Floß vollständig mit dem Metall bedeckt war. Zusammen mit vier Unterhäuptlingen trieb das Floß hinaus auf den Guatavita-See, wo der neue Häuptling als Opfer allen Schmuck und das Gold in die Lagune warf und zuletzt gemeinsam mit den vier Häuptlingen ins Wasser stieg und alles Gold abwusch. Zurück an Land begann eine Feier mit Tänzen und Muschelhörnern, die in einer Zeremonie endete, in welcher der Neugewählte als Herr und Prinz anerkannt wurde. Die Zeremonie des Goldopfers wurde unter dem Namen "El Dorado" weltbekannt. Dieses goldene Floß – hergestellt von den Muisca im Wachsausschmelzverfahren – wurde aufgefunden von drei Bauern auf der Suche nach ihrem entlaufenen Hund im Jahre 1969 in einer Höhle der südwestlich von Bogotá gelegenen alten Muisca-Gemeinde Pasca.
El Dorado  Im Gegensatz zu den großen Reichen der Azteken oder der Inka mit Schwerpunkt in Peru hatten die Spanier im 16. Jahrhundert Schwierigkeiten im Umgang mit der in viele kleine Häuptlingstümer zerplitterten Gesellschaft Kolumbiens. Dazu kam die enorme Vielsprachigkeit der einzelnen Stämme und Völker, die es den Eroberern nicht leicht machte, trotz des Reichtums einen Zugang zu diesem Land zu finden. Lediglich die Gesellschaft der Muisca im Herzen des Landes wies ähnliche Merkmale auf wie die erheblich größeren Reiche der Inka und Azteken. Es war die Legende von El Dorado, der Traum von dem sagenhaften Schatz der Muisca, wo Gold ein Symbol für Prestige und Macht war, der die Konquistadoren antrieb. Die Eroberung und Kolonisierung dieser Region durch die Spanier erfolgte in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, beendete die eigenständige Entwicklung der dortigen Kulturen und führte zur vollständigen Einstellung ihrer Metallverarbeitung. Ein Großteil des Goldes wurde geplündert und zu Barren eingeschmolzen. Lediglich ein kläglicher Rest konnte von den Einheimischen in verborgenen Gräbern versteckt und dem Zugriff entzogen werden. Zierstockschmuck der Zenú  Mit diesem, 490 n. Chr. entstandenen Zierstück eines rituellen Stabes der Zenú aus den karibischen Ebenen, verabschieden wir uns aus dem Museum. Wir haben die Auslagen beider Etagen voller Bewunderung betrachtet, müssen jetzt aber allmählich an unsere Termine denken. Zuvor will Maren aber unbedingt noch im Untergeschoß den Museumsshop besuchen, wo einige der Exponate zum Kauf angeboten werden... Hah, nein, natürlich nicht! Aber Repliken, beziehungsweise Schmuckstücke, die im Geiste der alten Vorbilder gefertigt wurden. Ich warte derweil am oberen Ende der Treppe... und warte, und warte... Schließlich kommt die beste Ehefrau von allen doch wieder hoch und schimpft mit mir, dass wir doch schließlich noch über eine Stunde Zeit bis zu Abholung hätten. Na dann... Stadtbild  Okay, es ist jetzt 10:45 Uhr, der Abholer kommt um 12:00 Uhr, alle Koffer sind gepackt, der Parque Santander hat sich belebt, so dass die Zeit zumindest noch für ein typisches Stadtbild reicht (für manche Deutsche hat das Wort "Stadtbild" seit Merz eine gesellschaftsspaltende Bedeutung – alle anderen nehmen es als das, was es ist ;-). Natürlich sind wir rechtzeitig wieder im Hotel, wir sind happy, dass es mit dem Museum noch geklappt hat und zum Trost sei verraten, dass Maren zu Hause einen Online Händler gefunden hat, der explizit den von ihr bewunderten "Museo del Oro"-Schmuck im Programm hat. Na also! Ein letzter Blick  Unser Reisebüro und die kolumbianische Partneragentur haben eine wirklich gute Arbeit geleistet! Es hat auf dieser Reise alles wie geplant geklappt und – was wir ganz besonders wertschätzen – jeder vereinbarte Termin mit jedem Abholer und Zwischentransport war erstmals wirklich da und auf die Minute pünktlich! Es reicht gerade noch für einen letzten Schnappschuß vom Dachgarten unseres Hotels, nach dem ersten Koffer, den ich vom 1. Stock in die Rezeption wuchte, springt uns hilfreich ein Bediensteter zur Seite und kaum haben wir ausgecheckt, klingelt es an der Tür und unser Abholer ist da. Vorbei an einer unglaublich guten Reihe von Straßenillustrationen, erreichen wir den Flughafen nach sensationellen 45 min. und werden punktgenau am KLM-Schalter abgesetzt. Nach einem interessanten, wenn auch in mancher Hinsicht nicht ganz unseren Erwartungen entsprechenden Urlaub, geht es nun wieder über Cartagena – wo wir diesmal an Bord bleiben dürfen – und Amsterdam zurück ins heimische Irrenhaus. Hoffentlich kommen wir bald wieder raus!